nach oben
Trainingsbesprechung im Nieferner Hallenbad: TSG-Trainer Christian Hirschmann (Mitte) mit seinen Toptalenten Daniel Pinneker und Rosa Schäfer. Foto: Gössele
Trainingsbesprechung im Nieferner Hallenbad: TSG-Trainer Christian Hirschmann (Mitte) mit seinen Toptalenten Daniel Pinneker und Rosa Schäfer. Foto: Gössele
Der Spaß kommt nicht zu kurz, wenn Sandra Storch und Fabian Schmitt im Fritz-Erler-Bad mit den Talenten der SSG Pforzheim trainieren. Foto: Becker
Der Spaß kommt nicht zu kurz, wenn Sandra Storch und Fabian Schmitt im Fritz-Erler-Bad mit den Talenten der SSG Pforzheim trainieren. Foto: Becker
Voller Einsatz am Beckenrand: SSG-Trainerin Carolin Ingelmann. Foto: Becker
Voller Einsatz am Beckenrand: SSG-Trainerin Carolin Ingelmann. Foto: Becker
09.12.2015

Schwimmsport in Pforzheim und Niefern: Gegen die Strömung

Es ist noch gar nicht so lange her, das startete eine Pforzheimer Schwimmerin bei den Olympischen Spielen. 2012 war das in London. Und doch scheint es eine Ewigkeit her. Im April dieses Jahres hat Silke Lippok nach vielen gesundheitlichen Rückschlägen im Alter von nur 21 Jahren ihren Rücktritt vom Leistungssport erklärt. Silke Lippok steht auch für eine Blütezeit des Schwimmsports in der Goldstadt und der Region. Die Gegenwart sieht etwas weniger rosig aus, derzeit kämpfen die Wassersportler gegen die Strömung.

Bei der SSG Pforzheim geht es im Training im Fritz-Erler-Bad zwar lebhaft zu, doch die Schwimm-Start-Gemeinschaft der Vereine BSC und Sparta leidet unter der schwierigen Bädersituation in der Goldstadt. Der Nachbarverein TSG Niefern kann zwar vielversprechende Talente ins Becken schicken, aber auch enzabwärts zeichnen sich große Veränderungen ab, weil Trainer Christian Hirschmann aus beruflichen Gründen den Enzkreis verlassen wird.

Folgen eines Trainerwechsels

Welche Folgen ein Trainerwechsel haben kann, weiß man in Pforzheim. Als Erfolgstrainer Rudi Schulz, der Silke Lippok groß gemacht hatte, die SSG verließ, weil ihm die weiten Fahrten von Durmersheim nach Pforzheim zu aufwendig wurden, verlor das Team mit Daniel Pinneker und Rosa Schäfer in der Folge auch seine größten Nachwuchshoffnungen.

Die Talente reiften in Niefern weiter, doch dort wartet nun mit dem angekündigten Abschied von Christian Hirschmann ebenfalls eine Zäsur. Der 28-Jährige leitet das Training zusammen mit seiner Mutter Birgit Rath-Hirschmann (61) noch bis zum Sommer 2016. Dann zieht es ihn beruflich in den Großraum Heilbronn/Neckarsulm. „Ich werde dem Schwimmsport aber erhalten bleiben“, verspricht er und berichtet von einem Angebot des Schwimmverbandes, als Landestrainer zu arbeiten. Jetzt ist die TSG Niefern auf der Suche nach einem Nachfolger.

Christian Hirschmann glaubt nicht, dass das, was er und seine Mutter bislang „aus Leidenschaft und Verbundenheit mit dem Verein“ in 30 Wochenstunden geleistet haben, weiter ehrenamtlich zu machen ist. Hirschmann denkt in größeren Kategorien: „Wir stoßen sportlich an unsere Grenzen. Es fehlen einfach die Strukturen in der Region. Es fehlt ein großes Sporthallenbad. Und es fehlt ein Gymnasium mit Sportprofil.“

Auf Dauer, so Hirschmann, brauche man einen hauptamtlichen Trainer. Er weiß aber auch: „Die Finanzierung ist die Herausforderung.“ Das ist nun ein Thema, das Stefan Ermentraut umtreibt. Der Geschäftsführer der TSG Niefern ist dabei, die Hirschmann-Nachfolge zu regeln. „Wir sind in Gesprächen“, sagt er. Vorstellbar ist für ihn Vieles – auch eine Zusammenarbeit mit Nachbarvereinen. Dazu will er demnächst seine Fühler ausstrecken. Bei der SSG Pforzheim sieht man sich in der Nach-Schulz-Ära inzwischen wieder gut aufgestellt. Mit Sandra Storch und Fabian Schmitt haben zwei ehemalige SSG-Athleten das Training der ersten Wettkampfmannschaft übernommen. Unterstützt werden sie seit einiger Zeit von Carolin Ingelmann (2. Wettkampfmannschaft). Zusammen betreut das Trio im Bad der Fritz-Erler-Schule rund 50 Schwimmerinnen und Schwimmer. „Die machen einen richtig guten Job“, lobt Ralf Gremmer, technischer Leiter des SSC Sparta, seine Übungsleiter. 30 weitere Talente trainieren unter Bianka Wiedemann und Petra Steinberg in Fördergruppen.

Die absoluten Top-Schwimmer hat die SSG derzeit nicht in ihren Reihen. „Aber wir haben zehn Talente, die auf Landesebene mitschwimmen können“, freut sich Gremmer und verweist auf vier Starter bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften und neun Teilnehmer bei der Süddeutschen.

Doch auch die SSG blickt sorgenvoll in die Zukunft. Grund ist die Bädersituation in der Goldstadt, nachdem das Emma-Jaeger-Bad (bauliche Mängel) und das Stadtteilbad Huchenfeld (Brandschaden) derzeit geschlossen sind. Das reißt auch ein Loch in die Kasse, weil das Goldstadt-Schwimm-Meeting im November wegen der Schließung des Emma-Jaeger-Bads abgesagt werden musste. „Damit fehlt uns die Haupteinnahmequelle für den Wettkampfbetrieb“, klagt Gremmer und sagt: „Es fehlt auch eine konkrete Aussage, wie es weitergeht.“ Ob das Emma-Jaeger-Bad wie erhofft tatsächlich im ersten Quartal 2016 wieder öffnet, gilt noch nicht als sicher.

Solange muss man sich bei der SSG Mut machen. Vielleicht hilft dazu eine Aussage von Arnold Schwarzenegger, die Trainerin Sandra Storch gerne zitiert: „Stärke kommt nicht von Gewinnen, Du wächst an deinen Herausforderungen. Wenn Du auf Widerstände triffst und entscheidest, dranzubleiben, das ist Stärke.“ Und dranbleiben will man bei der SSG und in Niefern auf jeden Fall.