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KSC-Fans beklagen Nacktkontrollen von Fans in Zelten vor dem Stadion des SV Sandhausen. Ein SVS-Sprecher sagte, es habe keine Eingriffe in die Intimsphäre gegeben. Symbolbild: dpa 
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Innenminister Thomas Strobl will das Thema Sicherheit in den Stadien intensiv weiterverfolgen.  Foto: dpa 

Folge der Derby-Randale: KSC-Fans beklagen Nacktkontrollen vor Sandhausen-Spiel

Stuttgart. Nach Krawallen von Fußballfans bei sogenannten Hochrisikospielen sucht die Landespolitik nach Wegen, die Sicherheit zu erhöhen.

Bei der Partie des VfB Stuttgart gegen den Karlsruher SC (2:0) vor zweieinhalb Wochen war es beinahe zum Abbruch gekommen, weil Anhänger im Stadion Pyrotechnik gezündet hatten. Deshalb hat sich der Innenausschuss des Landtags in Stuttgart mit dem Thema Fankrawalle befasst. Indes ist eine Debatte um verschärfte Kontrollen von Fans entbrannt. KSC-Ultras beklagten sich über eine unwürdige Behandlung in Sandhausen: Sie hätten sich geweigert, sich auszuziehen und seien lieber gar nicht erst ins Stadion gegangen.

Innenminister Thomas Strobl (CDU) will gemeinsam mit Fußballvereinen ein Handlungskonzept erstellen. Dazu soll es vor der Sommerpause ein Treffen geben. SPD-Fraktionsvize Sascha Binder kündigte zudem an, dass die Vorkommnisse ebenfalls vor der Sommerpause abermals auf die Tagesordnung des Landtags-Ausschusses kommen sollen. Dann sollen Vertreter der Clubs dabei sein. Man wolle wissen, wie so viel Pyrotechnik überhaupt ins Stadion gelangen konnte, sagte Binder. Hierzu habe Strobl keinen Aufschluss gegeben. „Wir sind da nicht schlauer als vorher.“

Beim Zweitliga-Spiel am 9. April in Stuttgart hatten Gästefans Feuerwerkskörper gezündet und Leuchtraketen aufs Spielfeld geschossen. Zudem demolierten KSC-Anhänger einen Bahnhof und Züge. Große Krawalle – also Gewalt unter Stadionbesuchern – blieben aus. „Wir wollen wissen, wie wir in Zukunft ähnliche Vorkommnisse möglichst ausschließen können“, meinte Binder. Strobl sagte im Ausschuss, die Landesregierung wolle die wichtigen Akteure – zum Beispiel Vereine, den Deutschen Fußball-Bund und die Deutsche Fußball Liga – an einen Tisch bekommen, die Probleme gründlich aufarbeiten.

Ein Knackpunkt ist die Frage, ob Vereine künftig für Polizei zahlen müssen. Innenministerium und SPD-Fraktion haben dazu noch keine Position bezogen. Die Haltung der FDP ist klar: „Ich bin nicht dafür, die Vereine zur Kasse zu bitten, aber sie müssen wirksame Kontrollen machen – auch wenn Fans manchmal schimpfen“, sagte der Liberale Ulrich Goll.

Empörte KSC-Supporters

Unterdessen sorgte ein anderes als «Hochrisiko» eingestuftes Spiel für Diskussionen. Beim Zweitligaspiel SV Sandhausen gegen den Karlsruher SC am vergangenen Sonntag hatten Ordnungshüter ihre Kontrollen verschärft. KSC-Ultras beklagten sich daraufhin über eine unwürdige Behandlung. Sie hätten sich ausziehen müssen, was sie aber verweigerten, hieß es in einer Mitteilung der Ultras. Sie seien dann gar nicht erst ins Stadion gegangen.

Volker Körenzig, Leiter des bei der Stadt angesiedelten Karlsruher Fanprojekts, sagte, er habe Beschwerden erhalten, dass die Club-Anhänger sich «bis auf die Unterwäsche ausziehen mussten». Ein Sprecher der Mannheimer Polizei dementierte die Aussagen über angebliche Nacktkontrollen. Der Ordnungsdienst des SV Sandhausen habe nur sogenannte Ganzkörperkontrollen angewendet, sagte er. Niemand habe sich ganz ausziehen müssen.

Die Ganzkörperkontrollen seien nicht ungewöhnlich, wenn im Vorfeld Ausschreitungen befürchtet werden müssten, erklärte der Sprecher weiter. «Das wird bei jedem Spiel neu entschieden.» Bei solchen Kontrollen werde man von oben bis unten abgetastet und müsse gegebenenfalls eine Jacke ausziehen oder das T-Shirt hochheben.

Ein Sprecher des SV Sandhausen sagte, es habe keine Eingriffe in die Intimsphäre gegeben. «Das hat alles unter Einhaltung der Gesetze stattgefunden.»