Pforzheim. Bei Hertha BSC in Berlin träumt man davon, zum „Big City Club“ zu avancieren. Auch bei den Pforzheim Bisons hat man eine Vision. Die Goldstadt soll zur Hockeytown, zur Eishockeystadt werden. Zugegeben der Vergleich hinkt ein wenig, schließlich ist der Fußball-Verein aus Berlin längst Bundesligist und damit in der höchsten Deutschen Liga angekommen. Davon ist man bei den Bisons noch sehr weit weg, sie gehören zu den Amteurclubs in ihrem Sport. Doch die Deutsche Eishockey Liga (DEL) und ein Kader voller Profis ist auch nicht das Ziel der Pforzheimer Kufencracks. In erster Linie soll Eishockey in Pforzheim populärer werden.
„Wir stehen auch noch ganz am Anfang“, weiß Tobias Nuffer. Im Winter 2018 hatte er bei den Bisons das Amt des Abteilungsleiters übernommen. Nach und nach baute Nuffer Strukturen in der Eissportsparte des 1. CfR Pforzheim auf, verteilte die Aufgaben auf mehrere Schultern. „Wir haben den Verein in den letzten Jahren immer von einzelnen Personen leben lassen. Die konnten nur so gut arbeiten, wie der Tag lang war“, sagt Nuffer. Nun habe jeder seinen festen Aufgabenbereich.
Den ersten sportlichen Erfolg kann Nuffer auch schon vorweisen: In der Landesliga sicherten sich die Bisons noch vor dem Corona-bedingten Abbruch der Saison 2019/20 souverän den Meistertitel und durften damit in die Regionalliga aufsteigen. Nuffer stand dabei übrigens als Torhüter selbst mit auf dem Eis. Er beendete nach der Runde aber seine Karriere.
In Pforzheim habe sich einiges getan, findet auch Ilja Manheim. Er ist seit vergangenem Jahr Betreuer bei den Aktiven und seit diesem Sommer auch Pressesprecher der Bisons. Er kam aus Bietigheim zu den Pforzheimern. Er sehe den Verein zum Teil noch aus der Sicht eines Außenstehenden, sagt Manheim. Früher habe man Pforzheim immer belächelt. „Wenn man Punkte brauchte, ist man nach Pforzheim gefahren, egal ob das eine Jugendmannschaft war oder die Seniorenmannschaft“, erzählt er. Das habe sich nun geändert. Man habe nach dem Regionalliga-Aufstieg zahlreiche Anfragen von Spielern bekommen, die gern nach Pforzheim wechseln wollten. „Und das waren nicht nur Spieler, die sonst nirgendwo unter gekommen wären, sondern viele wollten gern in Pforzheim spielen, weil sie gesehen haben die spielen gut.“
Der Traum von der Hockeytown ist in den Köpfen der Bisons-Funktionäre auch beim Thema Nachwuchsförderung sehr ausgeprägt. Am liebsten hätten sie um die 600 Kinder in den Jugendmannschaften. Davon sind sie derzeit allerdings noch weit weg. Doch die, die schon da sind, seien mit großem Eifer dabei, erzählt Nuffer. „Als wir den Kindern letztes Jahr Trainingsanzüge gekauft haben, wollten sie die gar nicht mehr ausziehen“, berichtet Nuffer. Seit man zudem mit Reutlingen und Balingen Spielgemeinschaften bilde, laufe es sportlich beim Nachwuchs besser, sagt Nuffer.
Wenig regionale Sponsoren
Es gibt allerdings auch noch einen weiteren markanten Unterschied zwischen Hertah BSC und den Bisons. Die Berliner Fußballer haben mit Lars Windhorst einen millionenschweren Investor an ihrer Seite, der viel Geld in den Bundesligaverein pumpt. Der fehlt dem Pforzheimer Eishockeyteam. Doch mit Grasovka Bisonsgrass Vodka konnten die Bisons eine Spiritousenmarke aus Nordrhein-Westfalen als Sponsor gewinnen – und darauf ist man bei den Bisons sehr stolz. „Das zeigt uns, es geht voran. Wir erreichen was“, sagt der Sponsorenbeauftragte Christian Bitzer. Man sei inzwischen extrem kreativ geworden, wenn es darum gehe neue Sponsoren zu gewinnen. „Wir schreiben nur noch ganz gezielt Firmen an und denken uns bei jeder Firma was aus, was der Gegenwert sein könnte, wie die Firmen durch uns profitieren können“, so Bitzer.
Dennoch tun sich die Bisons gerade in Pforzheim und der Region noch schwer, Firmen für sich zu gewinnen. „Viele Unternehmen wissen auch gar nicht, dass wir hier eine Eishalle haben“, sagt Bitzer. Daher wolle man den Eissport in Pforzheim besser vermarkten. Schließlich wolle man unter dem Motto „aus der Region, für die Region“ agieren.
Der Bezug zu Pforzheim und der Umgebung ist den Funktionären der Bisons in allen Bereichen sehr wichtig. „Wir lieben das, was wir tun und wir haben da auch total Bock drauf. Es wäre schön, wenn das auch in der Region ankommt“, so Nuffer.
Dabei kommt es sicher auch drauf an, was die Bisons in der kommenden Runde in der Regionalliga zeigen. Am 2. Oktober soll die neue Saison starten. Acht externe Spieler wurden neu verpflichtet, um den Klassenerhalt zu schaffen. Zudem kam mit John Kraiss auch ein neuer Trainer, der den langjährigen Coach Ken Filbey ablöste. Um den Nachwuchs besser an das Regionalliga-Team heranführen zu können, wurde eine zweite Mannschaft in der Landesliga gemeldet.
Kleines Störfeuer
Eine Parallele zu dem Fußball-Bundesligisten Hertha BSC gibt es dann aber doch noch. Auch in Pforzheim läuft nicht alles ohne Störfeuer. Mit der Trennung von ihrem hauptamtlichen Mitarbeiter Thomas von Euw, der im Jugendbereich aber auch bei den Aktiven tätig war, bahnt sich ein Rechtsstreit um die Kündigung an. Warum es zum Ende des Arbeitsverhältnisses kam, darüber schweigen alle Beteiligten.

