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Ob die Rugbyspieler des TV Pforzheim nächstes Jahr auch im Europapokal feiern? Die Rahmenbedingungen dafür werden derzeit geschaffen.Keller
14.03.2012

Pforzheims Rugbyspieler stehen vor Quali für den Europapokal

Der große Traum von Pforzheims starken Männern klingt absurd: Einmal im nordholländischen Städtchen Hilversum spielen statt in Berlin. Statt gegen die Nationalspieler vom Heidelberger RK einmal gegen die Jungs aus dem Brüsseler Vorort Schaarbeek mit dem Ei ins Malfeld abtauchen.

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Weit weniger absurd klingt dieser Traum aus dem Mund von Jens Poff: „Die Qualifikation für den Europapokal“, sagt der Teammanager der Rugbymannschaft vom TV Pforzheim, „lassen wir uns nicht mehr nehmen“. Denn Hilversum und Schaarbeek sind mögliche Gegner im „North Sea Cup“, in dem der TVP in der Saison 2012/2013 mitspielen will. Damit würden sich Poffs Männer unsterblich machen: Noch nie nahm eine Pforzheimer Mannschaft an einem europäischen Vereinswettbewerb teil.

„Man will ja nicht überheblich sein, aber der Europacup sollte uns wirklich sicher sein“, sagt auch Mustafa Güngör. Der Nationalspieler und Wortführer beim TV Pforzheim weiß: Platz vier würde für die Qualifikation reichen – und die fünftplatzierten Handschuhsheimer sind 14 Punkte entfernt.

Neuer Spielort, neue Sponsoren

Umso wichtiger ist für Jens Poff, dass nicht nur die Leistungen auf dem Rasen, sondern auch das Umfeld professioneller wird: Nach langer Suche wurde mit der Anlage des ehemaligen FC Eutingen ein Sportplatz gefunden, „auf dem wir für mindestens fünf Jahre spielen können“, so Poff. Sportlich lief die Platzeinweihung am Samstag vor 300 Zuschauern schon vielversprechend: 37:20 wurde der SC Neuenheim geschlagen. Organisatorisch haperte es dagegen noch an manchen Ecken: Ein Großteil der 36 Banden war nicht rechtzeitig fertig geworden, die Auffangnetze erwiesen sich für den Rugbysport als zu klein.

Und doch mehren sich die Indizien dafür, dass beim TVP die Weichen gen Zukunft gestellt werden: So hat der Verein die schmuddelig-graue Clubhausfassade in ein leuchtendes Grün-Weiß verwandelt. Zudem spannt sich ein neues Leibchen über die Oberkörper von Güngör und Co.: Auf der Brust werden die grünen Streifen vom neuen Sponsor „Auto & Service“ überdeckt, auf Rücken und Hose ist der zweite neue Geldgeber „Tipico“ verewigt. „Necula Trockenbau“, „Irish Pub“, „International 101“, „MLP“ sowie Poffs „Steuerberatungsgesellschaft Wirtschaftsdienst“ komplettieren die litfasssäulengleiche Aufmachung. Doch so kritisch manch ein Zaungast am Samstag das Outfit beäugte, so sehr zeigt es, dass die Bedeutung des Rugbysports steigt. Und die neuen Partner – hinzu kamen zuletzt auch die „Südwestenergie GmbH“ und „Phönix Security“ – sind dringend nötig: „Damit decken wir unsere Grundkosten ab“, sagt Poff. „Und mindestens 5000Euro wird uns jedes Auswärtsspiel im Europapokal kosten“, rechnet der Teammanager vor, der auch auf Unterstützung der Stadt hofft. Zu mehr als der Feststellung, „in positiven Gesprächen“ zu sein, lässt sich Poff aber nicht hinreißen.

Wie hoch hinaus der Pforzheimer Höhenflug noch geht, hängt indes nicht nur von der finanziellen, sondern auch von der sportlichen Entwicklung ab: Sollte etwa Mustafa Güngör nicht auch nächstes Jahr in die Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen werden, ist sein Verbleib in Pforzheim ungewiss. Aber nicht nur ein personeller Aderlass, sondern auch das Gegenteil ist noch möglich: Derzeit führt Teammanager Poff Gespräche mit weiteren Nationalspielern. „Aber da hängt viel davon ab, welche beruflichen Perspektiven wir bieten können“, blickt er in die Zukunft. Auch konkrete Arbeitsbereiche hat der 40-Jährige schon im Kopf: „Jobangebote für Goldschmiede oder Controller“, so Poff, „könnten uns den ein oder anderen Topspieler bescheren“.