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Kurz bevor die Fäuste flogen, hatten randalierende Fans der Gießener Basketballmannschaft in der Europahalle Gegenstände in Richtung der Ordner und des Sicherheitsdienstes geworfen. 
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Erstmals Großeinsatz der Polizei bei Basketballspiel in Europahalle: Fans von Gießen 46ers randalieren

Für alles gibt es immer ein erstes Mal, auch wenn man sich das in vielen Fällen nicht wünscht. So konnte sich ein Polizeisprecher am Samstagabend auf Anfrage von PZ-news nicht daran erinnern, jemals einen Polizeieinsatz bei einem Basketballspiel in Karlsruhe mitbekommen zu haben. Ähnlich erging es vielen im Publikum, die teilweise schockiert das Treiben der Fans der Giessen 46ers beim Basketball-Zweiligaspiel gegen die BG Karlsruhe verfolgt haben. Am Ende mussten 19 Streifenwagen vor die Europahalle fahren, um die Gießener Fans zu beruhigen und weitere Ausschreitungen zu verhindern.

Randalierende Fans kennt man sonst eher vom Fußball, im Basketball sind sie die Ausnahme. Die Fangruppe der Giessen 46ers hätte eigentlich allen Grund gehabt, friedlich den Abend in der Europahalle ausklingen zu lassen, hatte ihr Team in der Pro A-Division (Zweite Liga) doch mit 84:82 gegen die tapfer kämpfende, drei von vier Spielvierteln dominierende BG Karlsruhe gewonnen. Doch schon vor der Hallenöffnung zeigten sich einige offensichtlich alkoholisierte Fans aggressiv, weshalb das Sicherheitsteam sich spontan zu Einlasskontrollen entschlossen hatte. Ebenfalls ein – unerfreuliches – Novum für viele Karlsruher Basketballfans, die erstmals in einer langen Schlange vor der Europahalle anstehen mussten.

Insbesondere im letzten Viertel, als die BG Karlsruhe in einem furiosen Endspurt den Vorsprung der Giessen 46ers verkürzte, flogen Klopapierrollen und andere Dinge in Richtung der Ordner. Zuvor schon hatte der Hallensprecher den Anhang des Bundesliga-Absteigers gebeten, nicht mehr Bier in Richtung Spielfeld zu werfen. Später nach der Schlusssirene gegen 20.45 Uhr sollten dann auch die Fäuste fliegen, als die Ordner den 70 bis 100 Personen zählenden Gießener Fanpulk baten, die Halle zu verlassen.

Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes wurden durch BG-Anhänger und Mitarbeiter der Hallenbeleuchtung dabei unterstützt, die Randalierer zu hindern, das Spielfeld zu betreten. Schließlich mündete die Konfrontation in körperlichen Auseinandersetzungen. In deren Verlauf zog sich ein 26-jähriger Besucher aus Karlsruhe eine Gehirnerschütterung sowie multiple Prellungen zu und musste schließlich mit dem Verdacht auf einen Kieferbruch stationär in einem Karlsruher Krankenhaus aufgenommen werden.

„War auch sehr enttäuscht von der knappen Niederlage unserer Mannschaft, aber noch schlimmer fand ich das schreckliche Verhalten der Fans aus Giessen!!! Echt asozial!!!“ und „Euer Verhalten in der Halle war zum Kotzen“. So lauten zwei Postings auf der Facebookseite der BG Karlsruhe und im „Offiziellen Fanforum der Giessen 46ers“. Dass das Verhalten vor der Halle dann doch eher brav war, lag an der Polizeipräsenz. Die 19 Streifenwagen-Besatzungen und einige Polizeihunde im Hintergrund hatten den Gießenern offensichtlich schnell den Schneid abgekauft.

Ein Teil der Randalierer wurde eingekesselt. Es wurde zwar noch einige Zeit diskutiert und nach mutmaßlichen Schlägern gesucht, aber letztlich folgten die 46ers-Fans recht zügig und überraschend ruhig der Aufforderung der Polizei, in Begleitung der Beamten zum Bus zurückzukehren. Dort nahmen die Polizisten die Ausweise der Gießener entgegen und notierten sich die Namen. Die Ermittlungen zu den einzelnen Geschehensabläufen und Tatbeteiligungen hat das Polizeirevier West aufgenommen. Die unverhoffte Einsatzpremiere brachte die Karlsruher Polizei kurzfristig personalmäßig an eine Kapazitätsgrenze, denn zur gleichen Zeit gab es noch andere personalintensive Einsätze wie etwa eine große Schlägerei in Karlsruhe.

Kurios am Rande: Mitten im „Europahallen-Kessel“ der Polizei standen auch ein Hand voll Karlsruher Fans und Rouven Rößler, der Mannschaftskapitän der BG. Der erhielt allerdings nur ein paar freundlich gemeinte Schulterklopfer einiger Gießener, die sich wohl noch an seine Zeit als Teammitglied der 46ers erinnerten. Auch Tim Schwartz spielte früher für die 46ers. Und die Ex-Gießener und Dreierwerfer Rößler und Schwartz waren an diesem Abend die Topscorer für die BG.

Ob die Gießener Fans immer noch nicht den Frust des Abstiegs verdaut haben? 47 Jahre lang seit Gründung der Bundesliga im Jahr 1966 war der Gießener Basketball erstklassig. Die aktuelle Zweitklassigkeit könnte noch nicht das Ende des Abstiegs sein. Vor einem Jahr erst konnte die drohende Insolvenz abgewendet werden.

In Karlsruhe hat man andere Sorgen. Die BG steht auf dem 15. und vorletzten Platz, ist aber punktgleich mit dem rettenden 14. Platz und nur zwei Punkte vom 13. Platz entfernt. Momentan wären die Karlsruher abgestiegen. Doch BG-Coach Thorsten Daume muss noch nicht verzweifeln. „Wir haben gegen jeden Gegner die Chance zu gewinnen“, so Daume im Vorfeld des Spiels. Daran hat sich auch nichts nach der knappen 82:84-Niederlage gegen Gießen geändert. Die Mannschaft zeigte Potenzial und den Willen, bot aber letztlich mit Ausnahme von Tim Schwartz eine zu geringe Trefferquote bei den Dreier-Würfen. Das aber hat sich in der Saison schon mehrfach als Manko erwiesen.