Kylian Mbappé? Harry Kane? Oder einer aus Spaniens Weltmeister-Mannschaft? Oder gar noch mal Lionel Messi? Wer wird Weltfußballer?
Buhlen und Ballern: Der Endspurt um den Ballon d’Or entwickelt sich auch zu einem WM-Nachspiel – und wird so heiß diskutiert wie wohl lange nicht mehr.
Mittendrin sind Top-Kandidaten wie WM-Rekordtorschütze Kylian Mbappé, der die Trophäe noch nie gewinnen konnte, der achtmalige Preisträger Lionel Messi, Vorjahressieger Ousmane Dembélé und Harry Kane. Für den Kapitän der Engländer würde die Zeremonie immerhin auch noch ein Heimspiel: Verliehen wird der Ballon d’Or in London.
Hoeneß für Kane
„Er hätte es extrem verdient“, sagte Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß jüngst der „Münchner Abendzeitung“ über Kane: „Wenn er es dieses Jahr nicht verdient, wann dann?“ Deutscher Meister, deutscher Pokalsieger, Torschützenkönig in der Bundesliga, Gewinner des Goldenen Schuhs in Europa – vieles, das für Kane spricht. „Er wird besser und besser“, betonte auch sein deutscher Nationaltrainer Thomas Tuchel. Beim 7:0 zuletzt gegen Kroatien in der Nations League legte Kane darüber wieder Zeugnis ab mit einem Doppelpack.
Selbst wenn die Wahl eine Einzelauszeichnung ist – mit dem WM-Titel mit England wäre das ganze Wahlkampfgeplänkel unnötig. Kane scheiterte aber im Halbfinale an Argentinien mit Messi, die Südamerikaner fanden danach in Spanien ihren (Welt)-Meister.
Unter den sechs nominierten Spaniern ist einer besonders offensiv in Sachen Eigenwerbung: Lamine Yamal, Ausnahme-Teenager, der mit 19 Jahren schon Welt- und auch Europameister ist.

„Ehrlich gesagt, bin ich nicht erst seit diesem Jahr auf dem Niveau eines Ballon-d’Or-Gewinners, sondern schon länger“, sagte er jüngst in einem Interview dem britischen Guardian: „Alle wissen, dass ich den Unterschied ausmache.“ Nicht das erste Mal, dass er so trommelt.
Der Ballon d’Or solle „an den besten Spieler der Welt gehen“ und „nicht an einen Spieler, der 80 Tore geschossen hat“, hatte Yamal – bei der WM übrigens nur einmal in der Gruppenphase erfolgreich – auch schon mal verlauten lassen. Dafür gebe es den Preis als Torschützenkönig.
Es wurde als Spitze gegen Kane aufgefasst, der 73 Pflichtspieltore erzielt hatte. Der Brite in Münchner Diensten nahm’s gelassen: „(Kylian) Mbappé, Michael (Olise), Rodri. Es gibt viele Kandidaten. Darum wird dieses Jahr vielleicht mehr darüber diskutiert“, sagte Kane. Allerdings: In der Nations League gewann Yamal jüngst mit Spanien gegen Kanes Engländer, ehe das Ausnahmetalent vom FC Barcelona beim Sieg über Kroatien nicht nur wegen eines Doppelpacks herausragte und auch gegen Tschechien traf.
Dembélé: Sieger im letzten Jahr
Es gab Zeiten, da gab es immer nur die Frage: Messi oder Cristiano Ronaldo, wenn es um den Ballon d’Or ging. Messi gewann ihn achtmal, zuletzt 2023 nach dem WM-Triumph Ende 2022, Ronaldo fünfmal. 2024 wurde Yamals Vereins- und Auswahlkollege Rodri mit dem Goldenen Ball ausgezeichnet, vor einem Jahr Dembélé.
„Es ist ein Ziel eines jeden Spielers“, sagte dessen französischer Landsmann Mbappé vor der Verleihung am 26. Oktober.
In einem Interview des Senders RFI umriss der Kapitän der Équipe Tricolore noch mal die Anforderungen an denjenigen, der die Trophäe bekommen sollte. „Es handelt sich also um eine individuelle Auszeichnung, und ich denke, das muss Vorrang vor allem anderen haben. Natürlich darf man den Rest nicht außer Acht lassen, aber die Fähigkeit, individuell herausragende Leistungen zu erbringen und die Zuschauer zu begeistern, ist es, was die Menschen bei einer Auszeichnung wie dieser beeindruckt“, sagte er – und dürfte dabei sicher auch an seine 10 Tore allein bei der WM-Endrunde gedacht haben.

Tipps aus der PZ-Region
Salvatore Catanzano, Stürmer des FC Nöttingen:
„Die WM war ja dieses Jahr die beste Bühne, um sich zu zeigen – und ich finde, Lionel Messi hat mit seinen 39 Jahren nochmal voll abgeliefert, obwohl er nichts gewonnen hat. Ich würde ihn zum Weltfußballer wählen. Lamine Yamal ist noch jung. Michael Olise war bei der WM nicht so stark. Harry Kane hat für Bayern zwar viele Tore geschossen und viele Titel geholt. Das wird aber nicht für den Sieg bei der Wahl reichen.“
Noah Lulic, Stürmer des 1. CfR Pforzheim:
„Mein Weltfußballer ist Edin Džeko. Nicht nur, weil er mein Idol ist, sondern weil er auch mit Schalke 04 in die Bundesliga aufgestiegen ist und mit Bosnien-Herzegowina bei der WM dabei war. Vermutlich wird er es aber nicht, somit tippe ich auf Lamine Yamal, er ist einfach ein überragender Fußballer. Michael Olise zwar auch, aber mir gefällt seine nonchalante Art nicht. Harry Kane setze ich auf Platz zwei.“


Das WM-Nachspiel der Superstars: Buhlen um Ballon d'Or



