Im Wildpark hofft der Karlsruher SC längst auf ein neues Stadion – und muss auch jetzt wieder etwas improvisieren. Foto: Deck
Sport
Kriegslasten verteuern neues KSC-Stadion um neuen Millionen Euro
  • Hans Falsehr

Karlsruhe. Die schon weit fortgeschrittenen Planungen für ein neues Fußballstadion im Wildpark stehen nun vor einer neuen Hürde. Im Bestreben, weitere Kosten- und Terminrisiken beim Bau zumindest möglichst auszuschließen, will die Stadt Karlsruhe dem noch zu findenden Totalunternehmer ein „kampfmittelfreies“ Baufeld garantieren. Das erfordert neun Millionen Euro mehr.

Statt des am 19. Juli 2016 beschlossenen Budgets von 113,95 für das Gesamtprojekt (Stadion und Infrastruktur) werden nun 122,95 Millionen Euro. veranschlagt. Über diese neun Millionen Euro mehr stimmen die Gemeinderäte am kommenden Dienstag ab.

„Auf dem Gelände des heutigen Wildparkstadions befand sich im 2. Weltkrieg eine Flak(Flieger-Abwehr-Kanone)stellung der Wehrmacht. Die Fläche wurde entsprechend stark bombardiert“, steht in der Beschlussvorlage von Oberbürgermeister Frank Mentrup: „Die Luftbildauswertung des Kampfmittelbeseitigungsdienstes zeigt zahlreiche Bombentrichter, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit Kriegsschutt verfüllt wurden.“ Zudem seien die Wälle des Stadions aus Kriegsschutt aufgeschüttet worden. Nun gelte es, die „Kampfmittelverdachtsbereiche“ zu untersuchen und bei Bedarf zu räumen.

Die nötigen Maßnahmen stellte die Stadt am Freitag vor. Erst wird die Nord-, dann die Südkurve und zuletzt die Gegentribüne zurückgebaut. Etwa 100.000 Kubikmeter Material werden abgetragen. Dieses wird auf Flächen im und um das jetzige Stadion herum gelagert, untersucht und letztlich wohl zum großen Teil im Fundamentbereich des neuen Stadionkörpers verbaut. Nur 20 Prozent des Materials müssen wohl entsorgt werden. Die gesamte „Vorabmaßnahme“ soll im Oktober dieses Jahres beginnen und etwa zwölf Monate später abgeschlossen sein. Im November 2019 soll der Neubau starten und eineinhalb bis zwei Jahre dauern – während des laufenden Spielbetriebs. In den zurückgebauten Bereichen werden Ersatztribünen errichtet.

Die „Kampfmittelerkundung“ und die Hilfstribünen schlagen eigentlich mit insgesamt zwölf Millionen Euro zu Buche. Doch der Karlsruher SC hat nun etwa 1900 Quadratmeter Fläche eingespart, übernimmt die Kosten für den Bau eines Parkhauses und akzeptiert, dass das Stadion statt 35000 nur 34.000 Zuschauer fasst.

Die Stadt wiederum hat den Refinanzierungszeitraum des KSC von 33 auf 35 Jahre verlängert, so fällt die jährliche Pacht geringer aus. „Wir reduzieren mit der geplanten Maßnahme die Risiken erheblich“, betont Mentrup.