Auf dem Höhepunkt seiner Karriere führte Guido Buchwald den VfB 1992 zur Meisterschaft. Foto: Försterling/dpa
Legendär: Beim 1:0 der Deutschen im WM-Finale 1990 nahm Guido Buchwald Argentiniens Star Diego Armando Maradona aus dem Spiel. Foto: Leonhardt/dpa
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Guido Buchwald, 1990er-Weltmeister und schwäbischer „Diego“, wird 60
  • Matthias Jung

Stuttgart. Guido Buchwald war 1990 Fußball-Weltmeister und steht für bessere Zeiten beim VfB Stuttgart. Der frühere Verteidiger ist dankbar, „auf der Sonnenseite“ zu stehen.

Sein Herzensclub macht es Guido Buchwald kurz vor seinem runden Geburtstag nicht leicht. Und das geht schon eine Weile so. Erst wurde dem Fußball-Weltmeister von 1990 signalisiert, dass man ihn in den Führungsgremien des VfB Stuttgart nicht haben will, nun muss der Ehrenspielführer von außen fassungslos einen Machtkampf mitansehen. Besonders der Angriff des Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger auf Claus Vogt gefiel ihm nicht. Dem Präsidenten in Form eines offenen Briefs quasi Unfähigkeit vorzuwerfen, gehe „gegen jeden Ehrenkodex, den sich der VfB nach außen hin auferlegt“.

Liebe zum Verein bleibt

Die Liebe zu seinem Verein will sich Buchwald aber nicht kaputtmachen lassen, das Leben ist in der Coronakrise schwer genug. Gerne hätte er seinen 60. Geburtstag an diesem Sonntag groß gefeiert, doch die Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie erlauben das nicht. „In einer ruhigen Minute“ schaue er aber schon auch zurück. „Ich bin bisher auf der Sonnenseite des Lebens gewesen“, sagt der in der Nähe des schwäbischen Tübingen wohnende Familienvater: „Ich bin rundum zufrieden.“

Zweimal war der robuste Profi mit dem VfB deutscher Meister: zunächst 1984 und dann 1992 auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Kapitän und Führungsfigur. „Guido Buchwald war ein Glücksfall für jeden Trainer“, sagt sein damaliger Coach Christoph Daum.

Eigentlich war Buchwald defensiver Mittelfeldspieler, der vor der Abwehr rustikal aufräumte. Aber „er hat immer gesagt, da wo die Mannschaft mich braucht, wo der Trainer mich einsetzt, da spiele ich“, erklärt Daum. Ob als Libero, Vorstopper oder notfalls als Mittelstürmer. So köpfte Buchwald den VfB am 16. Mai 1992 beim 2:1 bei Bayer Leverkusen kurz vor Schluss zum Meistertitel.

Seine Kandidatur fürs Amt des Präsidenten ließ der Vereinsbeirat Ende 2019 nicht zu. Monate zuvor war Buchwald nach einem Streit frustriert aus dem Aufsichtsrat der VfB Stuttgart AG zurückgetreten.

Maradona ausgeschaltet und WM-Titel geholt

Erfreulicher sind die Erinnerungen an den WM-Titel 1990. „Das war das wichtigste Spiel meines Lebens“, sagt er über das in Rom mit 1:0 gewonnene Finale gegen Argentinien. Teamchef Franz Beckenbauer hatte ihm die Aufgabe gegeben, Diego Maradona auszuschalten – und Buchwald lieferte. „Maradona war ein Künstler, ich ein Arbeiter“, erklärt der Jubilar, der neben der fußballerischen Qualität vor allem den Zusammenhalt der damaligen deutschen Mannschaft betont.

Seinen Spitznamen „Diego“ erhielt der Schwabe nicht wegen des Duells im Finale, sondern wegen des doppelten Übersteigers im WM-Achtelfinale gegen die Niederlande (2:1) vor dem 1:0 von Jürgen Klinsmann.

Das Team steht an erster Stelle

„Guido ist ein Teamplayer, der aber nicht nach vorne in die erste Reihe geprescht ist“, betont Daum. Wenn sich ein Spieler wichtiger genommen habe als den Verein, „dann hat Guido sich ihn gepackt“, so Daum.

Als Trainer feierte Buchwald mit den Urawa Red Diamonds in Japan, für die er im höheren Profialter noch gespielt hatte, Erfolge, so 2006 das Double aus Pokalsieg und Meisterschaft. „Guido-san“, wie ihn die Japaner nennen, ist noch heute J-League-Botschafter. In Deutschland konnte sich Buchwald als Trainer jedoch nicht durchsetzen.Freude hat er heute auch am „schönen“ Fußball des VfB unter Trainer Pellegrino Matarazzo und daran, dass bei den Stuttgartern nach der Bundesliga-Rückkehr „sportlich wieder etwas zusammenwächst“. Sein großes Geburtstagsfest mit Freunden und alten Wegbegleitern will er übrigens 2022 nachholen. Dann eben zum 61. Geburtstag.