Die nächste Heizsaison ist im Anmarsch, – oder besser – schon da. Wer ein ungutes Gefühl hat, weil die Heizung schon im vorigen Winter fast den Geist aufgegeben hätte, sollte über einen Austausch der alten Anlage nachdenken. Allerdings brauchen Planung und Entscheidung für eine neue Heizung Zeit und auch etwas Mühe, wenn sie denn wirtschaftlich arbeiten und solide finanziert werden soll.
„Wer noch eine alte Gas- oder Ölheizung hat, könnte diese einfach gegen eine neue Heizung mit diesen fossilen Brennstoffen austauschen“, sagt Florian Bublies, Experte für Heizungstechnik bei der Verbraucherzentrale NRW. Das, sagt er, ist allerdings nicht ratsam. Auch wenn Gas- und Ölheizungen im Vergleich zu Wärmepumpen oder Pelletheizungen zunächst einmal preiswerter sind. Denn neben dem Kaufpreis spielen viele andere Faktoren eine Rolle.
Nicht nur der reine Kaufpreis ist entscheidend
„Der Anschaffungspreis allein sollte bei der Entscheidung für eine neue Heizung nicht zugrunde gelegt werden“, sagt auch Alexander Steinfeldt, Energieexperte der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online. Wichtig sind auch zusätzlich der Energieverbrauch des Hauses und die Preisentwicklungen für den laufenden Betrieb in den kommenden Jahren. Bezieht man diese Faktoren in die Rechnung ein, ergäbe sich ein ganz anderes Bild.
Eine Beispielrechnung: „Bei einer Luftwärmepumpe, die in der Anschaffung circa 22.500 Euro kostet, betragen die durchschnittlichen Heizkosten über die Lebensdauer der neuen Anlage von 20 Jahren 24.500 Euro. Bei einer Gasheizung, die mit einem Anteil Biomethan betrieben wird, sind es stattliche 70.000 Euro. Eine Ölheizung kommt sogar auf 71.500 Euro.“ Die anfangs im Vergleich deutlich teurere Wärmepumpe könnte also auf lange Sicht günstiger sein.
Um herauszufinden, welches neue Heizsystem für die eigene Immobilie infrage kommt, sollte deshalb zunächst eine Verbrauchsanalyse vorgenommen werden, rät Alexander Steinfeldt.
– Wie viele Kubikmeter Gas beziehungsweise Liter Heizöl wurden verbraucht?
– Liegt der Verbrauch im üblichen Bereich oder ist er überdurchschnittlich hoch?
– Wie ist der energetische Zustand der Gebäudehülle mit Dach, Fassade und Fenstern?
– Welche Modernisierungsmaßnahmen wurden bereits umgesetzt?
„Diese Informationen können dann in den Modernisierungscheck von co2online, einen unabhängigen Rechner, eingegeben werden. Der empfiehlt dann passende Sanierungsmaßnahmen, einschließlich eines geeigneten Heizsystems“, so Alexander Steinfeldt.
Fachleute unbedingt in Planung einbeziehen
„Unser eindeutiger Favorit ist die Wärmepumpe“, sagt Florian Bublies. Sie komme für die meisten Gebäude infrage. Allerdings könne es sein, dass einige zusätzliche Maßnahmen, wie zum Beispiel der Austausch zu klein dimensionierter Wandheizkörper gegen größere Modelle nötig sind, um die Wärmepumpe sinnvoll betreiben zu können.
„Es ist ein Trugschluss zu denken, ich kaufe eine Wärmepumpe und alles andere bleibt, wie es ist. Diese zusätzlichen Kosten für die Anpassung muss man bei der Finanzierung des Heizungstauschs mit einkalkulieren.“
Alles schön der Reihe nach angehen
In die Entscheidung für eine neue Heizung sollte rechtzeitig ein Energieberater oder ein zertifizierter Fachhandwerker einbezogen werden. Dieser ist unerlässlich, um Fördermittel für die neue Heizung zu beantragen.
„Keinesfalls sollte man schon Aufträge an Heizungsbauer oder andere Firmen vergeben, ehe die Fördermittel bewilligt sind“, warnt Stefan Vogelsang, Spezialist für Baufinanzierung bei Dr. Klein einem bundesweit tätigen Finanzdienstleister. „Wer vorher anfängt, muss auf die Zuschüsse vom Staat verzichten.“ Erst wenn die sogenannte Bestätigung zum Antrag (BzA) von der Förderbank KfW vorliegt, kann das Vorhaben beginnen.
Seit dem 21. Juli 2026 gelten neue Vorgaben für die Förderung. Alexander Steinfeldt informiert über die aktuellen Fördermöglichkeiten: Der Einbau einer neuen, klimafreundlichen Heizung wird mit insgesamt bis zu 80 Prozent der Investitionskosten über den Heizungszuschuss der KfW (Zuschuss Nr. 458) gefördert.
Die Grundförderung beträgt 30 Prozent von maximal 28.000 Euro Investitionskosten. Dieser Förderhöchstbetrag sinkt jedes Halbjahr um 750 Euro.
Fossile Heizungen bringen Zukunftsunsicherheiten
Der Klimageschwindigkeitsbonus, der beim Austausch alter Ölheizungen oder 20 Jahre alten Gasheizungen erhältlich ist, beträgt aktuell 16 Prozent und schmilzt halbjährlich um 4 Prozent ab.
Übersteigt das Haushaltseinkommen einen Maximalbetrag von 50.000 Euro - beziehungsweise 60.000 Euro, wenn minderjährige, kindergeldberechtigte Kinder im Haushalt leben – nicht, erhalten Hauseigentümer zudem noch einen Einkommensbonus.
„Gas- und Ölheizungen, die fossile Brennstoffe nutzen, werden gar nicht gefördert“, sagt Florian Bublies. Zudem herrschen große Unsicherheiten darüber, wie sich die Kosten dieser Brennstoffe in den kommenden Jahren entwickeln werden.
Einer der Gründe: Der in den kommenden Jahren wohl weiter steigende CO2-Preis, mit dem fossile Brennstoffe beaufschlagt werden. Aber auch die Entwicklung des Gaspreises selbst, ist nicht vorhersehbar.
Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat ermittelt, dass sich die jährlichen Heizkosten bei einer neuen Gasheizung bis 2040 fast verdoppeln könnten. Der Einbau einer Wärmepumpe dagegen würde das Kostenrisiko in den kommenden Jahren dagegen spürbar reduzieren.
Trotz Förderung: Kunden müssen die Kosten vorstrecken
Bei der Finanzierung des Heizungstauschs ist zu beachten, dass die Fördermittel erst ausgezahlt werden, wenn das Projekt abgeschlossen ist. Der Kunde muss also in Vorleistung gehen, bevor er die Zuschüsse nutzen kann. Für den Einbau einer Wärmepumpe braucht er also – je nach Umfang der Arbeiten 30.000 bis 40.000 Euro. Wer diese Summe nicht auf dem eigenen Konto einfach so hat, muss sich zeitig bei einer Bank um einen Kredit bemühen. KATJA FISCHER, DPA
299.000 Wärmepumpen
wurden laut Bundesverband Wärmepumpe e.V. 2025 in Deutschland verkauft. Das entspricht einem kräftigen Zuwachs von 55 Prozent gegenüber 2024. Von den 2025 verkauften Heizungswärmepumpen waren 283.000 Luftwärmepumpen und 16.000 erdgekoppelte beziehungsweise sonstige Systeme.
Zusätzlich wurden 49.500 Warmwasserwärmepumpen verkauft. Einschließlich dieser Geräte lag der Gesamtabsatz somit bei 348.500 Wärmepumpen.
Bemerkenswert: 2025 war die Wärmepumpe erstmals das meistverkaufte Heizungssystem Deutschlands. pm
