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Großmeister Ibrahim Sönmezates (Mitte) mit seinen Vereinskollegen Tilo Kusyk (links) und Marcel Gutekunst nach der erfolgreicher Bundes-Dan-Prüfung.  Foto: JCP 

Taekwondo: Ibrahim Sönmezates ist auch nach dem 7. Dan noch angriffslustig

Pforzheim. Die ganz großen Erfolge blieben Taekwondo-Kämpfer Ibrahim Sönmezates als Jugendlicher verwehrt. Zwar räumte er bei Landesmeisterschaften immer kräftig ab, doch bei einer DM oder EM stand er nie ganz oben auf dem Treppchen. Vielleicht hätte er dafür ein bisschen früher mit dem Kampfsport anfangen müssen. Denn Ibrahim Sönmezates war schon 18, als er das erste Mal das Sportstudio von Großmeister Kwak Kum Sik am Pforzheimer Messplatz betrat.  Das war ein paar Wochen nachdem er aus der Türkei, genauer gesagt aus Islahiye/Gaziantep in der Osttürkei, nach Deutschland gekommen war.

In Pforzheim wurde er schnell heimisch. Durch seine offene Art knüpfte er viele Freundschaften. Mit Taekwondo hatte Sönmezates bis dahin aber nur wenig am Hut. In der Türkei überhaupt nicht. Erst in Deutschland entdeckte er die Sportart für sich. „Es war die Zeit der Bruce-Lee-Filme. Ich habe mir damals alle angeschaut. Der Typ hat mich fasziniert. Und da viele meiner Freunde Taekwondo machten, musste ich das natürlich auch ausprobieren“, erzählt der heute 58-Jährige.

Leidenschaft entfacht

Das Talent war da. Dreimal pro Woche ging er unter der Leitung von Kwak Kum Sik im Training bis an sein Limit. „Das hat Spaß gemacht“, erinnert sich Sönmezates. Schon zwei Jahre später räumte er den Landesmeistertitel ab. Die Teilnahme an großen Turnieren stand unter der Leitung von Kwak Kum Sik aber nicht im Vordergrund. Dafür die Gürtelprüfungen. Den 1. Dan erlangte Sönmezates 1984 in Köln. Ein Jahr später trat er dann beim Judo Club Pforzheim als Mitglied ein. 1995 begann er seine Trainerkarriere. Sein Wissen gab er nicht nur den Jugendlichen weiter, auch bei deren Eltern entfachte er die Leidenschaft für diese Kampfkunst. Ebenso bei seinen beiden Töchtern Özlem (Jahrgang 1984) und Dilan (Jahrgang 1993). 

„Taekwondo ist ein genialer Sport. Disziplin, Kraft und Kondition verschmelzen zu einer Einheit. Man entwickelt außerdem ein starkes Selbstbewusstsein, das einem im Leben oft weiterhilft“, sagt Sönmezates.  Seine Nachwuchssportler beweisen es immer wieder. Seit 2003 hat der Judo Club rund 2200 Medaillen auf Landes- und Bundesebene abgeräumt. Rund 50 Medaillen ließen sich seine Schützlinge bei deutschen Meisterschaften um den Hals hängen.

Viel Geld für soziale Zwecke

„Obwohl Taekwondo ein Einzelsport ist, ist der Zusammenhalt in der Gruppe riesig“, freut sich Sönmezates, der großen Wert auf Integration und soziales Engagement legt. Beim schon legendären Goldstadtpokal in der Jahnhalle sammelte der Judo Club bisher rund 50000 Euro für soziale Zwecke. Nicht umsonst erhielt Sönmezates 2008 die Bürgermedaille der Stadt Pforzheim. Im Vorjahr bekam er sogar vom baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann die Staufermedaille für besondere Verdienste im gesellschaftlichen Leben verliehen. Neben der Ausbildung von jungen Talenten treibt Sönmezates aber auch seine eigene Karriere weiter voran. Der Bundeskampfrichter hat kürzlich – noch vor dem Ausbruch des Coronavirus - den 7. Dan erhalten. Bei der Prüfung in Pfinztal absolvierte Sönmezates  Formenlaufen, Einschrittkampf, Selbstverteidigung und spektakuläre Bruchtests in Perfektion. Auch die Vereinskollegen Marcel Gutekunst (4. Dan) und Thilo Kusyk (5. Dan) waren erfolgreich.

Gesunde Ernährung wichtig

Für Sönmezates hatte sich die intensive Vorbereitungszeit von sechs Jahren gelohnt. Bis zum Erlangen des 8. Dan muss er nun sieben Jahre warten. Dann ist Sönmezates 65. Für den Großmeister, den noch nie eine größere Verletzung ausbremste, kein Problem. Er fühlt sich topfit. Macht jeden Tag Sport. Läuft auch mal einen Halbmarathon. Um Fast-Food macht er einen großen Bogen. „Taekwondo kann man auch noch mit 80 Jahren ausüben“, sagt er. Mit 74 könnte er den 9. Dan erlangen. Der 10. Dan, der höchste Gürtelgrad – ein Ehrentitel – steht dagegen nur dem Präsidenten des Taekwondo-Weltverbandes zur Verfügung. Wer weiß, vielleicht wird Sönmezates ja in 24 Jahren zum Präsidenten gewählt. Verdient hätte er es allemal – meinen jedenfalls seine Schützlinge vom Judo Club Pforzheim.