Bei Pforzheimer GFL-Team setzen die Neuverpflichtungen erste Duftmarken. Das sieht schon recht vielversprechend aus.
An großen Plänen und Kampfansagen hat es bei den Pforzheim Wilddogs noch nie gemangelt. Nicht nach dem Aufstieg in die American-Football-Bundesliga, die GFL1, als 2025 sofort ein Playoff-Platz anvisiert – und erreicht wurde. Nicht vor der Spielzeit 2026, als eine noch bessere Platzierung die Vorgabe war. Die ärgerliche Heimniederlage gegen die Berlin Rebels mag bei Beobachtern hinter die großen Ziele ein Fragezeichen gesetzt haben. Der 28:10-Heimerfolg gegen den amtierenden Südmeister Ravensburg Razorbacks zwei Wochen später hingegen war ein Ausrufezeichen. Nicht nur, dass gegen die Razorbacks im dritten Anlauf endlich der erste Sieg gelang. Der Auftritt war auch dominant. „Wir haben im vierten Saisonspiel unser bestes Spiel abgeliefert, offensiv wie defensiv“, freute sich Chefcoach Michael Lang über den gelungenen Nachmittag in der Kramski-Arena.
Hanebüchene Fehlern
Für den Trainer der Pforzheimer Abwehr ist klar: „Für mich ist die Leistung ein Zeichen dafür, wie gut wir sein können, wenn wir keine Fehler machen, wenn wir vier Viertel gut spielen“, sagt Defense-Coordinator Sascha Deger. Tatsächlich haben die Wilddogs das Spiel gegen Berlin mit teils hanebüchenen Fehlern selbst aus der Hand gegeben. Zwei Wochen später gegen Ravensburg dann ein deutlich konzentrierterer Auftritt. Gegen Berlin gab es noch drei kostspielige Ballverluste, zudem wurden drei Quarterback-Sacks zugelassen. In beiden Kategorien stand gegen Ravensburg jeweils die Null. Und das ist eine prima Grundlage, um jedem Gegner das Leben schwer zu machen.
Vieles spricht dafür, dass die Wilddogs sogar noch Luft nach oben haben. Schließlich muss das Team mehr als 15 hochkarätige Neuzugänge integrieren – das braucht Zeit. Und weil es vor der Saison keinen passenden Testspielgegner gab, hieß das Motto: Learning by doing – Lernen durch Tun.
Aber der Input der Neuen zahlt sich jetzt schon aus. Mit AJ Coons kam ein Ballfänger, der auf dem besten Wege ist, Publikumsliebling Alec Tatum gleichwertig zu ersetzen. Das Laufspiel erhielt durch Brian Yankson einen neuen Impuls. Das Trio Yankson, Theo Michl und Quarterback Drequan Harris stellte Ravensburg vor viele Rätsel. Und auch die O-Line wurde mit Neuzugängen wie Xavier Ventekaya und Ayra Benhur aufgepolstert.
Starke Defense
Noch größer scheint der Input aber auf der defensiven Seite zu sein. Linebacker Antonio Alzheimer und D-Liner Nathan Kalemba sammelten gegen Ravensburg zusammen vier Sacks ein. In der Passverteidigung haben die Neuzugänge Nick Olivier und Konstantin Katz schon jeweils zwei Interceptions gepflückt. In der Abwehrarbeit sind die Neuzugänge auch besonders gefordert, weil ein absoluter Leistungsträger fehlt. Michael Gilmour hat sich beim Auswärtssieg in Straubing das Kreuzband im Knie gerissen und fällt für den Rest der Saison aus. Der Australier war vergangene Saison mit 11,5 Sacks und drei erzwungenen Ballverlusten (Fumbles) bester Abwehrspieler in der Südstaffel der GFL1. Ihn gleichwertig zu ersetzen wird eine Mammutaufgabe. Gegen Ravensburg haben seine Mitspieler schon mal einen guten Anfang gemacht.
Michael Gilmour bleibt trotz Verletzung weiter nahe dran am Team. Antonio Alzheimer ist voll des Lobes über den Kollegen: „Er ist sofort zurückgekommen, er hat uns viel Unterstützung gegeben. Er hat uns viele gute Tipps gegeben. Er hat mit seinem Coaching fast noch eine größere Rolle als auf dem Feld gespielt. Seine Präsenz war immer spürbar.“
Wohin der Weg der Wilddogs 2026 führt, darf mit Spannung erwartet werden. Nach vier Spielen steht fest, dass der letztjährige Tabellendritte der Bundesliga-Südstaffel seine keineswegs schwache Mannschaft weiter verstärkt hat. Gegen die Top-Konkurrenten aus dem Süden (Ravensburg, Schwäbisch Hall, München) gab es 2025 in fünf Spielen nur einen Sieg – der Erfolg nach Verlängerung in Schwäbisch Hall. Es zeichnet sich ab, dass diese vier Teams erneut die Play-off-Plätze unter sich ausmachen. Deshalb war der Sieg gegen Ravensburg besonders wichtig.
Special Teams tun sich schwer
Gibt es noch Schwächen bei den Wilddogs? Ja, natürlich. Die Special Teams tun sich nach wie vor schwer. Gegen Ravensburg wurde ein machbares Fieldgoal verschossen. Und in Sachen Strafen gehören die Wildhunde weiter zu den „Topteams“ der Liga, ein Spitzenplatz, auf den sie im Brötzinger Tal gerne verzichten würden.
Solche Schwächen können den Aufwärtstrend bremsen, stoppen können sie ihn vermutlich nicht. Für die Wilddogs geht es im Rest der Saison darum, die eigenen Grenzen auszutesten. Die Vorzeichen stehen gut, die Verantwortlichen sind optimistisch. „Wenn keine weiteren schlimmen Verletzungen dazu kommen, bin ich überzeugt, dass wir eine gute Saison spielen“, sagt der Vorsitzende Kai Höpfinger, der zusammen mit seinen Mitstreitern eine vielversprechende Mannschaft zusammengestellt hat. Das weiß Kai Höpfinger auch: „Wir haben eine tolle Mannschaft, die sich in der Tiefe der Qualität von den Vorjahren unterscheidet. Wir können jetzt ohne Qualitätsverlust wechseln und das ist der Riesenunterschied.“


