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Trifft auch ohne Kreuzband: Waldemar Schmidt vom FV Wildbad (hier noch im Calmbach-Trikot) erzielte jüngst einen Viererpack.
Trifft auch ohne Kreuzband: Waldemar Schmidt vom FV Wildbad (hier noch im Calmbach-Trikot) erzielte jüngst einen Viererpack. © Privat
13.09.2017

Wildbader Waldemar Schmidt geht ohne Kreuzband auf Torejagd

Diese Geschichte ist der Hammer. Wildbads Waldemar Schmidt erzielt beim 5:1-Sieg gegen Gräfenhausen vier Tore – davon einen Hattrick –, obwohl er eigentlich gar nicht mehr Fußballspielen darf.

Im Sommer war der 29-jährige Stürmer nach vier Jahren beim 1. FC Calmbach wieder zu seinem Heimatverein FV Wildbad zurückgekehrt. Beim A-Ligisten wollte er seine Karriere langsam ausklingen lassen. Ein paar Einsätze über 20, 30 Minuten waren geplant. Schließlich kann Waldemar Schmidt nicht mehr richtig Vollgas geben. Sein linkes Knie ist ein Totalschaden. Zwei Kreuzbandrisse sowie Knorpelschäden im Meniskus und in der Kniescheibe haben ihre Spuren hinterlassen. Zweimal wurde er schon operiert, nach dem jüngsten Kreuzbandriss vor zwei Jahren wollte er sich nicht mehr unters Messer legen.

Seitdem spielt er ohne vorderes Kreuzband im linken Knie, obwohl der Arzt ihm abgeraten hat. Waldemar Schmidt weiß: „Irgendwann bekomme ich die Quittung mit Arthrose und den ganzen Begleiterscheinungen“, trotzdem wollte er seine Kumpels nicht im Stich lassen. „Wir haben derzeit viele Verletzte, da will ich natürlich helfen.“

An Training ist aber nicht zu denken. „Wenn ich trainiere, sind die Schmerzen im Knie zu stark. Wenn ich eine Woche nichts mache, geht es“, erklärt Schmidt. Und wie es dann geht: beim 5:1 gegen Gräfenhausen traf der Angreifer viermal. Zunächst per Kopf, dann legte er in der Schlussphase innerhalb von fünf Minuten mit einem Elfmeter und zwei sehenswerten Lupfern über den Gäste-Keeper hinweg einen Hattrick hin. Seiner Mannschaft muss er jetzt einen ausgeben. „Nicht wegen des Hattricks, sondern weil mein Name in der PZ stand“, grinst Schmidt.

Sechs Saisontore hat der Wildbader Stürmer nun auf seinem Konto. Am kommenden Wochenende, das ist sicher, werden keine weiteren Treffer hinzukommen. „Wir spielen gegen meinen Ex-Club Calmbach. Dort bin ich noch A-Jugend-Trainer und bei meinem Wechsel nach Wildbad wurde vereinbart, dass ich gegen Calmbach nicht spielen werde.“ Aus Respekt und Anstand. Fast so wie in der Bundesliga Raul Bobadilla, der nach seinem Wechsel zu Mönchengladbach nicht gegen den FC Augsburg antreten durfte.

„Mein Fußballerherz schlägt für beide Vereine – für Wildbad und für Calmbach“, sagt Waldemar Schmidt, der aber natürlich weiterhin den FV an die Spitze der A2 schießen möchte – solange sein Knie mitmacht.