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Ganz private Einblicke gibt Barbara Shaghagi (rechts) bei ihren Trainingsvideos, die sie meistens zusammen mit Zwillingsschwester Christine Hornung bei sich zu Hause aufnimmt.  Foto: Privat 

Per Mausklick zum Fitness-Kurs - wie Sportvereine in Corona-Zeiten improvisieren

Pforzheim/Berlin. Zusammengezogene Sockenpaare fliegen als „Krötenflummis“ durchs Kinderzimmer. Auf dem Bildschirm imitiert ein Plüsch-Albatros die Übungen der Trainer. Mit seinem Video-Angebot, um Kindern und Jugendlichen in Corona-Zeiten mehr Bewegung angesichts fehlender Sportstunden zu ermöglichen, hat Basketball-Bundesligist Alba Berlin einen Hit in Corona-Zeiten gelandet: Nach gut einer Woche wurden die Videos mehr als vier Millionen Mal abgerufen. Die Aktion findet zahlreiche Nachahmer.

So dreht das baden-württembergische Sportministerium zusammen mit Fernsehsender „Regio TV“ Filmclips, in denen professionelle Sportlehrer sowie Athleten digitale Sportstunden abhalten. Ende der Woche soll es ein „Making of“ der Aktion, die unter dem Titel „Mach mit – bleib fit!“ läuft, geben, kommende Woche die ersten Sportstunden.

Spontane Idee beim TVN

Einen Schritt weiter ist da der TV Nöttingen. Auf seinem Youtube-Kanal TV Noettingen sind schon neun Videos abrufbar. Vor rund einer Woche stellte Barbara Shaghaghi den ersten Fitness-Clip online. „Das war eine spontane Idee“, erzählt die Trampolin-Trainerin des TVN. Nachdem die Halle zu war, wollte Shaghaghi dafür sorgen, dass ihre Schützlinge aus der Leistungsgruppe Trampolinturnen, aber auch andere Vereinsmitglieder, die zum Beispiel sonst am Aerobic-Kurs oder andern Angeboten teilnehmen, ihre Grundfitness beibehalten. Eine kurze Absprache mit dem Vorstand des TVN und schon war ein Youtube-Kanal eingerichtet. Die Übungseinheiten stehen damit auch Nichtmitgliedern kostenlos zur Verfügung.

Zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Christine Hornung und ab und zu auch mit Ellen Beierlein, beide ebenfalls Übungsleiterinnen beim TV Nöttingen, macht Shaghaghi nun bei sich zu Hause Fitness-Übungen vor. Bei den Einheiten kommen auch Flaschen, Stühle oder Handtücher zum Einsatz. „Man kann vieles, was man zu Hause hat, für die Übungen nutzen“, sagt Shaghaghi.

Verschiedene Schwerpunkte

Bei den ersten beiden Videos sei es schon ungewohnt gewesen, dass man bei den Übungen keinen Menschen gegenübersteht, gibt die 57-Jährige zu. „Die Anweisungen, die ich gebe, und der Ablauf sind aber die gleichen, wie im normalen Training“, sagt Shaghaghi, die wie ihre Schwester Christine Hornung beim Badischen Turnerbund arbeitet und sich auch beim Turngau Pforzheim-Enz engagiert.

Zwischen 15 und 20 Minuten lang sind die Videos, jedes hat einen anderen Schwerpunkt. „Wir haben im Verein auch unterschiedliche Gruppen und wir möchten, dass für jeden etwas dabei ist“, sagt Shaghaghi. So seien Clips dabei, die sich eher an die Aerobic-Gruppe richteten, andere seien eher was für die Teilnehmer der Rückengymnastik. Prinzipiell lassen sich die Übungen aber in drei Bereiche einordnen: Kräftigung, Übungen, um die Beweglichkeit zu fördern und Cardio-Training.

Sein Fitnessprogramm kann sich jeder selbst zusammenstellen. Die eingestellte Reihenfolge hat nichts zu sagen. „Jeder kann sich das raussuchen, was ihm gefällt“, so Shaghaghi. Das Angebot richte sich an jeden, lediglich für Kinder habe man keine spezielle Übungen. „Da gibt es schon genug andere Angebote“, weiß Shaghaghi. Ein paar hat der TV Nöttingen auf seiner Homepage aufgeführt – drunter auch das Training von Alba Berlin.

Der technische Aufwand für die Videos halte sich in Grenzen, sagt Shaghaghi: „Wir haben keine professionelle Kamera, meine Tochter Luisa filmt alles mit dem Handy.“ Luisa Shaghaghi führt quasi Regie, denn sie zeigt auch an, wann das Zeitlimit erreicht ist. „Wir hatten auch mal ein Video mit 30 Minuten aufgenommen, aber das hat viel zu lange gedauert, bis es hochgeladen war“, erklärt Barbara Shaghaghi, warum die Zeit eine wichtige Rolle spielt.

Der erste Clip des TV Nöttingen hat bereits 400 Aufrufe, die restlichen hinken da noch etwas hinterher, einige haben aber die 100er Marke schon überschritten. Rückmeldung bekamen Shaghaghi und Co bisher nur von den eigenen Fitness-Gruppen des TVN, das war dafür aber durchweg positiv. „Wir werden weiter machen, uns macht das nämlich großen Spaß“, kündigte Barbara Shaghaghi an. Zunächst laufe das Projekt aber nur, bis die Corona-Krise vorbei sei.

Auch andere Vereine sind online

Mit kurzen Sport-Clips wartet der Turnverein 1889 Kieselbronn auf. Auf seiner Facebook-Seite und auf seiner Homepage www.tv-kieselbronn.de zeigt TVK-Trainer und Jugendleiter Kevin Tepe Übungen für zu Hause.

Auch der TV Huchenfeld leistet einen Beitrag zur Fitness in Corona-Zeiten. Jeden Tag zeigt Jennifer Schneider, hauptamtliche Sportlehrerin des TVH, auf Facebook und Instagram sowie der Vereinsinternetseite (www.tvhuchenfeld.de) Übungen. Am Wochenende werden diese zu einem Workout zusammengestellt.

Der FC Viktoria Enzberg hat derweil eine Auswahl an Videos mit Fußball-Übungen von anderen Clubs wie Werder Bremen oder den St. Pauli Rabauken auf seiner Homepage (www.viktoria-enzberg.de) zusammengestellt.