Jürgen Klopps erstes Spiel als Bundestrainer ist Geschichte. Bringt er die lange vermisste Aufbruchstimmung zurück – oder braucht die Nationalmannschaft dafür noch viel Zeit? Zwei PZ-Redaktionsmitglieder sind unterschiedlicher Meinung.
Pro: Luca Herder, PZ Redaktionsmitglied
Jürgen Klopp lebt, liebt – und weiß, wie man Menschen für den Fußball begeistern kann. Er ist seit Jahrzehnten im Geschäft und hat nicht nur den ewigen Tabellenzweiten Borussia Dortmund zur Meisterschaft geführt, sondern auch mit Liverpool die Champions League gewonnen. Er hat uns allen also schon mehrfach bewiesen, dass er Mannschaften auf höchstem Niveau entwickeln und mitreißen kann. Und genau diese Erfahrung wird man auch bei der Nationalmannschaft spüren. Klopp brennt für den Fußball und zeigt seine Emotionen. Wer sieht, mit welcher Intensität er seine Spieler im Training antreibt und anfeuert, bekommt selbst Lust, diesem Team zuzuschauen. Dazu kommt seine mutige und neue Kadernominierung. Er setzt nicht nur auf die bekannten Namen, sondern gibt mehreren neuen Spielern eine Chance. Das sorgt für frischen Wind und macht neugierig: Wer sind die neuen Gesichter? Klopp bringt damit etwas mit, das der Nationalmannschaft zuletzt immer wieder gefehlt hat: Aufbruchstimmung!
Kontra: Anna Wittmershaus, PZ-Redakteurin
Für eine Euphoriewelle ist es noch zu früh. Natürlich darf man das 1:1 gegen die Niederlande jetzt nicht als Gradmesser nehmen. Es war das erste Länderspiel unter Jürgen Klopp als Bundestrainer und hat nach der kurzen Vorbereitungszeit keine große Aussagekraft. Es zeigt aber: Die Entwicklung der Mannschaft braucht Zeit. Daher wird es auch noch dauern, bis Klopp ganz Deutschland in einen Freudentaumel versetzen kann. Zu lange hat die deutsche Nationalmannschaft keinen Esprit mehr versprüht. Durch ihre uninspirierte Art, Fußball zu spielen, und den Mangel an Charakterspielern hat sie viele Menschen nicht mehr angesprochen. Diese zurückzugewinnen, ist schwer. Da muss auch ein Mann vom Format eines Jürgen Klopp viel Aufbauarbeit leisten, um alle wieder ins Boot zu holen. Sicher, der neue Bundestrainer hat Charisma und scheut sich auch nicht, klare Ansagen zu machen. Aber zaubern kann er auch nicht. Er muss nun erstmal die Nationalmannschaft zurück in die Spur bringen, bevor er ganz Deutschland wieder euphorisieren kann.

