Pforzheim. Derzeit sind neue Gerüchte um Franz Beckenbauer im Umlauf. Der den ehemalige deutsche Fußball-Funktionär soll vor der Wahl Russlands zum WM-Ausrichter 2018 seine Stimme zum Verkauf angeboten haben, das berichtet unter anderem der Spiegel. Als ob es Dagmar Frank von W-T-W Women and Finance-Treff in Pforzheim schon geahnt hätte, wurde am Donnerstagabend im Audimax der Hochschule über die „Machenschaften der Fifa“ gesprochen.
„Es geht immer nur ums Geld, ums Geld, ums Geld“, sagte Herbert Klar, einst investigativer Journalist bei der ZDF-Sendung Frontal 21, als er über die WM-Vergaben sprach. Der Fußball-Weltverband Fifa erlege den Gastländern solche Knebelverträge auf, dass es in demokratischen Ländern gar nicht mehr möglich sei, eine Fußball-Weltmeisterschaft durchzudrücken, so Klar. So müssten die Ausrichter in ihren Ländern der Fifa und ihren Partnern vom Zeitpunkt der WM-Vergabe an bis zum Ende des Sportevents Steuerfreiheit gewähren. Während die Fifa mit großen Gewinnen aus einer WM herausgehe, erlitten die Gastländer hohe Verluste.
Katar will Image aufpolieren
Eine WM ins eigene Land zu holen sei dennoch für viele Staaten lukrativ. „Fußball ist ein sehr emotionaler Sport und mit Fußball kann man sich auch ein positives Image kaufen“, sagte Klar. Auch bei Katar sei das so. Katar sei das geistige Zentrum der Moslembruderschaft und habe daher Probleme mit anderen arabischen Staaten. Klar hält es für „wahrscheinlich, dass sich Katar mit der WM auch ein positives Image gerade bei jungen Männern erkaufen will“.
Deutsche Erfindung
Die Bestechung im Sport generell sei eine deutsche Erfindung, behauptete Klar und meinte damit die ISL-Liste. Auf dieser standen zahlreiche Fußball-Funktionäre, die von der Marketingfirma ISL Schmiergelder erhalten hatten. Gründer der ISL war der frühere Adidaschef Horst Dassler.
Bei den Bestechungen in der Fifa gehe es oft Fernsehrechte. Wer günstig an die Übertragungsrechte eines Sportevents komme, könne diese für viel Geld weiterverkaufen, so Klar. Der ehemalige Journalist glaubt, dass es auch bei den 10 Millionen Schweizer Franken, die vor der WM 2006 in Deutschland über Franz Beckenbauer und den ehemaligen Adidaschef Robert Louis-Dreyfus an den ehemaligen Fifa-Vorstand Mohammed bin Hammam flossen, um Übertragungsrechte ging.
Ob es in dem Fußball-Weltverband anders zugehen würde, wenn mehr Frauen in führenden Positionen wären, fragte Klar abschließend Ute Groth, die mit ihrer gescheiterten DFB-Präsidentschaftskandidatur für Schlagzeilen gesorgt hatte. „Man müsste es mal ausprobieren“, so Groth, die danach den Bogen zum Frauen- und Amateurfußball in Deutschland spannte und für eine Veränderung der Strukturen im Deutschen Fußball-Bund warb.

