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Starke Leistung: Nina Reichenbach aus Ötisheim ist nach 2016 auch 2017 Weltmeisterin im Fahrrad-Trial. Sie setzte sich im chinesischen Chengdu souverän gegen ihre Konkurrentinnen durch.  Privat
Starke Leistung: Nina Reichenbach aus Ötisheim ist nach 2016 auch 2017 Weltmeisterin im Fahrrad-Trial. Sie setzte sich im chinesischen Chengdu souverän gegen ihre Konkurrentinnen durch. Privat
Nina Reichenbach bei der PZ-Sportlerwahl mit PZ-Redakteur Dominique Jahn.  Seibel
Nina Reichenbach bei der PZ-Sportlerwahl mit PZ-Redakteur Dominique Jahn. Seibel
29.11.2017

Nina Reichenbach aus Ötisheim ist Weltmeisterin im Fahrrad-Trial

Mit Nina Reichenbach kann der Enzkreis eine echte Weltmeisterin vorweisen. Im chinesischen Chengdu gewann die 18-Jährige die UCI Urban Cycling Weltmeisterschaft im Fahrrad-Trial und das schon zum zweiten Mal nach 2016. Schon früh entdecke Nina ihre Passion fürs Fahrradfahren: „Ich konnte schon Fahrrad fahren, bevor ich überhaupt laufen konnte“, so die Weltmeisterin.

Seit 2007 schwingt sie sich für den Rad- und Motorsportclub Ölbronn auf den Sattel. Ein Klassenkamerad brachte sie auf die Idee, sich bei einem Verein anzumelden, um ihrer Leidenschaft zu frönen. Schon in ihrem ersten Vereinsjahr konnte die Ötisheimerin ihren ersten kleinen Titel feiern. Ein Titel, der ein Versprechen für eine erfolgreiche Zukunft sein sollte. Eine Zukunft, die mit Titeln gespickt ist und nun ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat.

Für ihren Weltmeistertraum musste Nina in den vergangenen Jahren ein enormes Trainingspensum abspulen. Während der Saison trainiert sie vier- bis fünfmal pro Woche. Neben dem Training ist auch der finanzielle Aufwand enorm. So muss sie die Fahrtkosten zu ihren Weltcups und die dortige Unterkunft selber tragen. Auch ihr Trial-Fahrrad und die benötigten Ersatzteile muss sie aus eigener Tasche zahlen. Das Rad, das mit sieben Kilogramm extrem leicht ist, keine Gangschaltung und keine Federung besitzt, kostet zum Beispiel 2 500 Euro. Auf Annehmlichkeiten, wie es Fußballprofis kennen, muss sie trotz Weltmeistertitel verzichten. Nina gesteht ein, dass ohne ihre Eltern eine aktive Teilnahme als Trialprofi nur schwer möglich sei: „Was meine Eltern für mich leisten, ist unglaublich. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Auf meine Eltern bin ich mindestens genauso stolz wie sie auf mich.“

Auch die 10 000 Euro Prämie für den Weltmeistertitel fließen zurück in ihren Sport. Die Reise nach China konnte sie mit Hilfe von Sponsoren bewältigen. Ein eigenes Trainerteam besitzt Nina nicht, vielmehr sind ihre Eltern das Team, das sie überall hin unterstützt. Auch das deutsche Bike-Team ist wie „eine große Familie, die einem den Erfolg gönnt“.

Im Moment trainiert die angehende Industriekauffrau nicht. Das sei wichtig, um „wieder Lust auf die neue Saison zu bekommen“. Vor der Trialsaison will sie ihr Trainingslager in Barcelona absolvieren. Die Trainingsbedingungen und die dortigen Trials seien „perfekt“.

Der Auftakt findet immer im Juli statt. Die Saison dauert ein knappes halbes Jahr und endet Mitte November mit der WM. Nach eigenen Angaben hat Nina Reichenbach, die zugleich deutsche Meisterin der Kategorie 20 und 26 Zoll im Trial ist, weiterhin genug Zeit für ihre Freundinnen und ihr enges Umfeld.

Von größeren Verletzungen ist Nina in ihrer noch jungen Karriere verschont geblieben. Kleine Blessuren wie Schürfwunden gehören zwar dazu, seien aber „halb so wild“. Größere Verletzungen kämen im Fahrrad-Trail eher weniger vor. Nina liefert dabei eine einfache Erklärung: „Das liegt an den geringen Geschwindigkeiten, mit denen wir den Trial bewältigen“. Waghalsig ist der Sport dennoch, schließlich springt, hüpft und balanciert man mit dem Bike über Betongebilde und gefällte Mammutbäume. Der geringste Fehler bedeutet eine harte Landung.

Die Beste der Welt

Auf die Frage, wie es sich anfühle, die Beste der Welt zu sein, bringt es das Rad-Ass auf den Punkt: „Das ist unglaublich krass.“ Zunächst konnte sie es gar nicht begreifen ihren Titel verteidigt zu haben.

Sie habe durch den Radsport gelernt, immer alles zu geben und ihre Ziele zu verfolgen. Nur so könne man erfolgreich sein. „Eine Eigenschaft, die man für das ganze Leben beherzigen sollte“, so Nina Reichenbach. Ihre weiteren Ziele sind klar formuliert: „Am liebsten möchte ich meine Erfolge auch im nächsten Jahr bestätigen. Ich muss aber alles geben, meine Konkurrenz schläft nicht und ist nächstes Jahr mindestens genauso stark.“ Ein erneuerter Titelgewinn bleibt dennoch ihr Ziel.