Karlsruher SC - Erzgebirge Aue
Der Karlsruher Fabian Schleusener (l, Nr. 24) erzielt den Treffer zum 1:0. 

Karlsruher SC verspielt auch gegen Aue fast wieder eine 2:0-Führung

Karlsruhe. Die Partie des Karlsruher SC gegen den FC Erzgebirge Aue tendierte am Samstag mit zunehmender Spielzeit dazu, in Langeweile zu versanden. Die erste Halbzeit war weitgehend ereignislos verlaufen, sieht man von zwei guten Gelegenheiten für die Gäste ab. Und in den ersten 30 Minuten der zweiten Hälfte schien es, als biegen die nun deutlich besseren Gastgeber nach dem 2:0 durch Fabian Schleusener (46.) und Philipp Hofmann (67.) ungefährdet auf die Siegerstraße ein.

Geschenke für den Gegner

Dass die Partie am Ende noch zum Spektakel geriet und die meisten der 12 000 Fans in der Karlsruher Stadionbaustelle ihre Mannschaft, die sie eine Stunde zuvor mit Pfiffen in die Pause verabschiedet hatten, nun erleichtert feierten, lag daran, dass die Badener aktuell dazu neigen, großzügig Geschenke zu verteilen. Beim 2:2 bei Tabellenführer Regensburg hatte der KSC zuletzt innerhalb von nur 120 Sekunden eine scheinbar beruhigende 2:0-Führung hergeschenkt und sich am Ende zu einem Punkt gezittert. Nun drohte gegen Aue das gleiche Schicksal. Trainer Christian Eichner, der gerne anschauliche Bilder verwendet, formulierte es so:

„Wir haben dem Gegner wieder Zutritt zur Manege gegeben.“

Türöffner für die Manege war am Samstag Marius Gersbeck. Der KSC-Torhüter brachte außerhalb des Strafraums Aues Omar Sarif Sijaric zu Fall, der bei einem Konter Gegenspieler Daniel Gordon enteilt war – Rote Karte. Und es kam noch schlimmer. Ersatztorhüter Markus Kuster, der für Gersbeck zwischen die Pfosten ging, musste als erste Amtshandlung den Ball aus dem Netz holen, weil Anthony Barylla den Freistoß mustergültig über die auf der Strafraumlinie postierte Mauer in den Torwinkel gezirkelt hatte (83.). Unhaltbar? Wohl nicht ganz. Kuster war auf dem Weg ins Eck, sah den Ball eigentlich frühzeitig, blieb aber wie versteinert stehen, statt zu springen. So wartete auf die Karlsruher – inklusive langer Nachspielzeit – eine knappe Viertelstunde Zittern um den ersten Sieg seit 2016 gegen den Angstgegner aus dem Erzgebirge. Denn nur eine Minute nach dem Anschlusstreffer warf sich Marco Thiede entschlossen in einen Schuss von Sam Francis Schreck und verhinderte das mögliche 2:2. Auch Abwehrspieler Christoph Kobald wurde noch mit einer ähnlichen Aktion auffällig, was beiden Abwehrspielern von ihrem Trainer ein Sonderlob als „Spielentscheider“ eintrug.

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Baden-Württemberg

Fußballpartie KSC gegen Aue in Karlsruhe: Provokationen nach dem Spiel und Maskenverstöße

Da passt es doch gut, dass der KSC den zum Saisonende auslaufenden Vertrag mit Rechtsverteidiger Marco Thiede um zwei Jahre verlängert hat. Das teilte der Verein am Samstag nach dem Heimsieg mit.

Doppelte Sturm-Kraft

Spielentscheider auf der anderen Seite waren aber auch die beiden Stürmer Schleusener und Hofmann, die Eichner nach einer frühen Systemumstellung nebeneinander stürmen ließ. Schleusener kam schon vor der Pause für den jungen Mittelfeldabräumer Tim Breithaupt, der gelb-rot-gefährdet war und den der Coach nach der Auswechslung länger zur Seite nahm und auf ihn einredete. Beide Angreifer schlugen in typischer Strafraum-Torjäger-Manier zu. Sie bestätigten damit auch Christian Eichner, der sagte: „Ballbesitz ist in dieser Liga nichts wert. Entscheidend ist, was in den Strafräumen passiert.“ Und drum herum. Beim 1:0 hatte zunächst Kyoung-Rok Choiden Ball verloren, half aber, die Kugel zurückzuerobern. Stark dann die erste Hereingabe von Marc Lorenz, überlegt die zweite Hereingabe von Thiede zu Schleusener. Und beim 2:0 gebührt Philip Heise ein großer Anteil. Der Linksverteidiger war entschlossen gegen vier Gegenspieler in den Strafraum gestürmt und hatte dann auf Hofmann abgelegt.

Christian Eichner wäre nicht Christian Eichner, fände er nicht auch in diesem Zittersieg etwas Gutes. „Die drei Punkte fühlen sich irgendwie viel, viel besser an als ein ungefährdetes 3:0“, so seine Analyse. Der KSC-Coach weiß, dass ein hart erkämpfter Sieg den Zusammenhalt einer Mannschaft stärkt. Und so verließen die Karlsruher Artisten die Manege zwar leicht zerzaust, aber mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht.