nach oben
Vorne sorgt beim Karlsruher SC nur Dimitris Diamantakos für Gefahr. Das ist zu wenig. Foto: dpa
Vorne sorgt beim Karlsruher SC nur Dimitris Diamantakos für Gefahr. Das ist zu wenig. Foto: dpa
19.09.2016

Karlsruhe, deine Baustellen – es kriselt beim KSC

Beim KSC, der immer noch auf seinen ersten Sieg wartet, kriselt es. PZ-news listet fünf Gründe auf, weshalb es im Badischen noch nicht so läuft wie erhofft.

Früher war alles besser? Von wegen! Vier Punkte hat der Karlsruher SC nach fünf Zweitligaspielen. Doch: Zum gleichen Zeitpunkt hatten die Badener im Vorjahr gerade eine 0:6-Klatsche gegen Braunschweig kassiert und nur zwei Zähler mehr auf dem Konto. Mehr als zwei Siege aus den ersten fünf Spielen holte der KSC letztmals vor neun Jahren – in der 1. Bundesliga. Und in der Drittligasaison 2012/13 dauerte es gar bis zum siebten Spieltag, ehe der erste Dreier eingefahren war. Auch deswegen will Sportdirektor Jens Todt von einer Krise nichts wissen. „Da muss man doch die Kirche im Dorf lassen“, sagt er. Und doch gibt es eine ganze Reihe von Problemen. Die PZ nennt die fünf größten.

Nicht eingespielt:

Dass die Mannschaft sich im Neuaufbau befindet und sich noch nicht gefunden hat, räumt auch Todt ein. 23 Spieler hat Cheftrainer Tomas Oral schon eingesetzt. Eine feste Formation zeichnet sich noch immer nicht ab, in fünf Spielen probierte er fünf unterschiedliche Aufstellungen aus. Und auch die Taktik variiert: Meist 4-2-3-1, manchmal (wie in der zweiten Hälfte gegen Bochum sowie gegen Union Berlin) 4-4-2. Ohnehin ist die Formation – egal welche – auf dem Platz selten zu erkennen. Noch scheinen die Spieler nicht verstanden zu haben, was Oral taktisch von ihnen fordert.

Mangelnde Kreativität:

Im Zentrum wird die fehlende Kontinuität besonders offensichtlich: Ob Yann Rolim, Boubacar Barry oder Hiroki Yamada – überzeugen konnte in dieser Saison noch kein Zehner. Wobei Yamada auch erst eine Chance bekam, zuletzt saß der Japaner, der bei Oral einen schweren Stand hat, nur noch auf der Tribüne. Moritz Stoppelkamp verdient sich zwar Spiel für Spiel das Attribut „stets bemüht“, doch trotz 14 Torschüssen und 15 Torschussvorlagen war der 29-Jährige noch an keinem Treffer beteiligt. Geradezu unterirdisch sind freilich auch seine Standardsituationen: Beim 1:1 gegen St. Pauli überwand fast keine der sieben Ecken den Hamburger am ersten Pfosten. Und ins Tor traf bisher nur einer: Dimitris Diamantakos.

Zweikampfschwäche:

Es scheint, als benötige der KSC eine Dreiviertelstunde, um sich daran zu erinnern, dass in der zweiten Liga Kampfgeist gefragt ist. Immerhin: Meist wird die Quote nach der Pause besser. Doch gegen Berlin und St. Pauli verloren die Blau-Weißen dennoch rund 57 Prozent ihrer Zweikämpfe. Es liegt auch an dieser Schwäche, dass Orals Schützlinge gerade in Hälfte eins nur selten den Ball haben – und entsprechend selten zu Torchancen kommen. Alle drei Treffer in Liga und Pokal erzielte der KSC nach dem Seitenwechsel.

Defensive:

„Immerhin steht die Abwehr gut“, war bis vor zwei Wochen im Wildpark zu hören. Doch mit dem 0:4 bei Union Berlin hat das große Zittern auch die Hintermannschaft erreicht. Gegen St. Pauli hätten alleine die Ballverluste von Bjarne Thoelke und Grischa Prömel für eine deftige Klatsche sorgen können. Und neben oder statt Thoelke? Da entdecken mal Martin Stoll, mal Jordi Figueras, der zu den Topverdienern gehören soll, die Langsamkeit.

Einkaufspolitik:

Von Figueras ist es nur noch ein kurzer Weg zur Karlsruher Einkaufspolitik. Mit Jan Mauersberger, Daniel Gordon und Manuel Gulde verließen 2016 drei Innenverteidiger den Club. Dennoch holte Todt nach Monaten vergeblicher Verhandlungen nur den 29-jährigen Spanier. Im Mittelfeld, in dessen Zentrum kluge Pässe und spritzige Dribblings vermisst werden, landeten primär Außenspieler im Einkaufskorb.

Und im Sturm ließ der KSC Pascal Köpke für – so die Medienberichte – rund 250.000 Euro nach Erzgebirge Aue ziehen. Dort hatte er als Leihspieler in 14 Drittligaspielen zehnmal geknipst. Und auch in der aktuellen Zweitligasaison war er für den Aufsteiger schon zweimal erfolgreich. Karlsruhe ging derweil mit nur zwei Angreifern in die Saison – und musste daher nach drei Spielen noch nachlegen: Florian Kamberi kam aus Zürich.