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Am 17. Dezember 2018 trug der 1. BSC Pforzheim sein letztes Zweitligaspiel im Emma-Jaeger-Bad aus. Der SV Bietigheim wurde mit 12:7 besiegt.  Foto: PZ-Archiv, J. Keller 

Vom Tellertauchen zum Wasserball: Badischer Schwimmclub Pforzheim feiert Jubiläum

Pforzheim. Initiiert durch die vier schwimmsportbegeisterten Freunde Anton Albert, Johann Fuchs, Hugo Hasenmayer und Franz Anton Heinen fand am 4. Mai 1896 im „Bavaria“ die Gründungsversammlung des 1. BSC Pforzheim mit den ersten 50 Mitgliedern statt. Dies war die Geburtsstunde eines Pforzheimer Traditionsvereins. Aktuell befinden sich die BSC-Mitglieder aufgrund der Bädersituation quasi auf dem Trockenen. Trainiert werden kann nur in der Fritz-Erler-Schwimmhalle. Das 125-jährige Jubiläum fällt aber vor allem wegen Corona „ins Wasser“. „Wir haben mal für kommendes Jahr eine Feier geplant“, sagt Vereins-Vize Martin Unsöld gegenüber der PZ.

Im Jahr 1897 erwarb Anton Albert als Vorsitzender mit Privatmitteln ein Gelände an der Enz in Eutingen. Dieses schenkte er dem Verein für ein vereinseigenes Freibad, bei dessen Einweihung sogar ein Vertreter des Großherzogs von Baden anwesend war. Dieses diente dem Verein fortan als Trainings-, Wettkampf- und Badestätte. Sportliche Erfolge wurden hier beim Tellertauchen in der schlammigen Enz gefeiert, bis 1931 die Benutzung aufgrund der damaligen Verunreinigung des Flusses eingestellt werden musste.

Erste Wasserballmeisterschaft

1911 konnte mit der ersten Großveranstaltung des 1. BSC Pforzheim das Emma-Jaeger-Bad eingeweiht werden. In diesem fand auch im Jahr 1921 das 25-jährige Vereinsjubiläum sowie die erste Wasserballmeisterschaft statt.

Die folgenden Jahre waren geprägt von regelmäßigen Teilnahmen an Wettkämpfen und Erfolgen auf regionaler und nationaler Ebene im Schwimmen, Kunstspringen und Figurenlegen, dem damaligen Synchronschwimmen. In dieser Disziplin konnte im Jahr 1932 sogar der deutsche Meistertitel errungen werden. Später kam dann mit dem Wasserball dauerhaft die vierte Sparte hinzu. Der Verein befand sich auf einem konstanten Wachstumskurs. Im Jahr 1929 konnte der 1. BSC Pforzheim 1000 Mitglieder verzeichnen. Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin war der BSC mit einer Jugendgruppe vertreten.

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1932 gewannen die BSC-Damen den DM-Titel im „Figurenlegen“. Foto: BSC-Chronik

Nach schwierigen Kriegsjahren fand am 22. März 1946 pünktlich zum 50-jährigen Vereinsjubiläum die Wiederaufnahme der zuvor untersagten Vereinstätigkeit statt. Da in Pforzheim zu diesem Zeitpunkt kein geeignetes Schwimmbad zur Verfügung stand, wurde das Training in Karlsruhe durchgeführt. 1947 konnte der Schwimmbetrieb zumindest im Sommer im Nagoldbad wieder aufgenommen werden. Als Trainingsmöglichkeit im Winter stand Montagabends das Vierortbad in Karlsruhe zur Verfügung.

Das 60-jährige Vereinsjubiläum konnte 1956 schließlich wieder im Emma-Jaeger-Bad in Pforzheim mit einer sportlichen Spitzenveranstaltung gefeiert werden. Hierbei konnte die Lagenstaffel des 1. BSC den damals ausgetragenen Goldstadtpokal gewinnen.

In den 60er Jahren erfolgten die Eröffnungen des „neuen“ Emma-Jaeger-Bades (1965) und des Höhenfreibads Wartberg (1967). Beide Bäder dienten seitdem als sportliche Heimat des Vereins.

1990 erfolgte der Beitritt des 1. BSC in die Schwimm-Start-Gemeinschaft-Pforzheim (SSG). Neben mehr Wasserfläche konnte somit auch das Angebot an Übungsstunden signifikant erhöht werden. Die verbesserten Trainingsmöglichkeiten machten sich durch gute Platzierungen bei den Bezirks- und badischen Meisterschaften bemerkbar. Nach fast drei Jahrzehnten erfolgreicher Zusammenarbeit und zahlreicher Erfolge in und mit der SSG ist der 1. BSC zum 31. Dezember 2017 aus der Schwimm-Start-Gemeinschaft wieder ausgetreten. Seitdem konzentriert sich das Angebot im Schwimmen auf Nichtschwimmerkurse, die sich großer Beliebtheit erfreuen, Fördergruppen und dem Freizeit- und Breitensport.

Regionale Größe

Aktiver Wettkampfsport wird aktuell im Wasserball betrieben. Hier stellt der 1. BSC seit Jahrzehnten eine regionale Größe mit diversen Pokalerfolgen in Baden und Baden-Württemberg und mehrmaligen Aufstiegen in die zweithöchste deutsche Spielklasse, zuletzt 2. Wasserballliga Süd, dar. Aus dieser hat sich der 1. BSC nach der Saison 2018/2019 freiwillig in die Oberliga Baden-Württemberg zurückgezogen. Grund hierfür war die angespannte Situation in der Pforzheimer Bäderlandschaft. Durch die endgültigen Schließungen des Stadtteilbads in Huchenfeld und insbesondere der sportlichen Heimstätte „Hexenkessel“ Emma-Jaeger-Bad stehen seit 2019 keine adäquaten Wasserflächen mehr zur Verfügung, um einen ambitionierten Trainings- und Spielbetrieb zu gewährleisten. Die Wasserballer trainieren derzeit zwei Mal in der Woche im Fritz-Erler-Bad. Ende November beginnt die Saison.

Am 17. Dezember 2018 fand mit dem letzten Zweitligaspiel vor vollbesetzten Zuschauerrängen das Abschiedsspiel als letzter Höhepunkt im „Emma“ statt.

„Man kann sich als schwimmsporttreibender Verein nur wünschen, dass die Verantwortlichen der Stadt Pforzheim schnell ein vernünftiges und nachhaltiges Bäderkonzept für die Zukunft entwickeln und umsetzen“, heißt es vom BSC mit Vereinsboss Rainer Betz. „Wir wollen den Mitgliedern und Bürgern in der Region wieder Wettkampfsport bieten“, sagt Martin Unsöld.