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Vor dem Spiel redet Fatih Ceylan nicht viel mit seinen Kickern. „Sie wissen, was zu tun ist“, sagt er. Während des Spiels greift er aber immer wieder ein. So wie hier in der Partie gegen Göppingen mit Bogdan Cristescu (links) und Patrick Huckle.  Foto: PZ-Archiv, Becker 

So tickt der erfolgreiche Trainer des 1. CfR Pforzheim Fatih Ceylan

Pforzheim. Mit Fatih Ceylan läut’s beim CfR. Und man fragt sich: Warum? Was ist das Erfolgsrezept des Trainers? Worauf legt er Wert? Was macht der 38-Jährige anders als sein Vorgänger Gökhan Gökce? Und warum spielte der Fußball-Oberligist nicht schon vorher so erfolgreich, Ceylan war doch unter Gökce Co-Trainer? Die PZ kennt die Qualitäten des Erfolgstrainers.

Erfahrung: Elf Jahre Profifußball haben den Vollblutkicker geprägt. In der Jugend spielte der Linksfuß unter anderem beim VfR Heilbronn und der SG Kirchheim-Heidelberg. Erste Profiluft schnupperte er 2002 in der zweiten österreichischen Liga bei Bad Bleiberg. So richtig durchgestartet ist der gelernte Mittelfeldspieler dann anderthalb Jahre später in der türkischen Süper Lig, wo er unter anderem bei Sakaryaspor, Antalyaspor und Kayserispor spielte. „Ich habe von den Trainern dort viel gelernt“, blickt Ceylan zurück. „Das versuche ich nun meinen Spielern weiterzugeben.“

Trainerlizenz: Einen Trainerschein hat Ceylan, der vor dem CfR den Landesligisten SV Schluchtern coachte, nicht. „Ich habe mal angefangen, musste aber beruflich bedingt abbrechen.“ Auch jetzt hat der Trainer, der in Mühlacker bei der Firma Heidinger (Firma für Kälte-, Klima- und Verfahrenstechnik), arbeitet, kaum Zeit einen Trainerschein zu machen. Ist aber auch kein Problem. Die Oberliga-Lizenz besitzt Co-Trainer Alexander Freygang. Bei einem Aufstieg in die Regionalliga könnte die fehlende Lizenz allerdings Probleme bereiten.

Taktik: Ceylan fordert ganz klar: „Hinten muss die Null stehen. Dafür müssen die Viererketten kompakt stehen. Es muss immer ein Spieler dem anderen helfen. Wie das geht, habe ich tagtäglich als Profi gelernt.“ Und die CfR-Spieler machen derzeit ihren Job gut. Unter Ceylan hat der CfR bisher nur zwei Gegentore kassiert. In sieben Spielen gab es vier Siege und drei Remis. Die Belohnung ist Tabellenplatz drei mit 15 Punkten. Spitzenreiter Göppingen hat 19 Zähler, die Stuttgarter Kickers 16. Der CfR hat zudem die beste Abwehr der Liga (4 Gegentreffer), Göppingen (5), Kickers (6).

Training: Die Spielformen sind verstärkt aufs Defensivverhalten ausgerichtet. Das Offensivspiel wird jedoch nicht vernachlässigt. Ceylan beobachtet, korrigiert, diskutiert. Im Training will er hundert Prozent von seinen Spielern sehen. „Da kann ich auch schon mal recht laut werden“, grinst der Coach. Seine Jungs würden das aber akzeptieren. „Schließlich wollen wir uns ja weiterentwickeln.“ Der Druck im Training sei da. „Aber den brauchst du auch, um im Spiel erfolgreich zu sein.“

Rückblick: Warum hat’s unter Trainer Gökhan Gökce nicht geklappt? Ceylan war doch sein Co-Trainer. „Wir haben uns ständig besprochen, aber schlussendlich hatte Gökce seine eigenen Ideen“, sagt der in Zaberfeld lebende Familienvater von einer Tochter (15 Jahre) und einem Sohn (12). Was dem CfR jetzt wohl gut tut: „Gökhan war ein ruhiger Typ, ich bin temperamentvoller“, so Ceylan.

Vorbilder: Der CfR-Coach mag die Mentalität und Spielweise des jetzigen Leipzig-Trainers Julian Nagelsmann. „Ich habe früher, als er Jugendtrainer in Hoffenheim war, oft im Training und bei Spielen zugeschaut. Er hat damals schon Pressing spielen lassen, das war überragend.“

Lieblingsverein: Galatasary Istanbul. In der Bundesliga fiebert Ceylan mit den Bayern mit.

Ausblick: „Meine Jungs machen gerade viel richtig. Jeder weiß, was zu tun ist. Spannung und Konzentration sind da. Wir müssen nur so weitermachen, uns aber auch ständig verbessern“, sagt Ceylan. An den Aufstieg denkt er nicht. „Mich interessiert nur das nächste Spiel. Mal schauen, was am Ende herausspringt.“

Gegner: Der nächste am Sonntag um 14 Uhr im Holzhofstadion heißt SV Oberachern. Doch mit Gegnern beschäftigt sich Ceylan so gut wie gar nicht. Er hat einen gesunden Egoismus. „Wir schauen nur nach uns und ziehen unser Spiel durch.“ Trotzdem hier noch ein paar Infos: Oberachern ist Tabellensechster. 12 Punkte. 15:13 Tore. Torjäger: Nico Huber, 6 Treffer.

Fans: Die sind Ceylan sehr wichtig. So wie im Derby soll es auch bei den Heimspielen sein. „Wenn die Fans Stimmung machen, dann laufen die Jungs auch mehr “, glaubt Ceylan.

Dominique Jahn

Dominique Jahn

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