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Auf die Warnsignale achten

Gegen diese Gefäßveränderungen kann etwas getan werden. FOTO: _KUBE-STOCK.ADOBE.COM

Auf die Warnsignale achten

Venenleiden zählen zu den großen Volkskrankheiten, über die viele lieber hinwegsehen. Doch die blauvioletten Linien unter der Haut sind weit mehr als ein Schönheitsmakel. Medizinisch betrachtet handelt es sich um Warnsignale eines Systems, das unter Druck geraten ist - mit teils dramatischen Folgen.

Gesundheit

Anfang steht oft ein unscheinbares Gefühl: schwere Beine nach einem langen Tag, geschwollene Knöchel oder nächtliche Wadenkrämpfe. Viele Betroffene werten das als lästige, aber harmlose Begleiterscheinung des Alltags. Dabei steckt dahinter häufig eine chronische venöse Insuffizienz. Versagen die Venenklappen ihren Dienst, staut sich das Blut in den Beinen. Was zunächst mit Schweregefühlen beginnt, kann sich über Jahre zu einem ernsten Gesundheitsproblem entwickeln. 

Besonders tückisch sind die Hautveränderungen, die sich schleichend einstellen. Die Haut wird dünner, trockener, verfärbt sich bräunlich – ein Zeichen dafür, dass das Gewebe nicht mehr ausreichend versorgt wird. Bleibt der Zustand unbehandelt, droht das gefürchtete Ulcus cruris, das „offene Bein“. Eine Wunde, die kaum heilt und den Alltag massiv einschränkt.

Noch gefährlicher wird es, wenn sich ein Blutgerinnsel bildet. Eine tiefe Venenthrombose kündigt sich oft nur durch ein geschwollenes, warmes Bein oder diffuse Schmerzen an. Löst sich das Gerinnsel, kann es zur Lungenembolie kommen – ein akuter Notfall, der jedes Jahr Tausende Menschen trifft. 

80 Prozent
der über 60-jährigen Menschen in Deutschland haben sogenannte Besenreiser, insbesondere an den Beinen (oder an den Wangen). Die kleinen rötlichen der bläulichen Venenverästelungen unter der Haut sind in der Regel nicht gefährlich. BVS

Die Ursachen sind vielfältig: Bewegungsmangel im Büroalltag, stundenlanges Sitzen im Auto, Übergewicht oder hormonelle Einflüsse in der Schwangerschaft. Auch die Gene spielen mit. Klar ist: Venenleiden entstehen selten plötzlich. Sie wachsen im Verborgenen – und sie belasten ein Gesundheitssystem, das ohnehin unter Druck steht. 

Dabei wäre Prävention vergleichsweise einfach. Bewegung ist die wirksamste Therapie, noch bevor eine Behandlung nötig wird. Wer seine Wadenmuskeln regelmäßig aktiviert, unterstützt die natürliche „Muskelpumpe“ und verhindert, dass sich Blut in den Beinen staut.

Kompressionsstrümpfe, einst unbeliebt, sind heute hoch entwickelte medizinische Hilfsmittel, die Beschwerden deutlich lindern können. Und wenn eine Behandlung notwendig wird, stehen moderne, minimalinvasive Verfahren bereit – von der Lasertherapie bis zur Schaumverödung. 

Venenleiden sind also kein Randthema, sondern ein unterschätztes Gesundheitsrisiko. Sie erinnern daran, wie abhängig unser Wohlbefinden von funktionierenden Gefäßen ist – und wie wichtig es auch ist, frühzeitig hinzusehen statt wegzuschauen. kin


Venenpumpe aktivieren

Im Gespräch mit PZ-Redakteur Walter Kindlein erläutert Apothekerin Dr. Stefanie Weiser, wie man Venenprobleme erkennt - und angeht

FOTO: PRIVAT
FOTO: PRIVAT

Wie erkenne ich, ob meine Beschwerden wirklich von einer Venenschwäche stammen?

Typische Symptome einer Venenschwäche sind schwere, müde Beine vor allem abends oder nach längerem Sitzen oder Stehen sowie Knöchel- und oder Unterschenkelschwellungen, vor allem abends. Häufig sind erweiterte Äderchen (Besenreiser) oder Krampfadern sichtbar. Nächtliche Wadenkrämpfe sind ein häufiges Begleitzeichen der Venenschwäche. Die Beschwerden werden durch Wärme verschlechtert und durch Kälte verbessert.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es – und welche passt zu mir?

Die wichtigste und wirksamste Therapie ist das Tragen von Kompressionsstrümpfen. Durch den Druck von außen wird die Venenpumpe aktiviert, wodurch das Blut zurückgepumpt werden kann und Schwellungen in den Beinen abnehmen. Medikamentös können pflanzliche Arzneistoffe unterstützen und lindernd wirken, etwa Rosskastanienextrakt (Aescin) oder Roter-Weinlaubextrakt. 

Bei stärkeren Beschwerden kommt die Lasertherapie (EVLT) oder Radiofrequenzablation (RFA), bei denen die Venen von innen verschweißt werden oder das Venenstripping, bei dem größere Krampfadern chirurgisch entfernt werden. Zu den neueren Methoden zählt das Venaseal, bei dem die Vene durch einen medizinischen Kleber verschlossen wird, oder das MOCA (mechanochemische Ablation) Verfahren, das eine Kombination aus Rotationsdraht und Verödungsmittel darstellt.

Was kann ich selbst tun, um die Beschwerden zu lindern oder vorzubeugen?

Das Hochlegen der Beine verschafft eine schnelle Linderung. Vorbeugend wird empfohlen, sich regelmäßig zu bewegen, etwa Gehen, Radfahren, Schwimmen unterstützen die Muskelpumpe und schaffen bei Beschwerden Linderung. Übergewicht und Hitze (Sauna) sollten vermieden werden.

Wadenpumpe aktivieren - Mini-Auf-und-ab-Übung

So funktioniert’s: Stellen Sie sich hinter einen Stuhl und halten Sie sich leicht an der Lehne fest. Die Füße stehen parallel, hüftbreit. Heben Sie nun die Fersen langsam an, bis Sie auf den Zehenspitzen stehen. Halten Sie die Position kurz und senken Sie dann die Fersen ebenso langsam wieder ab.

15–20 Wiederholungen, danach kurze Pause und zwei weitere Durchgänge. 

Warum ist das gut für die Venen?

Die Wadenmuskeln gelten als „zweites Herz“ des Menschen. Bei jedem Anheben der Fersen wird die Wadenmuskulatur angespannt – dabei wird das venöse Blut aus den Beinen kraftvoll zurück in Richtung Herz gedrückt. Regelmäßig ausgeführt kann diese Übung Schwellungen reduzieren, Schweregefühle lindern und Venenleiden vorbeugen. Tipp: Wer viel sitzt oder steht, sollte diese Übung mehrmals täglich einbauen – zum Beispiel beim Zähneputzen, Telefonieren oder während kurzer Arbeitspausen.