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322 Kilometer: Das ist die Strecke, die Ulrich Haag schwimmend bewältigt.
322 Kilometer: Das ist die Strecke, die Ulrich Haag schwimmend bewältigt.
Die bisherigen Etappen: Hier fehlen noch die Veranstaltungen in Schorndorf und das Finale am kommenden Samstag in Neckarhausen.   Ketterl
Die bisherigen Etappen: Hier fehlen noch die Veranstaltungen in Schorndorf und das Finale am kommenden Samstag in Neckarhausen. Ketterl
29.03.2017

Warum Ulrich Haag aus Remchingen 322 Kilometer in einem Jahr schwimmt

Einmal quer durch Deutschland schwimmen, von West nach Ost. Geht natürlich nicht, weil es keinen Fluss gibt, der quer durch ganz Deutschland fließt. Die Strecke aber, mehr als 300 Kilometer, könnte man sich mal vornehmen, dachte sich der Remchinger Ulrich Haag.

Also kreierte er den Wettbewerb „Swim Across Germany“. Ganz für sich alleine. Die Reglen: Innerhalb eines Jahres eine Strecke schwimmen, die so weit ist wie eine West-Ost-Durchquerung Deutschlands. Haag wählte als Start und Ziel zwei Orte, die einen persönlichen Bezug für ihn haben: Au am Rhein an der Westgrenze zu Frankreich – dort wohnt seine Nichte – und Schönsee in der Oberpfalz an der Ostgrenze zur Tschechischen Republik, dort leben Verwandte seiner Mutter. Das sind 322 Kilometer. Diese Strecke wollte er innerhalb eines Jahres im Wasser zurücklegen, bei diversen Langstreckenschwimmen.

Am kommenden Samstag ist Haag, der bei der Sparkasse Pforzheim Calw für Events und Sponsoring zuständig ist, am Ziel seiner langen Reise durchs kühle Nass. Noch 8200 Meter fehlen zur Vollendung der 322-er-Marke. Die wird der 50-Jährige beim 24-Stunden-Schwimmen in Neckarhausen bei Mannheim bewältigen. „Ich werde aber 11,2 Kilometer schwimmen. Dann bin ich bei genau 325 Kilometern. Ich bin ein Fan von glatten Zahlen“, schmunzelt Diplom-Kaufmann und Sparkassen-Abteilungsleiter Haag.

Wie kommt man nur auf eine solch verrückte Idee? Haag ist passionierter Ausdauersportler. Er war 1988 Gründungsmitglied beim Triathlon Racing-Team (TRT) Remchingen. Den Leistungssport betrieb er leidenschaftlich bis Ende 20, dann kam familienbedingt eine längere Pause. Vor drei Jahren bekam Ulrich Haag, der in Remchingen-Singen wohnt, aber wieder Lust, vermehrt Sport zu treiben. 2014 begann er mit dem Training. Schwimmen ist seine Stärke und bereitet ihm von den Disziplinen beim Triathlon (Schwimmen, Radfahren, Laufen) am meisten Spaß. 2015 wurde wieder richtig gepowert, zur Vorbereitung auf „Swim Across Germany“. Haag nahm sogar eine Trainerin, um an der Technik zu feilen.

Los ging es am 8. April 2016 mit dem 24-Stunden-Schwimmen in Grötzingen. Insgesamt 17 Schwimm-Veranstaltungen wird Haag absolviert haben, wenn er am kommenden Samstag in Neckarhausen ins Ziel eintaucht. Seine persönlichen Rekorde: 23,5 Kilometer beim 12-Stunden-Schwimmen in Karlsruhe und 34,1 Kilometer beim 24-Stunden-Schwimmen in Calmbach. Zuletzt war Haag in Schorndorf im Becken. Am 11. März legte er dort 17,1 Kilometer in 24 Stunden zurück. Sogar das SWR-Fernsehen war auf den Remchinger aufmerksam geworden und sendete einen Beitrag über dessen außergewöhnliche Aktion.

Großer Ehrgeiz, bessere Zeiten

„Schwimmen hat für mich etwas Meditatives. Es tut der Seele und dem Körper gut“, erklärt Haag, fügt aber auch hinzu: „Man muss sich quälen können.“ Am Anfang seiner Schwimm-T(ort)our kamen schon mal Zweifel auf. Warum tue ich mir das freiwillig an, fragte sich der Wasserfreund. Doch von Rennen zu Rennen stieg der Ehrgeiz und auch die Zeiten wurden besser – und die bewältigen Strecken länger.

Und jetzt ist Haag am Ziel. Seine Freunde werden in Neckarhausen wohl am Beckenrand stehen und eine zünftige Laola zelebrieren, wenn die magische Marke durchschwommen wird.

Ulrich Haag hat aber noch nicht genug. Er will weiter schwimmen. Er fühlt sich munter wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser. Auch wenn seine Ehefrau sagt, sie habe Angst, wenn ihr Ehemann „so wilde Sachen macht“, schmiedet er neue Pläne. Haag möchte einmal den Bodensee durchschwimmen. Es gibt da die Bodenseequerung von Friedrichshafen nach Romanshorn, zwölf Kilometer im eiskalten Wasser. Eigentlich ein Klacks für einen schwimmenden Marathon-Mann.