Am Clubhaus stehen und dem Spiel zuschauen, können de Fans des 1. FC Nußbaum bei Spielen ihrer Mannschaft unter der Woche vermutlich nicht. Auf Platz eins gibt es kein Flutlicht. Die Teams müssen daher auf den Trainingsplatz ausweichen. In dieser Szene leitet Nußbaums Luca Bastian (links) einen Angriff ein. Rechts Bilal Al-Khaldi vom FV Göbrichen. Foto: PZ-Archiv, Becker
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Englische Wochen werden die Kicker gewaltig stressen - Kreisligisten erwartet knackige Runde

Pforzheim. In der kommenden Runde ist Ausdauer gefragt! Den Fußball-Kreisligisten steht eine Mammut-Saison bevor. 19 Mannschaften sind am Start. In der abgebrochenen Runde 2019/20 gab es ja keine Absteiger, sondern nur Aufsteiger. Also müssen nun 36 Spieltage absolviert werden. Am Wochenende 29./30. August geht die Runde los. Es folgt gleich eine Englische Woche (2./3. September). Zum Ende der Rückrunde folgen noch weitere vier Englische Wochen. Aufgrund von Spielausfällen wegen schlechten Wetters, einer verlängerten Winterpause oder auch Kreispokalspielen muss man mit weiteren Spieltagen unter der Woche rechnen.

„Das wird eine heiße Runde“, blickt der stellvertretende Fußballkreisvorsitzende Thomas Distel auf den vollen Terminkalender. „Im schlimmsten Fall spielen wir Sonntag, Dienstag, Donnerstag, Sonntag.“ Das wäre Stress für die Fußballer. Doch die Vereine hätten es ja auch anders haben können. Bei einer Umfrage unter den Clubs sprachen sich jedoch 13 der 19 Kreisligisten für eine klassische Runde aus. Sechs Teams hätten gerne das alternative Modell im Play-off-Modus gespielt, sprich: eine einfache Hinrunde, danach hätten die Teams von Platz eins bis neun um den Titel und Aufstieg gespielt, der Rest in einer Abstiegsrunde um den Klassenerhalt. Die Punkte aus der Hinrunde hätten die Mannschaften mitgenommen.

Zu den Clubs, die für eine Play-off-Runde votierten, gehörten unter anderem der 1. FC Dietlingen, TSV Wurmberg-Neubärental, 1. FC Nußbaum, FV Wildbad, Alemannia Wilferdingen und der FV Knittlingen.

Flutlicht fehlt und die Schichtarbeiter auch

„Das alternative Modell wäre die bessere Wahl gewesen“, sagt Jerome Kronenwetter gegenüber der PZ. Warum? Zum einen hat der 1. FC Nußbaum auf seinem Platz eins kein Flutlicht. Abendspiele unter der Woche können hier somit nicht ausgetragen werden. Außerdem sei es schwierig, so der erste Vorsitzendes des FC Nußbaum, unter der Woche eine schlagkräftige Truppe zusammenzubekommen. „Wir haben – wie viele andere Vereine auch – Schichtarbeiter und Studenten im Team, die Mittwochabends nicht um 17 oder 18 Uhr auf dem Platz stehen können“, so Kronenwetter. Treffpunkt vor den Spielen ist dann meist auch noch eine Stunde vorher. So mancher Kicker kommt wohl nicht umhin, extra Urlaub zu nehmen.

Für das Flutlichtproblem haben die Nußbaumer eine Lösung. Sie wollen auf einen Trainingsplatz, der beleuchtet ist, ausweichen. Das sei zwar nicht optimal, aber immerhin möglich, so Kronen-wetter.

Ähnlich ist es in Coschwa. Auch hier hat nur der Trainingsplatz Licht. „Den konnten wir allerdings in der Corona-Pause herrichten. Er befindet sich daher in einem guten Zustand“, sagt Edgar Huber. Der Vorsitzende der Spielvereinigung begrüßt im Gegensatz zu Nußbaum, dass die Runde nach dem klassischen Modell ausgetragen wird. „Der neue Modus hätte nur zu Diskussionen geführt“, meint Edgar Huber. Klar käme auf die Kicker nun eine höhere Belastung zu, „doch da muss man jetzt durch.“ Der Vereinsboss weiß, auf was es in der neuen Runde ankommt: „Man braucht eine gute Kondition und so wenige verletzte Spieler wie möglich.“

"36 Spiele – Prost, Mahlzeit. Das geht den Spielern kräftig an die Substanz. Und was ist, wenn der ein oder andere Spieler am Wochenende oder unter der Woche arbeiten muss?"

Andreas Ziegler, Spielleiter vom 1. FC Dietlingen

Andreas Ziegler vom Aufsteiger 1. FC Dietlingen kann dagegen nur mit dem Kopf schütteln. Als „unvernünftig“ bezeichnet er die Entscheidung seiner Sportkollegen, eine Mammutsaison durchzuziehen. „36 Spiele – Prost, Mahlzeit. Das geht den Spielern kräftig an die Substanz. Und was ist, wenn der ein oder andere Spieler am Wochenende oder unter der Woche arbeiten muss?“, so der Spielleiter der „Winzer“. Die Dietlinger backen jedenfalls mal kleiner Brötchen. „Ziel ist der Klassenerhalt“, blickt Andreas Ziegler voraus.

Auch die Nußbaumer haben nur den Ligaverbleib im Blick. Jerome Kronenwetter erwartet mit einem Augenzwinkern eine „interessante Runde“. Dem klassischen Model kann er dann aber doch noch etwas Positives abgewinnen: „Vielleicht ist die Austragung einer normalen Runde fairer“, sagt er und verweist auf einen möglichen Schummel-Faktor der beim Play-off-Modus möglich wäre: „Mannschaften, die hier nach der Hinrunde unter den ersten neun sind und den Klassenerhalt sicher haben, könnten ihre besten Spieler ja dann in der zweiten Mannschaft einsetzen, damit diese erfolgreich sind. Das wäre ja Wettbewerbsverzerrung, das will man dann auch nicht“, so Kronenwetter.

Langer Atem von Nöten

Die Kreisligisten brauchen in der neuen Runde also einen langen Atem. Zu wünschen wäre ihnen so wenige Englische Wochen wie möglich. Fest steht auf jeden Fall, dass es nach dieser Saison Absteiger geben wird – selbst, wenn es noch einmal zu einem Abbruch wegen Corona kommen sollte.