Auch als Trainer in Rente lässt der VfB Jürgen Sundermann nicht los. Als Senior hält er für den Verein auf den Dörfern noch nach Spielern Ausschau. Foto: dpa
Über Sundermanns Trainer-Engagements plauderte Ehefrau Monika früher bei Fernseh-Auftritten unter anderem in ZDF-Shows von Dieter Thomas Heck. Foto: dpa/ZDF
Nach der Wende war Jürgen Sundermann unter anderem Zweitliga-Trainer beim VfB Leipzig. Foto: dpa
Sport
Früherer „Wundermann“ zwischen Nostalgie und Trauer: So denkt Jürgen Sundermann über seine Zeit als Trainer des VfB Stuttgart
  • Matthias Jung und Ralf Kohler

Leonberg. Jürgen Sundermann lächelt verschmitzt, als er erzählt, wie er in den 1960er Jahren seine Frau Monika kennengelernt hat. Er spielte bei Hertha BSC als neben dem Fußballplatz in Berlin einmal Monika Nehls mit ihrem Karmann Ghia Cabrio stand. Sundermann sah sie, fing sofort Feuer – und zirkelte den Ball in hohem Bogen hinter die Sitze des roten Flitzers. „Da musste ich den Ball natürlich wieder holen und schon waren wir im Gespräch.“ Am Samstag feiert Sundermann nun seinen 80. Geburtstag.

Mit Monika, die ein paar Jahre nach dem Kennenlernen Assistentin von Hans Rosenthal wurde, ist der Ex-Trainer des VfB Stuttgart inzwischen seit 51 Jahren verheiratet. Nach dem der „Dalli-Dalli“-Macher 1987 starb, war Frau Sundermann im ZDF dann auch noch an der Seite von Dieter Thomas Heck zu sehen.

Jürgen Sundermann ist immer noch kontaktfreudig und direkt. Gute Laune war ihm schon wichtig, als er den VfB zwischen 1976 und 1979 zurück in die Bundesliga und dort auf Platz zwei führte. Noch heute fällt schnell das Wort vom Motivator und „Wundermann“, wenn ältere Stuttgarter über ihn sprechen. Nachdem er nach einem Jahr bei Grashopper Zürich zum VfB zurückkehrte, war Sundermann bis 1982 in Stuttgart weniger erfolgreich – so wie auch bei einer kurzen Rückkehr Ende der Saison 1994/1995.

In den 70er Jahren ließ Sundermann Hurra-Fußball spielen – und die Fans kamen in Scharen zum VfB. Hinten hatte er die Förster-Brüder Karlheinz und Bernd, als Spielmacher Hansi Müller, vorne Dieter Hoeneß und Ottmar Hitzfeld. Seine Spieler seien junge Leute mit einer „unheimlichen Motivation“ gewesen, erläutert Sundermann. „Die haben immer nur nach vorne gespielt“, der einräumt, dass Taktik und Gegneranalysen nicht sein Ding waren: „Freude und Begeisterung war mir immer das Wichtigste.“ Er habe die Elf „heiß gemacht, das war das Sundermann’sche Hochamt“, sagte der 2015 verstorbene frühere VfB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder einmal.

Er habe viel Glück im Leben gehabt, hat Sundermann schon häufig gesagt. Wenn da nur nicht im vergangenen Jahr ein Schicksalsschlag gewesen wäre: Sundermann senior schweigt kurz, als der Name der Tod seines verstorbenen Sohnes Leif fällt, wirkt sehr traurig, scheint mit den Gedanken weit weg zu sein. „Das Schlimme war diese Hilflosigkeit“, erklärt Sundermann: „Wenn du weißt, du kannst ihn nicht vom Alkohol abbringen.“ Bei der Geburtstagsfeier dabei sein wird Leifs Bruder Marc.

Auch Hansi Müller, Europameister von 1980, ist eingeladen. Er erinnert sich noch gut an die alten Zeiten, sagt über Sundermann: „Er hat allen das Gefühl geben, dass sie wichtig sind.“ Auch habe der Trainer Demut eingefordert.

„Tut die Birne nach oben. Ihr habt euer Hobby zum Beruf gemacht, da könnt ihr dankbar sein“, habe Sundermann einmal zu einem gesagt, so Müller. Unter dem spielte beim VfB Bernd Klotz aus Dürrn: Das war 1978/79 und 1980/81, also direkt vor und nach Sundermanns Zürich-Trip („Der war ein Schweiz-Fan.“)

Für Klotz als jungen Spieler war jene Zeit wechselhaft. Bei Sundermann denkt er zuerst an Strenge. Klotz schwärmt jedenfalls nicht von ihm, wartet eher mit einer nüchternen Analyse auf.

Klinik-Besuch bei Ex-Spieler

An einen feinen Zug von Sundermann erinnert sich Klotz aber auch. Der Trainer besuchte ihn, als Klotz in Zürich im Krankenhaus gelandet war: Mit einem Kopfballtor hatte der Jungprofi aus dem Badischen dazu beigetragen, dass sich die Stuttgarter Ende 1979 im Uefa-Cup-Achtelfinale gegen das damals eben von Sundermann betreute Züricher Team durchsetzte, war im Rückspiel später aber heftig attackiert worden und dabei quasi k. o. gegangen.

Ein Tiefschlag für den VfB war der erneute Abstieg 2018/19. Auch für die laufende Saison ist Sundermann skeptisch: „Ich sehe in dem Team keine Begeisterung.“ Wenn „Sund“ als Scout der Stuttgarter über die Dörfer zieht, freuen sich viele, ihn zu sehen. „Ich war nie überheblich und link“, betont Sundermann, der mit seiner Frau schon lange in Leonberg lebt. „Es ist schön, wenn sich die Leute positiv an früher erinnern.“