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12.07.2012

Innenminister Gall will Stadionverbote durch Verband

Der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall (SPD) fordert eine Verschärfung der Regeln für Stadionverbote. Die Schwelle müsse niedriger angesetzt werden und zudem eine bundesweite Einheitlichkeit geschaffen werden. Aktuell hatten unter anderem die Ausschreitungen nach dem Relegationsspiel zwischen dem Karlsruher SC und Jahn Regensburg für heftige Debatten gesorgt. In der Folge war ein Geisterspiel gegen den KSC verhängt worden, dessen Präsident Wellenreuther die Ausführungen Galls begrüßte.

Bildergalerie: 75 Verletzte bei Randale nach KSC-Relegation

Stadionverbote gegen randalierende Fans sollen nach dem Willen von Gall nicht mehr von den Vereinen verhängt werden, sondern von den Fußballverbänden. Eine entsprechende Stelle sollte beim Deutschen Fußball Bund (DFB) oder bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) angesiedelt werden, forderte der SPD-Politiker am Donnerstag vor dem Sicherheitsgipfel in Berlin zum Thema Fußball.

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther unterstützte den Vorstoß von Gall. „Es wäre natürlich eine Erleichterung, wenn künftig das gesamte Stadionverbortsverfahren ein Verband zentral regelt.“ Er kritisierte aber die Polizei. Oftmals seien die Tatsachengrundlagen, die von der Polizei vorgelegt würden, zu dürftig. Wegen Fan-Randalen in der vergangenen Saison muss Fußball-Drittligist Karlsruher SC das erste Heimspiel am 28. Juli gegen den Halleschen FC voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen, wogegen der Verein jedoch Revision eingelegt hat.

Einem Stehplatzverbot in den Stadien steht Gall kritisch gegenüber: „Wenn ich mir den VIP-Bereich im Stadion anschaue, dann vermisse ich dort die Emotionen.“ Ein Verbot komme nur infrage, wenn alles andere nicht mehr fruchte.

„Es gibt kein Antibiotikum mit Breitenwirkung, das wir anwenden können“, sagte Gall mit Blick auf die Gewalt in den Stadien. Die Zahl der Verletzten bei Fußballspielen im Südwesten in der Saison 2010/2011 habe sich zuletzt mit mehr als 149 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Unter den Verletzten seien 68 unbeteiligte Zuschauer und 42 (Vorjahr: 12) Polizisten gewesen.

Die Fans müssten wissen, Grenzen die in Baden-Württemberg gelten, hätten auch in anderen Bundesländern Gültigkeit. Wer sich vermumme oder im Stadion Pyrotechnik abbrenne, müsse ein Stadionverbot bekommen. Bei einer Konferenz über „Sicherheit bei Fußballspielen“ in Stuttgart kritisierte Gall die Scheu einzelner Vereine, entsprechende Verbote zu erlassen. Deshalb sollten sich die Verbände dieses Themas annehmen. Diese verfügten über die notwendige Distanz gegenüber Problemfans und besäßen die erforderliche Neutralität.