nach oben
Rapolder © dpa
01.03.2011

Ein „Stinkefinger“ zu viel: KSC trennt sich von Rapolder

Nach der bitteren 1:4-Heimniederlage des KSC gegen den FC Ingolstadt am vergangenen Sonntag hatten sich die Ereignisse im Wildpark in den vergangenen zwei Tagen „hochgeschaukelt“, wie Präsident Ingo Wellenreuther in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz erklärte.

Das Verhältnis zwischen Fans, Mitgliedern und Trainer war schon zuvor angespannt. Eine unbedachte Reaktion Uwe Rapolders nach ungefähr einer Stunde Spielzeit brachte das Fass dann zum Überlaufen. Nach einer Verbalattacke eines Zuschauers soll der Trainer diesem den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt haben. Rapolder bestritt auch gestern Vormittag in einer Sitzung mit dem KSC-Präsidium noch, dies bewusst getan zu haben. „Aber wenn ich in der Emotion irgendeine Geste gemacht habe, dann tut mir das leid“, entschuldigte sich Rapolder.

Viele Zeugen im Stadion bestätigen indes, den gestreckten Mittelfinger Rapolders gesehen zu haben. So auch PZ-Leser und Dauerkarteninhaber Oliver Haderer: „Ich saß schräg hinter der Trainerbank und haben den ‚Stinkefinger ’ gesehen.“

 

Nach dem Spiel soll der als cholerisch geltende Fußballlehrer sich noch verbal mit einem Fan angelegt und diesen als „Asi“ beschimpft haben, nachdem dieser Rapolder zuvor als „Dreckspatz“ bezeichnet hatte.

Der ehemalige Richter Ingo Wellenreuther wollte nicht mehr in die Beweisaufnahme gehen. Die Indizien sprechen allerdings klar gegen Rapolder. „Im Verhältnis zwischen Trainer und Fans hatte sich zuviel hochgeschaukelt. Der Druck wurde einfach zu groß. Aufgrund der Gesamtsituation mussten wir reagieren. Es geht um das Gesamtwohl des Vereines“, erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete.

 

Bereits am Mittwoch will der KSC den Nachfolger von Uwe Rapolder vorstellen. Gespräche wurden bereits geführt. Potenzielle Kandidaten wollte der KSC-Präsident indes keine nennen. Einige Namen geisterten schon durchs Wildparkstadion. Dass „Ede“ Becker ein Comeback auf dem Trainerstuhl des stark abstiegsbedrohten Zweitligisten feiern könnte, halten Insider für unwahrscheinlich. Ebenso verhält es sich mit Winfried Schäfer, dessen Name ebenfalls genannt wurde. Er beendete sein jüngstes Engagement beim FC Baku (Aserbaidschan) im Januar. Ein ernsthafter Kandidat ist offenbar Rainer Scharinger, bis Dezember 2010 Trainer beim Drittligisten VfR Aalen. Der 43-Jährige aus Spessart kennt den KSC aus seiner aktiven Zeit als Spieler, hat allerdings keine Erfahrung als Feuerwehrmann. Beim 1:4 gegen Ingolstadt soll auch Falko Götz (48, früher Hertha BSC Berlin) auf der Tribüne gesichtet worden sein.

Die Trennung von Uwe Rapolder erfolgt, so die offizielle Sprachregelung, „im beiderseitigem Einvernehmen.“ Der Schwabe erhält sein Gehalt bis zum Ende der Saison weiter. Gestern übernahm Co-Trainer Josef Zinnbauer die Trainingsleitung. Am kommenden Samstag beim schweren Auswärtsspiel in Bochum soll bereits der Neue auf der Bank sitzen.

Rapolder hatte am 22. November 2010 den glücklosen Markus Schupp abgelöst. Er holte in elf Spielen 13 Punkte, Schupp in 13 Spielen zehn Punkte. Der Verein, der jetzt vor einem Scherbenhaufen steht, bewegte sich in dieser Zeit auf der Stelle: Beim Amtsantritt Rapolders rangierte der Club auf Relegationsplatz 16, wo er auch heute noch steht.