nach oben
So sieht man die Bayern in dieser Saison eigentlich nur noch: Eng umschlungen nach einem Torerfolg. Wie oft werden sie gegen den VfB jubeln?
So sieht man die Bayern in dieser Saison eigentlich nur noch: Eng umschlungen nach einem Torerfolg. Wie oft werden sie gegen den VfB jubeln?
Stuttgarts Schlussmann Tyton Przemyslawa wird beim Auswärtsspiel in München einiges aufs Tor bekommen. Baumann, Kneffel
Stuttgarts Schlussmann Tyton Przemyslawa wird beim Auswärtsspiel in München einiges aufs Tor bekommen. Baumann, Kneffel
06.11.2015

VfB Stuttgart braucht Torwart Tyton in Topform

Weil es orthografisch einigermaßen passt, wurde in Stuttgart zuletzt aus VfB-Schlussmann Przemyslaw Tyton ein „Titan“ gemacht. Der Pole brachte den Aufsteiger SV Darmstadt beim 2:0-Erfolg am vergangenen Sonntag mit seinen Glanzparaden zur Verzweiflung.

Nun gastiert der 28 Jahre alte Keeper und seine Bundesliga-Mannschaft am Samstag (15.30 Uhr/Sky) in der fußballerischen Heimat des Titanen schlechthin – auch wenn Keeper Oliver Kahn seine Handschuhe schon einige Zeit an den Nagel gehängt hat. Kann Titan Tyton in der Münchener Allianz-Arena vor dann über 70 000 Zuschauern gegen den FC Bayern als „gelbe Wand“ erneut Heldentaten vollbringen? Das ist die Frage!

Zuletzt ein Garant

„Przemyslaw hat oft unter unserem Verteidigungssystem gelitten“, nimmt VfB-Coach Alexander Zorniger seinen Schlussmann in Schutz. Die eine oder andere Niederlage der Cannstatter wurde dem Nationaltorhüter mit in die Schuhe geschoben. Durch starke Leistungen wurde er dann aber zuletzt zum Garanten für die Heimsiege gegen Ingolstadt und Darmstadt. „Er hat sich nicht aus der Bahn werfen lassen“, lobte VfB-Sportvorstand Robin Dutt den Keeper zuletzt im Kicker. „Seine Routine tut uns gut.“

Ein Tyton in Bestform wird den Stuttgartern am Wochenende allerdings nicht reichen, um aus der bayerischen Landeshauptstadt etwas Zählbares entführen zu können. Wie soll man es nur anstellen gegen einen solch übermächtigen Gegner? „Einen Masterplan gegen den FC Bayern gibt’s nicht“, erklärt Zorniger – und gibt sich damit keinen Illusionen hin. Deren Umschaltspiel sei „fantastisch – egal ob über links oder rechts“. Aber er sagt auch: „Jede Mannschaft ist unter bestimmten Voraussetzungen schlagbar.“

Ob er denn hoffe, dass die Münchener ihr Pulver beim 5:1-Kantersieg in der Champions League vielleicht verschossen haben, wird Zorniger gefragt. Dem entgegnet der VfB-Coach in seiner ureigenen, trockenen Art mit den Worten: „Ich hoffe bloß auf etwas, das auch eintreffen kann.“ Demut sei durchaus angebracht. „Wenn jemand Arsenal so bespielt, ist das schon eine außerordentliche Leistung“, kommt der 48 Jahre alte Fußballlehrer ins Schwärmen – auch wenn er von seinem 44 Jahre alten Trainer-Kollegen spricht: „Dieser junge Guardiola ist ein unglaublich kluger Kopf.“ Die Bayern der jüngsten Vergangenheit sind noch dominanter als die Bayern, für die auch Zorniger als kleiner Bub nach deren Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1974 geschwärmt hatte.

Ein besonderes Gefühl

Nur einen Erfolg – ein 2:1 am 27. März 2010 – durften die Stuttgarter aus den letzten 15 Gastspielen feiern. „Ein Sieg gegen den FC Bayern würde sich schon ein bisschen besser anfühlen als ein anderer“, prophezeit der VfB-Coach. Dieser könne aber nur gelingen, wenn seine Mannschaft „hoch verteidigt“ und dann nach Ballgewinn schnell umschaltet. Statistiken über die Bayern unterstützen den Trainer „in dem, was ich spielen will“. Martin Harnik (Außenband-Teilanriss im Knie) fällt bis zum Jahresende aus. Dafür steht Filip Kostic wieder im Kader. Es werde Situationen im Spiel gegeben, in denen sich zeigen werde, „wie willig“ seine Spieler in der Offensive sind, im bajuwarischen Fußball-Mekka ein Wunder zu schaffen. Sein Jubel nach dem Erfolg gegen Darmstadt wäre vergleichsweise Pipifax. „Wenn ich richtig zufrieden bin und dann Tore fallen, eskaliere ich ganz anders.“ Die 7500 VfB-Fans vor Ort würden sich kaum weniger zurückhaltend zeigen.

Mögliche VfB-Aufstellung: Tyton – Klein, Sunjic, Baumgartl, Insúa – Schwaab – Serey Dié, Gentner – Didavi, Kostic – Werner.