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23.07.2017

Zum Saisonauftakt beweisen beim KSC die Stürmer ihre Qualitäten

Karlsruhe. Der neue Trainer des Karlsruher SC unterscheidet sich in manchem von den Kollegen seiner Zunft. Mit seiner bedächtig wirkenden Sprechweise zum Beispiel. Und mit seiner Ausdrucksweise. Meister redet gerne von Nüssen. Eine Nuss ist in Meisters Fußballsprache ein Tor. Weil im Auftaktspiel der 3. Liga beim 2:2 gegen den VfL Osnabrück vier Treffer fielen, konnte der KSC-Coach einige Nüsse zählen.

Für Tore im Karlsruher Team sind jetzt vor allem zwei Neuzugänge zuständig, die ihre Torjägerqualitäten bereits bei anderen Clubs nachgewiesen haben: Dominik Stroh-Engel und Anton Fink. Sie sind sozusagen die neuen KSC-Nussknacker. Und im ersten Spiel funktionierte das auch prima.

Dominik Stroh-Engel machte in der der 68. Spielminute, als sich mancher badische Fan im Wildparkstadion angesichts des 0:2-Rückstandes schon mit einer Heimniederlage abgefunden hatte, das wichtige 1:2. Das war erstaunlich, weil der Stürmer bis dahin praktisch nicht in Erscheinung getreten war. Auch Marc-Patrick Meister hatte das gesehen und gestand auf Nachfrage ein, dass er mit dem Gedanken gespielt habe, den Angreifer auszuwechseln. „Aber dann macht er die Nuss“, sagt der KSC-Coach. Was er nicht dazu sagt: Alles richtig gemacht.

Dem Karlsruher Trainer war es tatsächlich gelungen, in Halbzeit zwei noch mehr richtig zu machen. Die Umstellung auf eine Dreierkette in der Abwehr, das Verschieben von Burak Camoglu von der rechten Außenbahn ins Zentrum, wo er nun neben dem zurückgezogenen Anton Fink hinter Stroh-Engel das Loch im offensiven Mittelfeld stopfte, das vor dem Seitenwechsel so groß war, dass darin fast jeder Angriff der Gastgeber spurlos verschwunden war.

Wie ein alter Hase

Meister hatte auch Florent Muslija gebracht. Der Offensivspieler, aus dem eigenen Nachwuchs in den Profikader befördert, war erst vor wenigen Tagen 19 Jahre alt geworden. Am Freitag zog er energisch in den Strafraum und ging nach einem Zweikampf mit Steffen Tigges zu Boden. Den Elfmeter verwandelte Anton Fink souverän zum 2:2 (74.). „Ich habe den Kontakt mitgenommen“, berichtete Muslija später über das Elfmeterfoul. Er klang dabei wie ein alter Hase, grinste aber schelmisch wie ein Lausbub.

Fast hätte der Karlsruher Trainer noch mehr richtig gemacht. Doch Fabian Schleusener rutschte Sekunden nach seiner Einwechslung im Strafraum haarscharf an einer Hereingabe des starken Matthias Bader vorbei. „Wenn wir die dritte Nuss machen, ist das vielleicht zu viel des Guten“, gestand Meister. Dabei dachte er wohl auch an die erste Halbzeit, die aus Karlsruher Sicht unterirdisch war – vorsichtig gesagt. Kein Mut, kein Zweikampfverhalten, kein geordneter Spielaufbau, dazu defensive Aussetzer. Hätte Osnabrück mehr als die beiden Treffer durch Jules Reimerink (12.) und Tim Danneberg (38.) gemacht, hätte sich der KSC nicht beschweren dürfen. „Wir waren sehr nervös“, gestand später mit Anton Fink ausgerechnet ein Routinier ein. Dominik Stroh-Engel brachte es kurz auf den Punkt: „Die erste Halbzeit war für’n hohlen Zahn.“

Warum die Mannschaft so unentschlossen und mutlos agierte, konnte auch der Trainer nicht sagen. „Ich kann und muss nicht alles erklären“, sagte Meister und konzentrierte sich lieber auf den zweiten Durchgang. „Die zweite Halbzeit macht mich umso stolzer. Ich nehme viel Positives mit.“

Kühnes Aufstiegsversprechen

Das gilt auch für die Spieler. Dominik Stroh-Engel, dem schlicht auch Spielpraxis fehlt – vergangene Saison stand er ganze 42 Minuten für den SV Darmstadt auf dem Feld – versprach dennoch: „Wir steigen auf. Wir versprechen es.“ Dazu will der Stürmer weiter Tore beisteuern. Damit sein Trainer viele Nüsse zählen kann.