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Im Sprint zählt Pamela Dutkiewicz Hürdenläuferin zu den wenigen deutschen Hoffnungsträgern. Foto: Anspach
Im Sprint zählt Pamela Dutkiewicz Hürdenläuferin zu den wenigen deutschen Hoffnungsträgern. Foto: Anspach
07.02.2018

Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz ist in der Weltklasse angekommen

Karlsruhe. Wer sich in der Leichtathletik für den Hürdensprint entscheidet, stellt sich einer besonderen Herausforderung. Auf dem kurzen Weg vom Start ins Ziel lauern zehn Hindernisse. Zehn Stolperfallen. Zehn Möglichkeiten, zu scheitern. Und man hat nur einen Versuch. Wer Pech hat, dessen Arbeitstag ist schon nach wenigen Metern unfreiwillig zu Ende.

13 Meter sind es bei den Frauen nach dem Start bis zur ersten Hürde. Die nächsten neun folgen im Abstand von jeweils 8,50 Metern. Dann noch einmal gut zehn Meter Auslauf bis ins Ziel. Spitzenläuferinnen schaffen das unter 13 Sekunden. Das ist nicht viel Zeit. Und doch genug, um sich viele Gedanken zu machen. Und mehr Zeit als genug, für Fehltritte jeder Art.

Pamela Dutkiewicz zählt zu den besten Hürdensprinterinnen der Welt. Sie hat die 100 Meter und zehn Hindernisse schon in 12,61 Sekunden bewältigt. 2017 war ihr Jahr. Deutsche Meisterin in der Halle und im Freien. Dritte bei der Hallen-EM über 60 Meter Hürden. Dritte bei der WM im Freien. „Das hätte ich mir so nicht erträumt“, sagt die 26-Jährige vom TV Wattenscheid – und lacht ihr offenes, breites Lachen.

Heim-EM in Berlin als Ziel

Mit den Erfolgen kamen Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit. „Ich musste nicht mehr nachdenken. Jeder Lauf war gut“, strahlt Pamela Dutkiewicz. Dieses Gefühl versucht sie gerade, über den Jahreswechsel zu retten. Die ersten Läufe der noch jungen Hallensaison waren schon mal ganz gut. Platz zwei Berlin über die 60 Meter in 7,92 Sekunden, Rang fünf in Karlsruhe in einem Weltklassefeld in 7,95 – die Siegerin Nelvis Sharika lief in 7,80 Sekunden Weltjahresbestzeit. Den Schwung mitnehmen, im Flow bleiben. Das ist wichtig in einer Saison, in der im Sommer in Berlin eine Heim-EM („ein superwichtiger Termin“) wartet.

Im Hürdensprint gewinnt nur, wer bereit ist, Risiken einzugehen. „Es gibt keinen Kompromiss. Entweder ich komme an, oder nicht“, stellt Pamela Dutkiewicz klar. Die Frau mit dem charakteristischen Pferdeschwanz hat gelernt, mit den zehn Hindernissen auf der Bahn klar zu kommen. Aber auch mit den Hürden im Kopf. Seit der Pubertät litt sie fürchterlich darunter, dass sie sich zu dick fühlte, zu pummelig. Kurze Höschen, kurzes Top, alles eng anliegend. Zu wenig Stoff, um kleine Problemzonen zu bedecken. Die junge Sportlerin fühlte sich in der Wettkampfkleidung zunehmend unwohl. Wiegetermine wurden zur absoluten Erniedrigung. „Ich habe in der Freizeit daran gedacht, im Training, im Wettkampf – dann, wenn man es am allerwenigsten gebrauchen kann“, hat sie die Misere unter dem Titel „Der Kampf mit meinem Körper“ vor einem Jahr ganz offen beschrieben. Die Hürdensprinterin begann, unregelmäßig zu essen. Die erste Zusammenarbeit mit Ernährungsberatern brachte auch keine Abhilfe – im Gegenteil.

Pause wird zum Wendepunkt

Am Ende war es eine Verletzung, die die Wende zum Besseren einleitete. Im Februar 2015 rissen bei Pamela Dutkiewicz bei der Hallen-DM in Karlsruhe Bänder in beiden Sprunggelenken. Es folgte eine lange Zwangspause. „Aber das war mein Segen – weil ich endlich Zeit hatte“, schreibt die Hürdensprinterin. Über den ehemaligen Schwimmer Mark Warnecke lernte sie einen Ernährungsberater, der ihr endlich weiterhelfen konnte – ganz ohne Fasten und Verzicht.

Jetzt steht Pamela Dutkiewicz auf der Tartanbahn und kann ihren Fokus auf das richten, worauf es ankommt: Immer besser gelingt es ihr, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Technik zu einem runden Ganzen zu fügen. Sie liebt es, an Kleinigkeiten zu feilen. Mehr als ein Jahr hat sie daran gearbeitet, einen Arm über den Hürden ein paar Zentimeter höher zu nehmen. Die Hürden sind längst nicht mehr ihre Gegner: „Man kann jede Hürde auch als Chance sehen“, sagt die 26-Jährige. Nach einem schwachen Start biete schließlich jedes Hindernis die Gelegenheit, Zeit gutzumachen. Man muss nur kompromisslos genug sein.

Unter www.wortathleten.de/der-kampf-mit-meinem-Koerper/ ist nachzulesen, was Pamele Dutkiewicz über ihre langjährigen Probleme schreibt.