Pforzheim. Er hat es geschafft: Vincenzo Grifo hat erstmals das Trikot der italienischen Fußball-Nationalmannschaft getragen. Der gebürtige Pforzheimer wurde beim 1:0-Erfolg der Squadra Azzurra im Testspiel gegen die USA nach der Pause eingewechselt. Dabei durfte er auch noch mit der Nummer 10 auflaufen, mit jenem Trikot, das vor ihm in Italien Fußball-Granden wie Gianni Rivera, Roberto Baggio, Andrea Pirlo, Alessandro del Piero und Francesco Totti trugen.
Grifo weiß, welche Bedeutung das hat. Roberto Baggio ist schließlich sein großes Vorbild und so sagte der 25-Jährige aus Pforzheim, der in der Bundesliga für die TSG 1899 Hoffenheim spielt: „Es ist eine große Ehre für mich, dieses Trikot zu tragen.“
„Ich bin ein Zehner von Geburt an“, hatte der Offensivspieler kurz nach seiner erstmaligen Nominierung für Italiens Auswahl gesagt. Dass er dieses Trikot nun auch tragen durfte, verdankte er dem Umstand, dass der angeschlagene Lorenzo Insigne, der mit dieser Rückennummer zuvor aufgelaufen war, vor der Partie, die im belgischen Genk ausgetragen wurde, angeschlagen abgereist war.
Einige gute Szenen
Wie das Fachmagazin Kicker berichtet, hatte Grifo bei seinem Debüt einige gute Szenen und half mit, den durch einen von Matteo Politano in der Nachspielzeit erzielten Sieg perfekt zu machen. Von Trainer Roberto Mancini gab es ein Lob für alle Neulinge, die im Team gestanden hatten.
Mancini ist seit einiger Zeit mit dem Neuaufbau der Squadra Azzurra beschäftigt, die die Teilnahme an der Fußball-WM 2018 verpasst hatte. Grifos Berufung kam einerseits überraschend, weil er nie in der Seria A in Italien gespielt hat. Für ihn selbst wiederum kam die Berufung nicht ganz so unverhofft. „Wahrscheinlich haben sie mich schon etwas länger auf dem Zettel gehabt. So unbekannt bin ich ja dort nicht“, erinnert der 25-Jährige an seine vier Einsätze für Italiens U20 vor fünf Jahren. Coach von Italiens Nachwuchskickern damals war Alberico Evani. Der ist jetzt als Co-Trainer der Nationalelf die rechte Hand von Roberto Mancini.
Wieviel Talent Vincenzo Grifo hat, war schon früh zu erkennen. Gökhan Gökce war in der Jugend einer seiner Trainer, zunächst in der E- und D-Jugend, später dann in der A-Jugend. „Begabt war er schon immer, ihm haben aber Größe und Schnelligkeit gefehlt“, berichtet Gökce, der inzwischen die Pforzheimer Oberliga-Mannschaft betreut. In der A-Jugend hatte der Edeltechniker dann noch einmal einen Wachstumsschub und legte auch in Sachen Schnelligkeit zu. „Er hat seine Chance bekommen und sie genutzt“, freut sich der CfR-Trainer, dass sein ehemaliger Schützling seinen Weg gemacht hat. Die Stärken des Neu-Nationalspielers liegen für den Coach auf der Hand: „Das Dribbling, der Abschluss und das Auge für den Mitspieler.“
Grifo war eine der zentralen Figuren der damals so starken Pforzheimer A-Jugend, die 2011 als Verbandsligameister in die Oberliga aufstieg und auch das badische Pokalfinale erreichte, wo man dem großen Favoriten Hoffenheim erst nach großem Kampf unterlag. Danach führte Grifos Weg über den Karlsruher SC, Hoffenheim, Dynamo Dresden und den FSV Frankfurt zum SC Freiburg, wo er seinen Durchbruch schaffte – erst in Liga zwei, dann nach dem Aufstieg auch in der Bundesliga.
Nicht der letzte Einsatz?
Es folgte der Wechsel zu Borussia Mönchengladbach, wo der Italiener aber nie richtig heimisch wurde. Vor der Saison kehrte Grifo nach Hoffenheim zurück, hatte in der laufenden Saison aber nur zwei Startelfeinsätze. Sein Nationalelf-Debüt könnte ihm nun auch Rückenwind für die Bundesliga geben. Der Kicker ist zudem überzeugt: „Das dürfte nicht der letzte Einsatz Grifos für Italien gewesen sein.“



