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Aus lokaler Sicht stehen der Pforzheimer Vincenzo Grifo (Foto) und der Birkenfelder David Otto im Blickpunkt bei der TSG Hoffenheim. Foto: Baumann
Aus lokaler Sicht stehen der Pforzheimer Vincenzo Grifo (Foto) und der Birkenfelder David Otto im Blickpunkt bei der TSG Hoffenheim. Foto: Baumann
15.05.2018

Pforzheimer Fußballprofi Vincenzo Grifo: „Das waren turbulente Momente“

Vincenzo Grifo stand auf dem Platz, als die Stimmung im Volksparkstadion kippte, HSV-Chaoten Bengalos zündeten und zum Abstieg des Bundesliga-Dinos Böller warfen. Im PZ-Interview spricht der 25-jährige Pforzheimer Fußballprofi, der seit dieser Saison für Borussia Mönchengladbach spielt, über die Randale in Hamburg, seine erste Saison bei den Fohlen und den 1. CfR Pforzheim als mögliches Los in der ersten Runde des DFB-Pokals.

PZ: Sie wurden im letzten Saisonspiel gegen den HSV in der 78. Minute eingewechselt und erlebten die Randale im HSV-Block aus nächster Nähe. Wie haben Sie den Pyro-Skandal wahrgenommen?

Vincenzo Grifo: Wir hatten gerade eine Aktion nach vorne, als es einen mega-lauten Knall gab. Ich bin kurz erschrocken, habe mir aber gleich gedacht, was jetzt kommt. Wir haben schon vorher geahnt, dass es in Hamburg zu solchen Szenen kommen könnte, sollte der HSV absteigen.

PZ: Hatten Sie Angst?

Vincenzo Grifo: Nein. Die Polizei hatte alles super im Griff. Ich habe mich extrem sicher gefühlt. Aber natürlich nimmt das einen schon mit. Das erlebt man ja nicht alle Tage. Die Polizei kam mit Pferden und Hunden auf den Platz, wir sind erstmal rein in die Kabine, bis uns Schiedsrichter Felix Brych dann wieder rausgeholt hat. Das waren schon kuriose und turbulente Momente. Danach mussten wieder alle vom Platz, damit das Spiel nochmal angepfiffen werden und offiziell beendet werden kann. Das hat eben ein Weilchen gedauert.

PZ: Auf die drei Sekunden restliche Spielzeit hätten Sie aber auch gerne verzichten können...

Vincenzo Grifo: Natürlich, aber das Regelwerk schreibt es eben so vor. Da kann man nichts machen. Wir waren auch kurz verwundert, müssen das aber so akzeptieren. Keiner hätte bestimmt was gesagt, wenn Brych die Partie einfach so abgepfiffen hätte.

PZ: Die Gewalt im Stadion nimmt immer stärkere Ausmaße an. Wie kann man vorgehen, um dies künftig zu unterbinden?

Vincenzo Grifo: Gute Frage! Es ist schwer nachzuvollziehen, wie Böller und Bengalos trotz der Sicherheitsvorkehrungen an den Eingängen ins Stadion gelangen. Leider gibt es eben unter den 60 000 Menschen im Stadion immer einige wenige, die in eine andere Richtung laufen, anders ticken. Das ist sehr ärgerlich. Auch in Hamburg war die Stimmung super, bis es zu den Randalen kam. Ein Stück weit kann man ja den Frust bei den Menschen verstehen, wenn deren Verein, der ihnen ans Herz gewachsen ist, zum ersten Mal aus der Bundesliga absteigt. Aber was bringt es, wenn man Böller und Rauchbomben aufs Feld wirft? Unserem Torhüter hat man in Hamburg einen großen Schrecken eingejagt. Gott sei dank wurde niemand verletzt.

PZ: Anderes Thema: die Saison ist vorbei, nach dem Wechsel im Sommer vom SC Freiburg haben Sie für Gladbach von 3060 möglichen Spielminuten an 34 Spieltagen nur 779 Minuten auf dem Platz gestanden. In 17 Spielen haben Sie vier Tore vorbereitet, selbst blieb Ihnen aber ein Treffer verwehrt. Wie fällt Ihr Saisonfazit aus?

Vincenzo Grifo: Es war eine Saison mit Höhen und Tiefen. Angefangen hat alles sehr gut. Ich bin in Gladbach gut aufgenommen worden und habe in der Vorbereitung auch jedes Training mitgemacht. Dann kam die blöde Kapselverletzung, die mich sechs Wochen zurückgeworfen hat. Am siebten Spieltag durfte ich dann beim 2:1-Sieg gegen Hannover für ein paar Minuten ran. Drei Wochen später habe ich dann mein bestes Saisonspiel gegen Hoffenheim gemacht und mit meinen zwei Torvorlagen beim 3:1-Erfolg für Schlagzeilen gesorgt, das war natürlich super, da habe ich gezeigt, was ich kann. Anfang dieses Jahres hat mich dann erneut eine Verletzung ausgebremst. Der Konkurrenzkampf ist groß bei der Borussia, vor allem auf den Außenbahnen. Ein paar Einsätze mehr hätte ich gerne gehabt, aber das war nun meine erste Saison in Gladbach. Ich habe das Potenzial, mich hier durchzusetzen und werde deshalb weiter Vollgas geben.

PZ: Angeblich sollen Sie aber auf der Abschussliste des Vereins stehen...

Vincenzo Grifo: Das habe ich auch gelesen. Aber darüber mache ich mir keinen Kopf. Ich weiß, wo ich stehe und der Verein weiß das auch. Jetzt ist erstmal Urlaub und dann greife ich wieder an.

PZ: Was nehmen Sie von dieser Saison mit in die kommende Spielzeit?

Vincenzo Grifo: Viele neue Erfahrungen. Hier in Gladbach ist alles ein bisschen größer als in Freiburg, der Druck ist ein anderer. Und dass ich künftig konstanter spielen muss, um das Vertrauen des Trainers zu bekommen. Aller Anfang ist schwer, klar, aber ich bin auch mega-ehrgeizig und kann deshalb mit der ersten Saison hier nicht zufrieden sein. Ich will der Welt zeigen, was ich in Pforzheim auf dem Bolzplatz gelernt habe. Ich will der Welt zeigen, dass ich kicken kann. Und daran gilt es nun zu arbeiten.

PZ: Ihre fußballerischen Fähigkeiten sind unbestritten. Hat sich eigentlich schon der neue italienische Nationalcoach Roberto Mancini bei Ihnen gemeldet?

Vincenzo Grifo: Noch nicht. Ich hoffe, die Einladung kommt bald. (Lacht). Im Ernst: ich weiß, dass die Scouts mich im Blick haben. Deshalb muss ich mich jetzt durchsetzen und mir einen Stammplatz erarbeiten. Ich bin ja noch jung. Mit 25 geht es jetzt erst richtig los. Ein paar Jahre habe ich noch. Kommende Saison muss ich auf mich aufmerksam machen und von Verletzungen verschont bleiben.

PZ: ...schließlich dürfen Sie im DFB-Pokal, wenn es in der ersten Runde gegen den 1. CfR Pforzheim geht, nicht fehlen?

Vincenzo Grifo: (lacht) Ich drücke die Daumen, dass es so kommt. Mit Gladbach gegen meinen Heimatverein, bei dem ich neun Jahre als Jugendlicher gespielt habe – das wäre ein Traum, ein Highlight in meiner Karriere. Ich habe Markus Geiser (Vorstandsvorsitzender des CfR, Anm. d. Red.) auch versprochen, dass ich zum BFV-Pokalfinale gegen den KSC II vorbeikomme, sollte ich am Pfingstmontag in Pforzheim sein.