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Konflikte am Spielfeldrand: Hier wird Nöttingens Trainer Michael Wittwer (rechts auf der Bank) beim Pokalspiel im Birkenfelder Erlachstadion von einem Linienrichter zurecht gewiesen. Die „technische Zone“ soll die Zahl solcher Auseinandersetzungen verringern. Foto: Ripberger
Konflikte am Spielfeldrand: Hier wird Nöttingens Trainer Michael Wittwer (rechts auf der Bank) beim Pokalspiel im Birkenfelder Erlachstadion von einem Linienrichter zurecht gewiesen. Die „technische Zone“ soll die Zahl solcher Auseinandersetzungen verringern. Foto: Ripberger
13.08.2015

„Technische Zone“ gilt künftig bis in die untersten Klassen

Das Thema hat eine gewisse Brisanz. Das weiß auch Thomas Distel. „Ich möchte jetzt keinen lachen hören“, warnt der Mann, der im Kreisvorstand für den Spielbetrieb zuständig ist, als es auf dem Kreisliga-Staffeltag um „die technische Zone“ geht. Hinter dem Begriff, der so kühl und sachlich klingt, verbirgt sich nichts anderes als die „Coachingzone“. Und die kommt jetzt für alle Fußball-Ligen bis hinunter zur C-Klasse. Die meisten Fans kannten diese Zone bislang nur aus der Bundesliga oder von Länderspielen. Diesen knapp bemessenen Bereich vor der Trainerbank, mit Kreide abgezeichnet, in dem der Übungsleiter unruhig auf- und abtigert. Dieser Bereich, dessen Verlassen fast immer ein Treffen mit dem vierten Unparteiischen zur Folge hatte – samt Abmahnung.

Wenn Linienrichter fehlen

Eingeführt war die technische Zone bereits bis hinunter zur Landesliga – auch ohne vierten Offiziellen. Doch von der A-Klasse an abwärts gibt es ja noch nicht einmal Linienrichter, die Grenzüberschreitungen ahnden. Und Thomas Distel weiß: „95 Prozent der Vereine können noch nicht einmal die gewünschten Maße einhalten.“

Gewünscht ist, dass die Zone jeweils bis zwei Meter rechts und links der Bank reicht, gekennzeichnet durch Kreidelinien oder durch das aufstellen von Hütchen. Die Zone soll nicht nur den Aktionsradius der Dauerläufer unter den Trainern einengen, sie soll auch nur eine klar eingegrenzte Personengruppe beheimaten: Trainer, Ersatzspieler, Betreuer. Dann zählt Distel noch schnell auf, wen er nicht in der technischen Zone sehen will: „Freundinnen, Kinder und AH-Spieler.“ Und noch eines ist ihm wichtig: „In dieser Zone darf nur einer rumschreien – der Trainer.“

„Was soll das?“

So weit, so gut – in der Theorie. In der Praxis sieht die Sache etwas anders aus. „So ein Quatsch! Was soll das?“, fragt nicht nur Klaus Kerler vom B-Ligisten TSV Maulbronn. „Bis zur Kreisliga, wo es Schiedsrichterassistenten gibt, ist die Zone absolut in Ordnung. Von der A- bis zur C-Klasse finde ich sie jedoch unnötig. Der Schiedsrichter muss sich eh schon um genügend Dinge kümmern, da ist so eine Coachingzone zu viel“, befürchtet Kerler, dass einige Unparteiische den Fokus künftig mehr auf die Zone als auf das Spielfeld richten.

„Wir haben da ein paar Trainer, die wohl Probleme bekommen“, befürchtet Thomas Distel. Ob er Hakan Göktürk meint? Der Türke, der so viel von mancher deutschen Tugend hält, gilt als Heißsporn. Doch das habe sich gebessert, seit er beim FC Birkenfeld auf der Bank sitze, versichert er. „Reiner Steudle und Daniela Widmann haben mich eingefangen“, dankt er seinen Teamverantwortlichen.

Nach zwei Jahren Erfahrung mit der Coachingzone gibt sich Göktürk staatsmännisch: „Man gewöhnt sich dran.“ Seine Emotionen will der FCB-Coach aber weiter einbringen. Göktürk: „Für den Schiedsrichter ist es natürlich gut, wenn ich in der Zone bleibe. Aber ich kann auch aus größerer Entfernung unfreundlich sein.“