Wie bleibt man in einer Welt voller Tempo, Unsicherheiten und stetig wachsender Anforderungen innerlich stabil? Diese Frage trifft heute mehr Menschen denn je. Dr. med. Ralf Müller-Lenz, Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, erklärt im Siloah Forum am Dienstag, 2. Dezember, 18 Uhr, im Konferenzraum (4. OG) des Siloah St. Trudpert Klinikums, warum psychische Widerstandskraft kein angeborenes Talent ist – und wie sie sich im Alltag ganz praktisch stärken lässt.
Resilienz – das klingt für viele eher abstrakt. Was verstehen Sie als psychische Widerstandskraft konkret, und warum ist sie gerade jetzt so relevant?
Dr. Müller-Lenz: „Resilienz heißt nicht, dass man unverwundbar ist, sondern dass man fähig ist, schwierige Situationen zu bewältigen, sich zu erholen und im Idealfall daraus zu lernen. Gerade in unserer Zeit erleben viele Menschen große Anforderungen: beruflicher Druck, private Belastungen, gesundheitliche Ängste. Eine starke Widerstandsfähigkeit hilft, stabil zu bleiben, nicht auszubrennen und auch in Krisen handlungsfähig zu bleiben.“
Welche Faktoren sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig, um Resilienz zu stärken?
Dr. Müller-Lenz: „Es gibt mehrere Resilienzfaktoren, die sich in der Forschung immer wieder als zentral erwiesen haben: soziale Unterstützung, ein positives Selbstbild, Problemlösefähigkeit sowie eine realistische Einschätzung von Stressoren. Aber auch innere Haltungen spielen eine Rolle, beispielsweise wie sehr man Sinn und Kontrolle in seinem Leben wahrnimmt. In meinem Vortrag zeige ich, wie man diese Faktoren im Alltag kultivieren kann.“
Gibt es wissenschaftliche Belege dafür, dass man Resilienz durch solche Strategien tatsächlich stärken kann?
Dr. Müller-Lenz: „Die Forschung zeigt eindeutig, dass Resilienz keine feste Eigenschaft ist, sondern ein dynamischer Prozess. Durch gezielte Interventionen, Training und praktische Übungen kann man verschiedene Faktoren fördern. Studien belegen, dass Menschen, die regelmäßig Resilienzmethoden anwenden, weniger stressbedingte Symptome entwickeln und besser mit Belastungen umgehen können.“
Haben Sie einen Rat für alle, die sich bisher noch nicht mit dem Thema Resilienz beschäftigt haben und unsicher sind, ob so ein Vortrag überhaupt etwas für sie ist?
Dr. Müller-Lenz: „Ja – mein Rat wäre: Kommen Sie offen. Resilienz ist nicht nur etwas für Menschen, die schon Probleme haben. Es ist ein Instrument zur Gesundheitsvorsorge, zur Stärkung des Wohlbefindens und zur persönlichen Entwicklung. Und manchmal ist ein kleiner Impuls genau das, was man braucht, um langfristig stabiler, gelassener und widerstandsfähiger zu werden.“
Angst vor Peinlichkeit?
So kann man gegen Rotwerden oder Stottern angehen
Für Psychologen ist es der zentrale Punkt: Nicht das Befürchtete – Rotwerden oder Stottern – ist das Problem, sondern die Angst davor. Wer also etwa dazu neigt, dass ihm so etwas passiert, sollte sich bewusst machen, dass es an sich nichts Außergewöhnliches ist und einfach zu einem gehört. Und: „Es gibt Atemtechniken, mit denen man sich beruhigen kann“, erklärt Coach Ilja Grzeskowitz. Etwa die Hand auf den Bauch zu legen und tief einzuatmen, in den Bauch hinein, sodass die Hand sich hebt, und anschließend tief wieder aus, sodass Bauchdecke und Hand sich senken – das mehrmals wiederholen. „Zudem kann man sich mental vorbereiten und sich so Schritt für Schritt trainieren“, so Grzeskowitz. Vermieden werden sollten „Wenn-dann-Gedanken“ wie: Wenn das passiert, dann werde ich immer rot. tmn
