Gerd Störzer (rechts) 1993 beim DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern auf der FCP-Bank mit (von rechts) Spielleiter Wolfgang Lutz, Teamarzt Folker Theiss und dem damalige Physiotherapeut Carsten Sefried. Foto: Kai Wacker
Gerd Störzer vor dem DFB-Pokalspiel mit Reporter-Legende Rolf Töpperwien. Foto: Kai Wacker
Sport
HSV-Killer Gerd Störzer wird 70 Jahre alt
  • Martin Mildenberger

Pforzheim. Sein Name wird ewig mit einer der größten Sensationen im DFB-Pokal verbunden bleiben. Gerd Störzer erzielte am 26. Oktober 1974 beim 2:1-Sieg des Oberligisten VfB Eppingen gegen den damaligen Bundesliga-Spitzenreiter Hamburger SV beide Tore. Man nennt jene Partie der zweiten Runde noch heute die Mutter aller Pokalsensationen. Der Pokalheld aus dem Kraichgau, der als Lehrer in Königsbach-Stein und Trainer des 1. FC Pforzheim auch Spuren in der hiesigen Region hinterlassen hat, wird am Freitag 70 Jahre alt. „Groß gefeiert wird diesmal nicht. Das haben wir beim 60. Geburtstag gemacht“, sagt Störzer im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung.“

35 Jahre lang (1978 bis 2013) war Gerd Störzer Lehrer für Sport und Deutsch an der Willy-Brandt-Realschule in Königsbach-Stein und wohnte auch in Stein. Seit seiner Pensionierung lebt der im badischen Bühl geborene Pädagoge wieder in seinem Heimatort Neckarbischofsheim im Rhein-Neckar-Kreis. „Ich habe aber noch viele Freunde im Enzkreis und komme beinahe jede Woche in die Gegend“, erzählt Störzer, der immer noch Mitglied im Förderverein der Schule ist.

Störzer, ein begnadeter und torgefährlicher Techniker im offensiven Mittelfeld, spielte vor seiner Zeit in Eppingen beim VfL Neckarau und beim TSV 1860 München. Weitere Stationen waren der SV Sandhausen und der VfR Mannheim. Seine Trainerkarriere startete das „HSV-Killer“ genannte Fußball-Idol bei der SG Heidelberg-Kirchheim. Danach kam er 1992 zum 1. FC Pforzheim. „Das waren noch Zeiten mit Ernst Schmidt und ‚Kalle‘ Elsässer in der Vereinsführung und mit vielen Zuschauern im Brötzinger Tal“, schwärmt Störzer. Im ersten Jahr erreichte der FCP mit Störzer das badische Pokalfinale und siegte hier glücklich mit 3:2 gegen den Verbandsligisten SG Oftersheim. Im DFB-Pokal war Bundesligist 1. FC Kaiserslautern am 4. August 1993 Gegner des Club. Beim 0:4 hatten Klaus Fischer & Co. keine Chance. Mit Markus Gisdol, Rainer Widmayer und Guido Streichsbier hatte Störzer Spieler im Kader, die Jahre später selbst Karriere als Trainer machen sollten.

Vor dem Start in die Saison 1993/94 wechselten diverse Leistungsträger des FCP zum Lokalrivalen VfR Pforzheim, wo Peter Häberle als Sponsor lukrative Verträge anbot. Die geschwächte FCP-Mannschaft kämpfte vergebens um die nötigen Qualifikationspunkte für die neue Regionalliga. Im Oktober 1993 warf Störzer nach einer Heimniederlage gegen den SC Geislingen resigniert das Handtuch. Beim VfR Heilbronn ließ er seine Trainerkarriere ausklingen. 1997 war Schluss. Geraume Zeit wollte Gerd Störzer nichts mehr viel mit dem Fußball zu tun haben.

Jährlich trifft er sich im Oktober mit seinen Eppinger Teamkollegen, um den Coup gegen den HSV zu feiern. Dieses Jahr fiel die Feier aus. Man traf sich zur Beerdigung des wenige Tage vor dem denkwürdigen Datum im Alter von 64 Jahren verstorbenen einstigen Teamkollegen Erwin Rupp. Zuvor waren bereits Fritz Breuning und Rainer Götter aus der legendären Eppinger Mannschaft verstorben.

Ein Pokalheld wollte Gerd Störzer eigentlich nie sein. Doch das ist schwierig, wenn sogar vor dem Berliner Olympiastadion seit einigen Jahren Statuen mit Fußabdrücken der Helden aus 70 Jahren DFB-Pokalgeschichte stehen – und Störzer ist dabei. Der Pensionär, der gerne Urlaub auf seiner Lieblingsinsel Fuerteventura macht, war und ist ein Teamplayer. So hebt er im Rückblick stets die Leistung von VfB-Torhüter Volker Gebhard hervor: „Ohne ihn hätten meine Tore nicht viel genützt.“

Fußball spielt Gerd Störzer mit 70 nicht mehr. Er sieht sich ab und zu aber ein Spiel der TSG Hoffenheim im benachbarten Sinsheim an. Froh ist der Jubilar, dass er gesund ist und sein „Kampfgewicht von 68, 69 Kilo“ hat.