Ruben Keitel ist einer der besten Schreiner Deutschlands. „Egal, wie ich morgens gelaunt bin, wenn ich aus meiner Werkstatt komme, bin ich glücklich“, sagt der Maulbronner. Der 23-Jährige hat seinen Traumberuf gefunden.
Eigentlich lag dies nicht auf der Hand, denn der junge Mann stammt aus einer Akademikerfamilie. Wie also kam es zu dem Interesse am Handwerklichen? „Während der Corona-Pandemie, als viel Unterricht ausfiel, habe ich mich mit dem Thema Schreiner beschäftigt, auf YouTube Videos dazu angesehen und einfach losgelegt“, verrät Keitel. In der heimischen Garage entstand nach und nach eine kleine Werkstatt. Dort wurden die ersten Möbel gebaut – alles aus Massivholz, das er über eine Tante bezog.

Nach dem Abi, nach mehreren Praktika in Schreinereien gab es kein Zurück: Keitel unterschrieb einen Lehrvertrag in der Holzwerkstatt Störrmühle in Knittlingen. Nach der – wegen des Abiturs – verkürzten Lehrzeit legte er die Gesellenprüfung mit Bravour ab und erreichte den ersten Platz beim Kammerwettbewerb des Bezirks Karlsruhe. Auch auf Landesebene siegte der Maulbronner. Beim Bundesfinale in Berlin erkämpfte er sich den zweiten Platz. Sodann war klar, die Meisterschaft muss her. Ohne Gesellenjahre stürzte er sich auf den Vollzeit-Meister-Kurs.
„Schreinerei ist total meine Leidenschaft“, betont Ruben Keitel immer wieder. Für die weitere Zukunft träumt der Schreinermeister davon, einen gut aufgestellten Schreinerbetrieb zu übernehmen. Aktuell rundet er sein Wissen durch ein Studium der Innenarchitektur ab.
Sollte es später dazu kommen, dass er einen Schreinerbetrieb übernehmen möchte, dann wird er in der Handwerkskammer Karlsruhe kompetente Berater finden. Informationen zu Zuschüssen oder zinsgünstigen Förderkrediten gehören dazu. Ein Drittel der Handwerksbetriebe sucht in den nächsten Jahren einen Nachfolger.
Das Beispiel von Schreinermeister Ruben Keitel zeige, was junge Menschen im Handwerk erreichen können. „Er ist ein hervorragender Botschafter des Handwerks“, stellt Walter Bantleon, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Karlsruhe, fest. Bantleon betont auch, dass die Meisterprüfung einem Bachelorabschluss entspricht. Und er skizziert die durchgängigen Karrierechancen im Handwerk: Nach der handwerklichen Ausbildung, die mit dem Gesellenbrief endet, stehen viele Wege offen. Wesentliche Schritte sind die Meisterprüfung (Bachelor Professional) für Führungsausgaben und die Selbstständigkeit, für Management sowie Weiterbildung wie etwa Techniker, Restaurator oder auch für die kaufmännische Weiterbildung etwa zum Betriebswirt des Handwerks.
Die Auswahl an handwerklichen Berufen ist groß. Die Palette beginnt beim Augenoptiker und endet beim Zahntechniker. Dazwischen liegen über 130 verschiedene Berufe. Alles Berufe, bei denen man am Ende des Tages sehen könne, was man geschafft hat. „Und auch die attraktive Bezahlung kann sich sehen lassen“, so Bantleon. MONIKA JOHN
