nach oben
Profis gegen Amateure: Hoffenheims Marco Terrazzino erzielt beim 8:0-Sieg das 2:0 gegen Nöttingens Torhüter Robin Kraski. Foto: Ripberger, PZ-Archiv
Profis gegen Amateure: Hoffenheims Marco Terrazzino erzielt beim 8:0-Sieg das 2:0 gegen Nöttingens Torhüter Robin Kraski. Foto: Ripberger, PZ-Archiv
07.11.2016

Realismus beim FC Nöttingen: Keine Kritik am Trainer – keine Verstärkungen

Zu stark für die Oberliga, zu schwach für die Regionalliga. Diese Erfahrung haben in den vergangenen Jahren einige Clubs machen müssen. Der Schritt vom Amateurbereich ins Halb- und Vollprofitum ist gewaltig. Wer ihn wagt, holt sich leicht eine blutige Nase, wie jetzt wieder der FC Nöttingen, der zum dritten Mal nach 2004/05 und 2014/15 in der Regionalliga spielt und – so der Eindruck nach der gerade zu Ende gegangenen Vorrunde – wohl zum dritten Mal gleich wieder absteigt. Die PZ zieht Vorrundenbilanz und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wo liegt das größte Problem beim Aufsteiger?

Die Auswärtsbilanz ist verheerend: Zehn Spiele, zehn Niederlagen, 5:40 Tore. Zuhause holte man in acht Spielen immerhin 13 Punkte bei 14:13 Toren. Auffällig: Auswärts kassiert der Aufsteiger meist sehr frühe Gegentore. Die Abwehr macht immer wieder einfache Fehler. Ein zarter Hoffnungsschimmer: In der am kommenden Wochenende beginnenden Rückrunde gibt es zehn Heimspiele und nur acht Auswärtspartien.

In der Saison 2014/15 stieg Nöttingen zwar auch aus der Regionalliga ab, doch die Mannschaft war stabiler und wettbewerbsfähiger. Was ist der Unterschied?

Die aktuelle Regionalliga ist die stärkste aller Zeiten. Mit den Stuttgarter Kickers, SV Waldhof, Offenbach, Homburg, Saarbrücken und Ulm spielen sechs ehemalige Erstligisten in der Liga. Hinzu kommen fünf Ex-Zweitligisten (Pirmasens, Koblenz, Worms, Trier und Kassel) sowie die Talentschuppen von VfB Stuttgart, TSG Hoffenheim und 1. FC Kaiserslautern. Geballte Fußball-Power. 2014/15 waren zum Beispiel mit Zweibrücken, Baunatal oder Koblenz drei ganz schwache Teams im 18-er-Feld. „Da waren auch mehr Mannschaften mit uns auf Augenhöhe. Das ist jetzt nicht der Fall. Und zehn Mannschaften wollen aufsteigen“, sagt Kapitän Timo Brenner.

Ist die aktuelle Nöttinger Mannschaft schwächer als die vor zwei Jahren?

Das ist wohl so. Der Kader ist zwar weitgehend zusammen geblieben, die Leistungsträger sind zwei Jahre älter und teilweise über ihrem Zenit. Spieler wie Thorben Schmidt, Niklas Tasky, Nico Dobros oder Tobias Müller, die in der damaligen Regionalliga-Mannschaft eine gute Rolle spielten, fehlen. Aktuelle Neuzugänge wie Ex-Profi Mattia Maggio oder Jonas Bergmann konnten noch nicht überzeugen.

Ist der unerfahrene Trainer Dubravko Kolinger ein Problem? Ist er überfordert?

Kolinger hat bisher nur die A-Jugend des FC Nöttingen und den FV Muggensturm (damals A-Liga) trainiert. Als Spieler verfügt er allerdings über große Erfahrung – auch lange Jahre als Profi. Kolinger lobt die Mannschaft viel, auch nach schlechten Spielen. Hier unterscheidet er sich stark von seinem Vorgänger Michael Wittwer. Die Stimmung in der Mannschaft ist gut, trotz der Misserfolge. Das bestätigt Kapitän Timo Brenner: „Es gibt keinerlei Vorwürfe gegen den Trainer. Wir sitzen alle im selben Boot. Und wir machen alle Fehler.“ Auch die Vereinsführung ist zufrieden mit dem Coach. „Das passt. Er macht seine Sache gut“, sagt Vereinschef Dirk Steidl.

Gibt es in der Winterpause Verstärkungen?

Nein! Das ist kein Thema, heißt es von Vereinsseite. Dirk Steidl schränkt ein: „Wenn etwas Sinn macht, dann ja, aber nur dann.“ Timo Brenner hofft auf eine Steigerung und etwas mehr Glück in der Rückrunde. Sein neues Saisonziel: 30 Punkte. Brenner weiß natürlich, dass 30 Punkte normalerweise nicht für den Klassenerhalt reichen.

Was würde der FC Nöttingen tun, wenn er 2018 erneut in die Regionalliga aufsteigen könnte?

„Natürlich würden wir unser Aufstiegsrecht wieder wahrnehmen“, versichert Dirk Steidl. Etwas anderes könnte man Fans uns Sponsoren auch nicht vermitteln.

Gibt es in der Region keinen Verein, der mittelfristig eine Chance in der Regionalliga hätte?

Derzeit gibt es keinen Club mit einem entsprechenden strukturellen und finanziellen Hintergrund. Der 1. CfR Pforzheim als Großstadt-Verein wäre am ehesten in der Lage, diesen riesigen Schritt zu stemmen. Das ist auch das Ziel in den kommenden Jahren. Allerdings müsste man den Etat verdreifachen auf rund eine Million Euro, um wettbewerbsfähig zu sein. Spitzenteams in der Regionalliga haben aktuell einen Etat von zwei bis drei Millionen Euro.