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Schwierige Übung: Der 18-jährige Illia Kovtun muss die Balance zwischen sportlichen Leistungen und emotionalen Telefonaten in der Heimat finden. Becker 

KTV Straubenhardt mit 51:21-Heimsieg gegen die Siegerländer KV

Die Bundesliga-Turner aus Straubenhardt haben ihrem Präsidenten Jörg Gänger an dessen 66. Geburtstag das schönste Geschenk präsentiert: Mit einem souveränen 51:21-Sieg gegen die Siegerländer KV starteten die KTV-Athleten um ihren neuen Sportlichen Leiter Brian Gladow (34 Jahre) glänzend in die neue Saison.

Ein Athlet erwärmte besonders die Herzen der 700 begeisterten Zuschauer in der Straubenhardthalle: Der 18-jährige Ukrainer Illia Kovtun erwies sich als fleißigster Punktesammler. Elf Scorer-Punkte heimste er bei seinem ersten Auftritt im Enzkreis an nur drei Geräten (Pauschenpferd, Barren, Reck) ein – und das obwohl er derzeit verständlicherweise „schlecht schläft“ und es für ihn „schwierig ist, sich zwischen den Trainingseinheiten zu erholen“, wie er betont. Schließlich steht er in täglichem Kontakt mit seiner Mutter und Großmutter in dem vom Krieg gebeutelten Land.

Elf Scorer-Punkte gelangen auch KTV-Kollege Dario Sissakis, der dafür allerdings vier Geräte benötigte. Erfreulich auch: Nach zum Teil langen Verletzungspausen gingen für die Straubenhardter auch wieder der zweifache Olympia-Silbermedaillengewinner von London 2012, Marcel Nguyen (Ringe, Barren, Reck), sowie Nick Klessing (Boden, Ringe, Sprung) und Andreas Bretschneider (Reck) an die Geräte, wenngleich deren Ausbeute mit vier Scorer-Punkten (Klessing), einem Punkt (Nguyen) und null Punkten noch ausbaufähig ist.

Schon beim Stand von 29:8 zur Halbzeit war die Sache praktisch gelaufen. Vor allem am Boden erwiesen sich die Turner des siebenmaligen deutschen Meisters als stark: Da gab es 13:0-Zähler. Auch das Pauschenpferd mit 12:4 war eine sichere Beute der Gastgeber. Dass das Ringe-Duell 4:4 endete, war nur ein Schönheitsfehler.

Zum Höhepunkt wurde gleich nach der Pause der Sprung. „Das war eindeutig unser bestes Gerät“, schwärmte Gladow. Die KTV holte zum zweiten Mal 13:0 Punkte: Alle vier Athleten, Dario Sissakis, Pascal Brendel, Nick Klessing und der 19-jährige kanadische Neuzugang Felix Dolci standen nach schwierigen Übungen wie eine Eins und wurden dafür durchweg mit Noten über 14 belohnt. Am Barren kamen 6:0-Punkte hinzu und nur beim abschließenden Reck ging mit 3:13 vieles daneben, so dass Straubenhardt 9:3 Gerätepunkte holte. Immerhin versuchte sich Bretschneider erstmals in einem Wettkampf an einem nach dem ehemaligen slowenischen Reck-Weltmeister Aljaz Pegan benannten Flugteil, stürzte dabei aber ebenso wie Nguyen, Ivan Ritschik (beide KTV) und Berkay Sen (Siegerland).

Wie wertvoll dieser Sieg im Duell der beiden Kunstturn-Vereinigungen für Straubenhardt ist, macht auch die Tatsache deutlich, dass der zweimalige Meister Siegerländer KV der Deutschen Turnliga seit ihrer Gründung 1969 ununterbrochen angehört und in den vergangenen drei Jahren stets im Finale stand. Mitgebracht hatten die Siegener das kanadische Ass William Emard, das bei seinen beiden Übungen am Boden 14,25 und am Sprung 14,20 Punkte erturnte, und als Achter der letzten Mehrkampf-Weltmeisterschaft bester Turner aller Zeiten seines Landes ist.

Gladow ist überzeugt: „Wenn Karim Rida zurückkehrt und Andreas Bretschneiders Arm wieder gesund ist, geht noch mehr. Auch Marcel Nguyen wird noch stärker.“ Um wieviel, das wird sich unter anderem am nächsten Samstag beim TuS Vinnhorst zeigen.