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Solch kompromissloser Einsatz ist eher für Punktspiele typisch, als für sommerliche Einsätze im Pokal (in Blau der FV Knittlingen, in der Mitte Ferdinand Fischer von den Sportfreunden Mühlacker). Foto: Fotomoment/PZ-Archiv
Solch kompromissloser Einsatz ist eher für Punktspiele typisch, als für sommerliche Einsätze im Pokal (in Blau der FV Knittlingen, in der Mitte Ferdinand Fischer von den Sportfreunden Mühlacker). Foto: Fotomoment/PZ-Archiv
Jeder will gern siegen, doch je nach Bedeutung der Partie und des Spielstands fehlt auch mal der letzte Biss (in Gelb Phönix Lomersheim, in Weiß der SV Illingen). Foto: PZ-Archiv
Jeder will gern siegen, doch je nach Bedeutung der Partie und des Spielstands fehlt auch mal der letzte Biss (in Gelb Phönix Lomersheim, in Weiß der SV Illingen). Foto: PZ-Archiv
20.08.2018

Für lokale Fußballclubs: Pokal ist eher Qual als Freude

Mühlacker. Egal auf welcher Ebene, immer wieder hört man vor Fußballspielen: „Eigentlich geht es ja um nichts.“ Anders als ein Sprichwort besagt, gibt es nicht einmal eine goldene Ananas zu gewinnen.

Ein schneller Blick auf Zielsetzungen und Meistertipps zeigt zudem, dass wenige lokale Clubs den Aufstieg in den Blick nehmen. Alle trauen sich aber zu, mit dem Abstiegskampf nichts zu tun zu bekommen.

Wo die Punkterunde nur einen überschaubaren Anreiz bietet, könnten die Pokalwettbewerbe für Festtage sorgen – theoretisch jedenfalls. Auf die Frage, welche Bedeutung der Bezirkspokal hat, sagt Ulrich Rümmelin, altgedientes Vorstandsmitglied des TSV Phönix Lomersheim knapp: „Wenig.“ Christian Gruica. Abteilungsleiter beim SV Illingen, geht noch weiter. „Wenn es die Pokalrunde nicht gäbe, wären wir, glaube ich, auch nicht unglücklich“, sagt er.

Der Pokal läuft nebenher, die zweite Mannschaft hat der SVI gar nicht gemeldet. Phönix II freute sich vorige Saison dagegen, kurzzeitig die Rolle eines Pokalschrecks zu übernehmen. Nach einem 4:1 gegen Illingen stand das Phönix-Perspektivteam im Achtelfinale.

Im Bezirk Enz/Murr ist der Weg zu einem Achtungserfolg oder gar zu einem Pokal-Triumph noch weiter als im Fußballkreis Pforzheim: Mit dieses Mal 140 Teams ist die Anzahl der Teilnehmer nahezu doppelt so groß.

Wenn man einmal in Regionen kommen könnte, wie die Oberligisten FC Nöttingen oder 1. CfR Pforzheim, dann würde die Pokalrunde zu einer Inspiration, zeigt Rümmelin auf. Nur weiß er, dass die Qualifikation für den DFB-Pokal für alle Mannschaften im Raum Mühlacker illusorisch ist.

Terminärger ist oft groß

So ärgert sich Rümmelin beim Thema Pokal eben über die Ansetzung des Erstrundenspiels beim TASV Hessigheim am Mittwoch, 5. September, auf 18.15 Uhr. Gerade für die Gastmannschaft sei die Zeit eine Zumutung. Und so dürfte das K.-o.-Match, das zwei heiß gehandelte Teams der Kreisliga A3 zusammenführt, kein Knaller werden. Pokalspiele gleich Abendspiele, so lautet auch die Gleichung des Illingers Gruica. Man müsse stets zusehen, genug Spieler zusammenzuhaben. Die Urlaubszeit in Kombination mit weiten Wegen verschärft das Ganze.

Die Terminsituation ließe sich ändern, dafür ist Gruica aber nicht: Während der Saison sonntags mal eine Pokalrunde anzusetzen und dafür einen Spieltag der Punkterunde unter der Woche zu spielen, das wäre nicht nach seinem Geschmack. Mittwochabends in Hessigheim statt eines Pokalspiels ein Punktspiel auszutragen, wäre keine Verbesserung, hält zudem Rümmelin fest.

Bei Sascha John kommen im Verlauf des Gesprächs mit der „Pforzheimer Zeitung“ Erinnerungen an einen Kreispokalsieg hoch. Vor 20, 25 Jahren sei der mit dem FC Viktoria Enzberg gelungen, sagt der Trainer der Sportfreunde Mühlacker. Auch im Wettbewerb des Badischen Fußball-Verbands habe man sich dann gut verkauft.

All dem misst John aber kaum Bedeutung bei. Ein Pokal- ist für ihn allenfalls ein etwas besseres Vorbereitungsspiel. Da kann er sich noch eher für Mühlackers Stadtturnier erwärmen. „Das hat einen wesentlich höheren Stellenwert“, sagt John. Zu dieser Einschätzung kommen er und etliche andere aber erst, seit dieses Turnier kein Saison-Anhängsel mehr ist, sondern Teil der Vorbereitung.

Beim Stadtturnier kann man sich gegen Lokalrivalen ein gutes Gefühl für die Punktspiel-Derbys holen, sagt Karl-Heinz Nagel. Er ist als Trainer zum TSV Ötisheim zurückgekehrt, der die Veranstaltung in knapp einem Jahr ausrichtet.

Finalsieg rettete mäßige Saison

An Ostern hat Nagel mit einem anderen Team der Kreisklasse A 1 Pforzheim den Kreispokal gewonnen. Während der Winterpause hatte er sich mit dem FV Knittlingen das Ziel gesetzt, zum Finale gegen den TSV Wurmberg-Neubärental auf den Punkt fit zu sein. Am Ende war der Pokal-Coup der Höhepunkt einer für die Knittlinger eher mittelmäßigen Saison.

Grundsätzlich ist für Nagel klar, dass jeder der auf dem Platz steht, gewinnen will – auch im Pokal. Im Gegensatz zu einer Niederlage mache ein Sieg einfach Spaß. Doch auch Nagel kommt zur Einschätzung: „Ligaspiele sind schon wichtiger.“