Kieselbronn. Die Zeichentrick-Maus Speedy Gonzales ist Jugendlichen heutzutage kaum noch ein Begriff. Kein Wunder, raste diese in der Serie Looney Tunes doch zwischen den 1950er und 1980-Jahren durch Mexiko und ist mittlerweile im Fernsehen nicht mehr präsent. Der zwölfjährige Luis Dettling aus Kieselbronn machte sie dennoch zu seinem Markenzeichen. Für eine Instagram-Story unterlegte er ein Video, das ihn beim Kartfahren zeigt, mit der Erkennungsmelodie von Speedy Gonzales („So schnell ist keiner irgendwo, Speedy-bi, Speedy-bo ...“). Der Bruder seines Teamchefs und dessen Eltern machten dem jungen Motorsportler daraufhin Aufkleber für sein Kart und seinen Helm.
Seitdem sieht seine Konkurrenz in der Junior-Klasse der RMC-Clubsport-Serie vor sich eine kleine Rennmaus, die auf der Rückseite von Luis Dettlings Helm angebracht ist. Denn der Kieselbronner mischt in seiner Klasse vorne mit. Obwohl es für den Zwölfjährigen die erste Saison bei den Junioren ist (er dürfte auch noch eine Klasse tiefer bei den Minis starten), trumpfte er groß auf. Bereits ein Rennen vor Saisonende stand Luis Dettling als Meister fest. Das Finale in Wittgenborn Mitte November wurde inzwischen Corona-bedingt abgesagt.
Voll durchgestartet
Fünf der sechs Rennen konnte der Kieselbronner gewinnen, bei der letzten Station in Wittgenborn fuhr er im ersten Wertungslauf auch den Fahrern der Nationalen Wertung, dem Feld, das um EM- und WM-Tickets fährt und zusammen mit den Clubsportlern startet, davon.
Dass es nach dem Wechsel von der Mini- in die Junioren-Klasse gleich so gut laufen würde, damit hatte Luis Dettling nicht gerechnet. „Ich war schon überrascht, weil das eine relativ schwierige Klasse ist, neben den Senioren ist das das größte Starterfeld. Da geht es richtig zur Sache“, so der Nachwuchsfahrer. „Luis hat ein sehr gutes Gespür für die Linie“, sagt sein Vater David Dettling nicht ohne Stolz.
Ein Spätzünder
Vor zwei Jahren begann die Kart-Karriere von Luis Dettling, der damit zu den Späteinsteigern zählt. Die meisten beginnen schon mit sechs Jahren mit dem Kartfahren. Schon davor war er Motorsport begeistert, schaute mit seinem Vater gern Formel 1. In einem Italien-Urlaub ging es dann zum ersten Mal auf die Kartbahn. „Das hat total Spaß gemacht“, erinnert sich Luis Dettling. Weil es ihm so gut gefiel, durfte er anschließend auch auf der Kartbahn Liedolsheim ein paar Mal seine Runden drehen, ehe sein Vater sich auf die Suche nach einem Team machte.
Zunächst fuhr Luis Dettling für Kartart Racing, mittlerweile hat er sich Kraft Motorsport angeschlossen, einem Team aus Norddeutschland. Zu Hause hat der Kieselbronner aber seine eigene kleine Crew: Sein Vater ist für die Datenauswertung zuständig, sein Großvater schraubt gern am Kart herum. „Der Opa ist technisch versiert und hat einen Blick dafür, wo was gemacht werden muss“, erklärt Daddy David Dettling.
Nach wie vor zieht die Formel 1 Luis Dettling in seinen Bann. Früher war Michael Schumacher sein Idol, mittlerweile ist es Max Verstappen, der für Red Bull Racing fährt. Dort einmal als Fahrer zu landen, das wäre schon was, findet der Kieselbronner. „Klar, Formel-Klassen sind mein Traum aber auch die GT Masters, DTM, GT4 also Tourenwagen wären ein tolles Ergebnis“, so Luis Dettling. Denn der Schüler des Kepler-Gymnasiums in Pforzheim weiß: Nur Wenige schaffen den Sprung vom Kart in die Formel 1.
Max Verstappen war übrigens 2013 Kart-Weltmeister – und zur WM würde gern auch Luis Dettling fahren. Am liebsten schon im kommenden Jahr. Dafür muss er in der neuen Saison in der Nationalen Wertung mitfahren und sich in dieser etwas härteren Konkurrenz vorne festsetzen. Bei einem Gaststart noch vor kurzem war sein bestes Ergebnis Platz neun im letzten von fünf Rennen.
WM ist das nächste Ziel
Vielleicht war bei dem Gaststart aber auch einfach die Strecke zu trocken, denn Luis Dettling mag es nass. „Ich liebe Regen einfach“, sagt er. Außerdem würde bei Regen nur das Fahrerische zählen, die unterschiedliche Ausstattung der einzelnen Karts, vor allem was den Motor anbelangt, würde bei Nässe nämlich keine Rolle mehr spielen.
Bis es für Luis Dettling dann wirklich ums WM-Ticket geht, ist außerdem ja auch noch ein bisschen Zeit. Zeit, um am Kart zu schrauben, auf den Strecken und am Simulator zu üben – und auch, um den Helm zu polieren. Damit die Konkurrenz auch weiterhin einen guten Blick auf Speedy Gonzales hat.


