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Tabellenführer VfB Stuttgart testet Arminia Bielefeld
  • Ulli Brünger und Ralf Kohler

Bielefeld/Stuttgart. Das Freitagabendspiel in Bielefeld wird für Zweitliga-Spitzenreiter VfB zum ersten Härtetest. Stuttgarts Sportdirektor Sven Mislintat äußerte sich nach dem Heimspiel gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth bemerkenswert kritisch – zumal der VfB vorige Woche ja einen 2:0-Sieg einfuhr.

Doch als er aufs Spiel bei der Arminia am Freitag (18.30 Uhr/Sky) angesprochen wurde, leuchteten Mislintats Augen. Solch ein Spitzenspiel unter Flutlicht sei schon besonders, sagte er. Vor allem hat der 46-jährige, der aus dem nordrhein-westfälischen Kamen stammt, früher öfter Spiele auf der Bielefelder Alm besucht. Das gilt auch für den als VfB-Rechtsverteidiger gesetzten Pascal Stenzel, der nur 20 Kilometer entfernt von Bielefeld in Bünde geboren wurde und nun viele Familienmitglieder und Freunde erwartet.

VfB-Trainer Tim Walter hat mit der Bielefelder Alm nicht viel Erfahrung, kann sich aber gut vorstellen, was sein Team im Duell der einzigen noch ungeschlagenen Zweitligisten erwartet. „Es ist ja bekannt, gerade von Freitagabendspielen, dass es dort schon immer heiß her ging und darauf stellen wir uns auch ein“, sagte Walter.

Doch es ist nicht einmal zwei Jahre her, dass der Traditionsclub aus Ostwestfalen sportlich und finanziell am Abgrund stand: Ende 2017 hatte Bielefeld rund 30 Millionen Euro Schulden, die Insolvenz drohte. Inzwischen ist aus dem Sanierungsfall wieder ein gesunder, ambitionierter Club geworden. Öffentlich halten sich die Verantwortlichen vor dem Spiel gegen den VfB jedoch zurück. „Bei einem Sieg bekommen wir auch nur drei Punkte“, sagte Arminen-Coach Uwe Neuhaus. Die würden aber reichen, um an den Stuttgartern vorbeizuziehen. Nach dem 5:2 beim Schlusslicht SV Wehen Wiesbaden ist Bielefeld mit nun 15 Punkten Dritter. Der Spitzenreiter und Aufstiegsanwärter Stuttgart hat nach fünf Siegen und zwei Unentschieden sogar schon 17 Zähler.

Bielefelder Bescheidenheit

Bei der Arminia mag aus der komfortablen Lage niemand einen Aufstiegsanspruch ableiten. „Für Hirngespinste sind die Medien zuständig“, sagte Neuhaus am Mittwoch. Mittelfeldspieler Marcel Hartel, der von Union Berlin gekommene Bielefelder Topzugang, beteuerte im „kicker“: „Das Wort Aufstieg ist in der Kabine noch nicht gefallen.“

Erst das „Bündnis Ostwestfalen“ – ein Zusammenschluss regionaler und lokaler Unternehmen, Sponsoren und Unterstützer – hatte den Verein nach schwierigen Verhandlungen mit Gläubigern und einem Schuldenschnitt vor dem Kollaps bewahrt. Der vor zwei Jahren verpflichtete, inzwischen 51-jährige Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek erwarb sich den Ruf eines Sanierers. Bald nach dem Verkauf des Stadions im November 2018 teilte der Club mit: „Die Arminia-Gruppe ist schuldenfrei.“

Für den sportlichen Aufschwung ist vor allem der für diesen Bereich zuständige Geschäftsführer Samir Arabi verantwortlich. Mit einem radikalen personellen Umbau leitet der 40-Jährige die Wende ein. Sein größter Coup war schon kurz nach Beginn seiner Amtszeit im Sommer 2011 die Verpflichtung von Stürmer Fabian Klos. Der ist inzwischen Arminias Rekordtorjäger und führt mit sechs Treffern (vier Vorlagen) die aktuelle Torschützenliste an.

Gutes Händchen

Ein gutes Händchen bewies Arabi zuletzt bei der Trainer-Wahl. Im Dezember 2018 löste Neuhaus den in Bielefeld beliebten Luxemburger Jeff Saibene ab. Im Sommer stellte das Duo Arabi/Neuhaus einen Kader zusammen, der nun zeigt, dass er sich oben festsetzen kann. Saisonübergreifend holte Arminia unter dem 59-jährigen Neuhaus 49 Punkte aus 25 Spielen. Im laufenden Kalenderjahr holte kein Zweitligist mehr Zähler.

Zufall ist das alles nicht, sondern das Ergebnis akribischer Arbeit. Bei den Spielern kommt die pragmatische Art von Neuhaus an. Im März verriet er dem „Westfalen-Blatt“ übrigens, dass er in die Bundesliga will: Das ist mein Ziel und es bleibt mein Ziel, solange, bis es nicht mehr erfüllbar ist.“

Mögliche VfB-Aufstellung: Kobel – Stenzel, Kempf, Badstuber, Insua – Karazor – Mangala, Förster – Didavi – Al Ghaddioui, Gomez

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