nach oben
Die Fans glauben zu wissen, wer die Schuld am Abstieg des VfB Stuttgart hat.  © dpa
14.05.2016

Kommentar: Ein schwarzer Samstag für den Fußball in Stuttgart

Wer nicht kämpft, kann auch nicht gewinnen. Aber absteigen. Der VfB Stuttgart hat es vorgemacht. Wild entschlossen die letzte Chance nutzen, um den todsicheren Abstieg noch zu verhindern? Nicht mit diesen Schwaben, die so mut-, kraft- und ideenlos beim VfL Wolfsburg antraten, dass es für alle Beteiligten besser gewesen wäre, das Spiel wäre wegen fehlender Moral und mangelndem Kampfeswillen abgesagt worden.

Das treue Häuflein der nach Norden gepilgerten VfB-Fans hatte schon in der ersten Halbzeit die Nase voll. Ein trauriges Spiel zum Ende einer traurigen Saison. Mancher Schwaben-Fan wäre vielleicht schon glücklich gewesen, wenn er in der Niederlage ein Aufbäumen gesehen hätte, ein kleines Ausrufezeichen, das wenigstens ein kleines bisschen Mut gemacht hätte für die kommende harte Saison in der 2. Liga. Doch vorne und hinten ging gar nichts. Kopflos. Harmlos. Und wenn es dann eine Liga tiefer mal richtig auf die Socken gibt, weil dort mehr gekämpft als pomadig schön gespielt wird, dann muss man um diesen schwachen VfB Stuttgart auch weiterhin bangen.

„Keine Ahnung, keine Planung, kein Konzept. Vorstand raus“, forderten die Fans auf einem Transparent. Ganz so falsch ist das wohl nicht, aber wer kann den VfB aus dem Tal der Tränen steuern? Wer aus dem Vorstand? Und wer auf dem Trainersessel? Wer hat eigentlich die größten Fehler begangen? Wem kann man einen Neuaufbau des Traditionsvereins zutrauen, der zu den Urgesteinen der Fußball-Bundesliga zählt, zu den großen Namen im deutschen Fußball?

Fundierte Antworten kann es jetzt so kurz nach dem letzten Trauerspiel und dem Abstiegsschmerz noch keine geben. Immerhin: Manchmal kann so eine Zäsur auch hilfreich sein, zu Neuem führen, das besser als das Alte ist. Und der VfB Stuttgart spielte in den vergangenen Jahren zum Leidwesen der Schwaben oft im alten Trott. Saison um Saison schreckte das Abstiegsgespenst. Und Saison um Saison wurde Trainer um Trainer verschlissen, bloß um am Ende gerade so noch in der Bundesliga zu bleiben.

Allen aktuellen wie radikalen Änderungswünschen zum Trotz muss dennoch mit Bedacht und Hirn der Verein umgebaut, umbesetzt werden. Vielleicht müssen auch die Ansprüche zunächst einmal heruntergeschraubt werden. Ba-Wü-Derby VfB gegen Karlsruher SC statt Träume von einem europäischen Wettbewerb. Sich neu zu gestalten und sich dabei Zeit zu nehmen erfordert Mut von der möglicherweise neuen Vereinsspitze. Und Geduld von den Fans.

Aber jetzt darf erst einmal in ganz Stuttgart geheult werden. Bundesliga adieu. Und der VfB II fällt aus der 3. Liga in die Regionalliga ab, zusammen mit den Stuttgarter Kickers, die auch nicht mehr den Glanz alter Tage versprühen. Schade, dass der FC Nöttingen den Direktaufstieg aus der Oberliga an diesem Wochenende verpasst hat. Aber noch besteht Hoffnung, dass der FCN die Relegation übersteht. Spiele gegen die Kickers und den VfB II wären wohl Publikumsmagnete. Die Trauer der Schwaben könnte dann die Freude der Badener aus dem Enzkreis werden.

 

Umfrage

Abstieg in die 2. Liga: Wird der VfB Stuttgart gleich den Wiederaufstieg schaffen?

Ja 18%
Nein 54%
Die Chancen stehen 50:50 11%
Mir egal 17%
Stimmen gesamt 1716