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Selbst ist der Mann? Das mag wohl überlegt sein

Wer beim Hausbau selbst einige Arbeiten übernehmen will, spart damit nicht automatisch Geld. FOTO: GINA SANDERS-STOCK.ADOBE.COM

Selbst ist der Mann? Das mag wohl überlegt sein

Wer beim Bau seines Eigenheims mithelfen will, sollte realistisch planen. Denn gerade beim Hausbau stimmt der Satz: Zeit ist Geld. Warum Bauherren mit ihrer Eigenleistung nicht immer sparen.

Wohnen & Garten

Ein Hausbau kostet viel Geld. Wer sparen will, denkt vielleicht über Eigenleistungen nach. Kommen private Bauherren auf die Idee, beim Bau selbst Hand anzulegen, sollten sie einige Aspekte bedenken, damit sie am Ende nicht draufzahlen. Dazu rät der Verband Privater Bauherren (VPB). 

Häufig kommen Arbeiten beim Innenausbau infrage, etwa das Verlegen von Böden oder das Streichen der Wände. Allerdings sollten Bauherren bedenken: „Die Abläufe am Bau und sich daraus ergebende Verbindlichkeiten mit anderen Gewerken sind ein wichtiger Faktor, der oft unterschätzt wird“, so Herbert Oberhagemann, der das VPB-Regionalbüro Ahrensburg leitet. 

Realistisches Selbstbild

Bauherren sollten sich kritisch fragen, wie viel Zeit, wie viel Kraft und wie viel Fachwissen sie wirklich haben. Denn in einigen Bereichen braucht man eine spezielle Qualifikation, so Oberhagemann. Dann reicht es nicht, sich Know-how etwa über Online-Tutorials anzueignen. Bauherren sollten sich dazu vorab erkundigen.

Außerdem sind genaue Absprachen wichtig: Wer übernimmt wann welche Arbeiten? Welche Vorleistungen sind nötig? Eigenleistungen sollten Bauherren immer in enger Abstimmung mit dem Generalunternehmer durchführen. 

Am besten legt man den Umfang der Eigenleistung und die Verantwortlichkeiten frühzeitig in der Baubeschreibung schriftlich fest, raten Ingenieurskammern. Dieses zentrale Dokument im Bauvertrag definiert, welche Leistungen der Bauträger erbringen muss. Gibt es dort Missverständnisse oder Ungenauigkeiten kann dies teure Auseinandersetzungen zur Folge haben. Sind die Verantwortlichkeiten nicht geklärt, kann das zu Mängeln führen, die später schwer zu beheben sind. 

Vorausschauende Planung

Wichtig ist laut Oberhagemann auch ausreichend Puffer für die Eigenleistungen einzuplanen. Nur so ist eine termingerechte Umsetzung gewährleistet – also dass man auch rechtzeitig fertig wird, falls unvorhergesehene Schwierigkeiten auftreten. Müssen andere Gewerke warten und können nicht anfangen, kann sich das gesamte Bauvorhaben verzögern, schnell teurer oder kompliziert werden. 

Oberhagemann nennt ein konkretes Beispiel: Wer seinen Parkettboden selbst verlegen will, hat dafür zwischen dem Maler und dem Einbau der Innentür Zeit. Dieses Zeitfenster sollte man einhalten, damit die Türzargen ordnungsgemäß auf dem Bodenbelag stehen und dieser nicht unschön ausgeschnitten aussieht. 

Haftungsfrage klären

Treten später Mängel auf, stellt sich schnell die Haftungsfrage. Grundsätzlich ist der Bauträger verpflichtet, die von ihm erbrachten Leistungen mangelfrei auszuführen, so die Ingenieurkammer. Übernehmen Bauherren jedoch Arbeiten selbst, sollte ihnen klar sein, dass sie das Risiko tragen, dass diese fachgerecht und korrekt durchgeführt werden. Entstehen aus der Eigenleistung Mängel, übernimmt der Bauträger dafür in der Regel keine Haftung. 

Der Bauträger ist laut Ingenieurkammer zwar verpflichtet, die Tauglichkeit der Eigenleistungen zu prüfen und Bedenken anzumelden. Gleichzeitig darf er sich darauf verlassen, dass Bauherren die Arbeiten nach den anerkannten Regeln der Technik durchführen. Im Zweifel sollten Bauherren sich Unterstützung holen. Ein fachlich qualifizierter Bausachverständiger kann zu Eigenleistungen beraten, Baubeschreibungen prüfen und Arbeiten gegebenenfalls begleiten.

Übrigens: Wenn Freunde mithelfen, müssen Bauherren diese bei der BG BAU innerhalb einer Woche nach Beginn der Bauarbeiten anmelden. Das gilt unabhängig davon, ob die Bauhelfer gegen Bezahlung oder unentgeltlich arbeiten. Das ist wichtig, damit die Helfer gesetzlich unfallversichert sind. KATJA FISCHER, DPA

Matthias Morlock

Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft

ARCHIVFOTO: MEYER
ARCHIVFOTO: MEYER

Für jede Anforderung am Gebäude selbst oder im Wohnbereich gibt es Fachmänner oder Fachfrauen. Am besten, man wendet sich an einen Innungsfachbetrieb in der näheren Umgebung. Denn meisterhafte Qualität zählt. Die findet man unter www.kh-pforzheim.de/betriebssuche/

Dach und Wände checken!

Frühlingsbeginn

Über den Winter können am Gebäude Schäden entstehen – etwa durch Frost und durch Stürme. Es lohnt sich daher, im Frühling die Fassade genauer unter die Lupe zu nehmen. Am besten achten Eigentümer auf Risse und Spalten am Mauerwerk sowie feuchte und undichte Stellen. Solche Probleme sollten sie zeitnah beseitigen. Denn wer Schäden früh erkennt, kann häufig viel Geld sparen.

Wichtig ist, dass man nicht nur die Fassade prüft. Eigentümer sollen auch das Dach und die Dämmung kontrollieren. Gerade dort können undichte Stellen fatale Folgen haben. Denn Kälte und Frost können einem Gebäude zusetzen. Doch ebenso können altersbedingte Schäden auftreten. Tauchen größere Schäden auf, sollten Eigentümer darüber nachdenken, ob sie die Arbeiten mit nötigen Modernisierungsarbeiten kombinieren – etwa Fenster tauschen (siehe erste Seite) oder nachträglich eine Wand oder das Dach dämmen.

Beim Check im Frühling lohnt es sich auch, die Innenräume genau unter die Lupe zu nehmen. Denn in Ecken und an kühlen Außenwänden, die schlecht oder gar nicht gedämmt sind, kann sich nämlich Schimmel bilden. Dort kühlt die Luft meist ab. „Sammelt sich dann etwa noch Feuchtigkeit hinter einem Schrank, können bereits nach einer kalten Woche Schimmelpilze entstehen“, betont man bei der Verbraucherzentrale. tmn