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Mit 22 Treffern wurde Marvin Pourie in der vergangenen Saison Torschützenkönig der 3. Liga. Foto: Deck
Mit 22 Treffern wurde Marvin Pourie in der vergangenen Saison Torschützenkönig der 3. Liga. Foto: Deck
08.07.2019

Stürmer Marvin Pourié und seine Heimatgefühle beim Karlsruher SC

Karlsruhe. In den vergangenen Wochen ist „Meine Heimat“ beim Karlsruher SC ein omnipräsenter Schriftzug geworden, der das Lebensgefühl rund um den Wildpark zum Ausdruck bringen soll. Für Stürmer Marvin Pourié wurde diese Idee der Marketingabteilung des Zweitliga-Aufsteigers in den vergangenen Monaten offenbar tatsächlich Realität. Der einstige Wandervogel, dessen fußballerische Ausflüge ihn durch halb Europa bis in den Ural führten, scheint sesshaft geworden zu sein.

Selbst eine vorzeitige Vertragsverlängerung seines bis 2020 gültigen Kontrakts schließt der 28-Jährige nicht aus. „Eine Einigung gibt es aber noch nicht. Aber uns läuft ja nichts weg“, sagte Pourié im KSC-Trainingslager in Tirol. „Ich bin zweifacher Familienvater. Für mich spielen mittlerweile außerhalb des Platzes andere Dinge eine wichtige Rolle, als sich dauerhaft um den Fußball zu kümmern“, erklärte er. Nicht zuletzt deswegen hat er sich in einem kleinen Dorf knapp 40 Kilometer südlich von Karlsruhe niedergelassen.

Zentrale Rolle

Doch nicht nur die Verantwortung für die eigene Familie, auch die für den KSC im Wildparkstadion ist der 28-Jährige bereit anzunehmen. „Das nehme ich mir vor und das wird auch von mir erwartet“, glaubt Pourié, der in der Champions League schon gegen Real Madrid und Juventus Turin auf dem Platz stand. Als Drittliga-Torschützenkönig spielt Pourié in den Planungen von Trainer Alois Schwartz eine zentrale Rolle. Dass er bei einem Verein mal in einen solchen Status erlangen würde, schien vor wenigen Jahren noch undenkbar.

Schon im Alter von 15 Jahren hatte es Pourié zum FC Liverpool gezogen, anschließend begann eine „Erkundungstour“ (Pourié) quer durch Europa. Bei Vereinen wie Silkeborg IF, SV Zulte Waregem oder FK Ufa hielt es ihn jedoch nur selten länger als eine Saison – wenn überhaupt. „Ich glaube schon, dass ihn das wahnsinnig gemacht hat. Wenn man Familie hat, wer zieht denn da schon innerhalb von 16 Jahren gerne zehnmal um?“, sagte KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer. Hat sich also was verändert mit dem Wechsel zum KSC vor gut eineinhalb Jahren?

Vieles habe er beibehalten, ein paar Dinge gehe er nun anders an, sagte Pourié. „Er spürt das Vertrauen. Auch das des Trainers, der Mannschaft und des gesamten Umfelds. Ich glaube schon, dass ihm das gut tut“, sagte Kreuzer.

Mit 22 Treffern wurde der Westfale in der vergangenen Saison Torschützenkönig der 3. Liga und damit zum Garanten für die Zweitliga-Rückkehr des badischen Traditionsclubs. „Die Mannschaft hat mich genommen, wie ich bin, sie haben mich aufgefangen, wenn ich nicht weiter wusste, sie haben mir eine Ohrfeige in den richtigen Momenten verpasst, sie haben mir das Gefühl gegeben Zuhause angekommen zu sein“, bedankte er sich danach in einem emotionalen Statement über die sozialen Medien bei seinen Kollegen.

Sportlich macht sich Pourié wenig Sorgen um den KSC in der neuen Spielklasse. „Wir sind eine Top-Einheit. Wenn wir weiterhin so als Mannschaft auftreten, wie in der vergangenen Saison, dann bin ich guter Dinge“, sagt er. Das Wichtigste auf dem Weg zum angepeilten Klassenerhalt sei ohnehin die „Geduld“. Aber auch Ehrlichkeit im Umgang miteinander. Denn Zusammenhalt funktioniere nicht, wenn man aus Gründen der Harmonie die Wahrheit nicht aussprechen wolle.