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Die Tabellenführung wird bei der TGS Pforzheim zünftig gefeiert. Doch vor einem möglichen Aufstieg in die 2. Handball-Bundesliga müssen die Spieler und der Verein noch etliche Hürden überwinden. Foto: Ripberger, PZ-Archiv
Die Tabellenführung wird bei der TGS Pforzheim zünftig gefeiert. Doch vor einem möglichen Aufstieg in die 2. Handball-Bundesliga müssen die Spieler und der Verein noch etliche Hürden überwinden. Foto: Ripberger, PZ-Archiv
03.02.2017

TGS Pforzheim denkt an Aufstieg: „2. Liga wäre ein Abenteuer“

Wer nach knapp zwei Dritteln der Meisterschaft Spitzenreiter ist, muss sich zwangsläufig mit dem Thema Aufstieg beschäftigen. So geht es derzeit auch den Verantwortlichen bei der TGS Pforzheim, aktuell Tabellenführer der 3. Liga Süd. Dieser Tage hatte Wolfgang Taafel, Handball-Abteilungsleiter der TGS, erstmals die Lizenzierungs-Unterlagen der DKB-Bundesliga, die für das Prozedere zuständig ist, auf dem Schreibtisch. Die PZ beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Will die TGS Pforzheim überhaupt aufsteigen?

„Wir werden den Hut in den Ring werfen“, sagt Wolfgang Taafel, wohl wissend, dass die 2. Liga ein Kraftakt für seinen Verein wäre. „Die 2. Liga wäre ein Abenteuer. Wir müssen vor allem die zusätzlichen Kosten genau abwägen“, betont Taafel. Damit dieses Abenteuer nicht zu einem unkalkulierbaren Risiko wird, gibt es das Lizenzierungsverfahren der DKB-Bundesliga.

Was sind die Voraussetzungen für den Aufstieg?

Sportlich die Meisterschaft in der 3. Liga, dazu eine Halle mit mindestens 2250 Plätzen, davon 60 Prozent Sitzplätze. Außerdem muss der Verein die finanzielle und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachweisen. Der Lizenzantrag ist bis spätestens 1. März bei der Lizenzierungsstelle der Bundesliga zu stellen. Die Formulare über die finanzielle Leistungsfähigkeit sind bis 1. April einzureichen. Vorab gibt es am 16. Februar in Köln eine Info-Veranstaltung der DKB-Bundesliga für die Bewerber.

Ist die 2. Liga eine reine Profiliga?

Nein! Es gibt durchaus Mannschaften, die ohne Vollprofitum auskommen. Dazu zählt die SG Leutershausen, die als letztjähriger Aufsteiger gut mitmischt in der 2. Liga. Die Mannschaft trainiert nur drei Mal pro Woche, was sehr wenig ist in dieser Leistungskategorie. Leutershausen profitiert von der guten Lage im Rhein-Neckar-Ballungsraum und auch von der Nachwuchsarbeit der Rhein-Neckar Löwen. Ein attraktiver Standort ist Leutershausen auch für Talente der SG Pforzheim/Eutingen. Mit Matthias Conrad, Sascha Pfattheicher und Valentin Spohn spielen gleich drei SG-Talente in der Kurpfalz. Es gibt aber auch etliche Profiteams in der 2. Liga wie TuS N-Lübbecke, Tusem Essen oder die HSG Nordhorn-Lingen. Die TGS würde nicht unter Profibedingungen trainieren.

Mit welchem Etat muss ein Zweitligist planen?

Das ist sehr unterschiedlich. Mit weniger als 500.000 Euro hat Leutershausen angeblich einen der niedrigsten Etats der Liga. Spitzenclubs haben dem Vernehmen nach Jahresetats bis zu einer Millionen Euro. Die TGS würde im Fall der Fälle auch versuchen, mit deutlich weniger als einer halben Million auszukommen. Wolfgang Taafel überlegt, ob 350.000 Euro reichen könnten. Der TGS-Macher wünscht sich, dass potenzielle Sponsoren in Pforzheim diese einmalige Gelegenheit auf hochklassigen Handball in der Stadt nutzen. „Ich wünsche mir eine Aufbruchstimmung“, so Taafel.

Wieviele Zuschauer kommen zu Spielen der 2. Liga?

Auch sehr unterschiedlich. Weil die Liga mit 20 Mannschaften 38 Spieltage hat, wird vier Mal pro Saison Freitags und Sonntags gespielt. „Bei weiten Auswärtsfahrten sind oft nur fünf Fans dabei“, weiß Marc Nagel, seit Januar 2014 Trainer in Leutershausen und davor lange bei der SG Pforzheim/Eutingen beschäftigt. Leutershausen hat einen Schnitt von 700 Zuschauern bei den Heimspielen. Es gibt aber auch Teams wie Nordhorn, Eisenach oder Essen mit einem Schnitt von über 2000.

Warum ist die 2. Liga eingleisig?

Die 2. Liga ist seit der Saison 2011/12 eingleisig. Ziel waren professioneller Strukturen und stärkere Aufsteiger in die 1. Bundesliga. Beide Ziele wurden nicht erreicht, glaubt Marc Nagel. Deshalb verzichten auch immer wieder Teams auf den Aufstieg. Leutershausen tat dies auch als Meister 2015. 2016 stieg man dann aber doch auf.

Hat die TGS eine Chance in der 2. Liga?

Ja, wenn man es schafft, die prominenten Abgänge von Torhüter Daniel Sdunek und Spielmacher Martin Kienzle zu kompensieren und die Mannschaft noch punktuell weiter verstärkt. Vor allem braucht der Verein Spieler, die Beruf oder Ausbildung mit der hohen zeitlichen Belastung eines Spielers in der 2. Liga vereinbaren können.