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Sie zeigen, wie es geht: Der neunjährige Joah Kwak und die 13-jährige Angelika Harsch beim Video-Training für Mitglieder der Sportschule Kwak.  Foto: Kwak 
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Sportschule-Chef Kyung-Jin Kwak hat den 7. Dan in Taekwondo.  Foto: Kwak 

Kampfkunst kommt in der Corona-Krise ins Wohnzimmer

Pforzheim. Im Sport kann man sich auf Erfolgen nicht ausruhen. Diese Erfahrung hat die Pforzheimer Sportschule Kwak gemacht: Wenige Tage nachdem im März 28 junge Schützlinge bei den badischen Meisterschaften im Taekwondo in Gengenbach im Mannschaftswettbewerb vorne waren, ging wegen der Coronavirus-Krise erst einmal nichts mehr. Die beim Messplatz gelegene Sportschule muss auch anderthalb Monate später noch geschlossen bleiben, nach Ostern hat Betreiber Kyung-Jin Kwak aber begonnen, ein Live-Videotraining anzubieten.

„Ich war skeptisch“, sagt Kwak, der inzwischen aber erfahren hat, dass das Angebot sehr gut ankommt: „Es hat einen Riesenstein ins Rollen gebracht.“ Als Vater dreier Kinder weiß Sportlehrer Kwak, dass es dem Nachwuchs nicht so gut bekommt, dass Kindertagesstätten und Schulen seit Mitte März geschlossen sind. Abwechslung und eben Bewegung tue den Kindern in dieser Krisensituation gut. Vor allem hat er Nachrichten begeisterter Eltern bekommen.

In Kontakt mit Sportlern

Über einen 55-Zoll-Fernseher können Kwak oder andere Trainer Bilder von 20, 30 oder noch deutlich mehr Sportfreunden sehen. Die wiederum werfen nach vorheriger Registrierung via Tablet oder Handy einen Blick in die Sportschule und machen die Übungen nach. 45 Minuten dauern die Einheiten, schon bis zu vier pro Tag hat die Sportschule angeboten. Auch Erwachsene halten sich per Fern-Training fit. Außer Taekwondo sind TaeBo, Zumba und BodyWorkout im Angebot. Ein Wochenplan auf der Homepage informiert darüber, was wann wo läuft.

Sogar Dreijährige machen mit

Der Erfolg freut Kwak, der im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung“ begeistert von dem Projekt erzählt, zum Beispiel darüber, dass sogar Dreijährige mitmachen. Erst einmal habe man für eine geeignete Ausstattung sorgen müssen: Kamera, Mikrofon und Lichtanlage erforderten seiner Aussage nach eine Investition von 2000 Euro. Umgekehrt bekam er früh zu spüren, dass weniger Beiträge von Mitgliedern kamen. Allerdings war Kwak auch klar, dass ohne jedes Angebot erst recht ein Mitgliedsschwund drohen würde.

Kwak betrachtet das Live-Video-Training nicht mehr als eine Krücke für den Notfall, die man irgendwann zur Seite legen kann. Er geht schließlich nicht davon aus, dass die Krise an einem gewissen Punkt beendet sein wird, sondern ist darauf gefasst, dass Corona und allerlei Auswirkungen den Alltag noch lange begleiten. „So lange die Kinder nicht wieder ganz normal in die Schule gehen können, werde ich in der Sportschule auch nicht wieder ohne Einschränkungen trainieren können“, sagt er zum Beispiel. Auch dass viele Menschen in Kurzarbeit sind und daher weniger finanziellen Spielraum haben, beschäftigt ihn: „Wir machen uns sehr große Sorgen, ob wir als Unternehmen diese Krise überstehen.“

Immer kampfbereit

Bereits seit über 45 Jahren besteht die von seinem Vater Kwak-Kum Sik gegründete Sportschule. Ans Kämpfen ist man gewohnt – nun geht es mit modernen Kommunikationsmitteln gegen einen neuen gefährlichen Gegner.

Nähere Informationen im Internet unter www.kwak-sport.de