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Ohne Vorträge und Fettnäpfchen

FOTO: MICHAELHEIM - STOCK.ADOBE.COM

Ohne Vorträge und Fettnäpfchen

Wie Trauernde sensibel begleitet werden können

Trauer

Was sagt man einem trauernden Menschen – und was besser nicht? Experten aus Wissenschaft und Praxis geben Tipps: Was hilft, was nervt und was schadet.

Ganz gleich, ob man selbst schon einmal einen schweren Verlust erlebt hat oder nicht: Wenn man vor einem trauernden Menschen steht, ist man meistens erst einmal unsicher. Denn man weiß: Wer gerade einen geliebten Menschen verloren hat, empfindet nicht nur großen Schmerz, sondern ist auch besonders sensibel. Gerade dann möchte man nichts falsch machen oder gar etwas Unpassendes sagen oder tun. Was aber ist richtig? 

Manchen Menschen fällt es grundsätzlich schwer, sich Trauernden zu nähern. Sie fühlen sich etwas überfordert und wissen nicht, wie sie denjenigen ansprechen sollen. „Manchmal schiebt man das dann auf, und der richtige Moment ist dann oft verpasst“, sagt Trauer-Forscherin Bettina Doering, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Kiel. 

Ausdrücken, was man empfindet

Das bedeutet jedoch nicht, dass was man spontan denkt, auch immer sofort die beste Variante ist. „Es geht vor allen Dingen darum, das auszudrücken, was in einem selbst wirklich vorgeht“, rät die Wissenschaftlerin. So etwas wie: „Das tut mir wahnsinnig leid“ oder auch: „Ich kann mir vorstellen, wie schwierig das ist.“ Aber Vorsicht, so Doering: Eine solche Formulierung ist nur dann passend, wenn man sich diese Situation auch wirklich vorstellen kann. „Wenn ich selbst noch keine besonders schwerwiegenden Verluste erlebt habe und das Kind meiner Freundin ist gerade gestorben, dann wäre es eher unpassend, so etwas zu behaupten“, meint sie.

Besser wäre dann, ehrlich zu sagen: „Ich bin mir unsicher, ich weiß nicht, wie ich es ansprechen soll, aber es geht mir so nahe und ich möchte gerne für dich da sein.“ 

Zuhören ja, aber nichts Eigenes hineinmischen

Das bestätigt auch Trauerbegleiter und Dozent Thomas Achenbach aus Osnabrück. „Ich empfehle immer: Löst euch von diesem Gefühl, etwas sagen zu müssen und von dem Druck, das etwas Kluges erwartet wird. Das ist nicht so, das kannst du in dieser Situation nicht leisten. Und du kannst auch nicht trösten, weil es für den anderen in diesem Moment keinen Trost gibt.“ 

Sinnvoller sei es, dem Gegenüber zu sagen: „Willst du etwas erzählen? Ich höre dir zu.“ Dann aber sollte man auch wirklich und aktiv zuhören – und nicht den Trauernden mit persönlichen Erlebnissen zuschütten. Das erfordert, sich in die andere Person hineinfühlen, mit seinen Gefühlen mitschwingen zu können und eine gemeinsame Wellenlänge zu finden. „Es geht darum, konsequent in der Welt des Gesprächspartners zu bleiben und nichts Eigenes hineinzumischen.“ 

Eine gute Idee kann es auch sein, dem oder der Trauernden einen Brief zu schreiben. Entscheidend dabei: Auf allgemeine Floskeln verzichten und stattdessen auf gemeinsame Momente und Ereignisse zurückblicken. „Das kann wirklich hilfreich sein, wenn man darin teilt, was man zusammen erlebt hat“, weiß Achenbach. 

Er appelliert aber, sich von dem Mythos freizumachen, dass man die Angehörigen nur noch mehr leiden lasse, wenn man an den Verstorbenen erinnere. „Noch trauriger kann man einen Menschen, der jemanden verloren hat, gar nicht machen“, sagt der Trauerbegleiter. „Viele sind einfach total dankbar, wenn sie wissen, dass etwas ist, was bleibt.“ Manchmal möchten Trauernde aber auch gar nicht reden, sondern beim Schweigen nicht alleine sein. 

Praktische Hilfe darf nicht übergriffig wirken

„Grundsätzlich sollte man der Person ein Stück weit überlassen, was sie gerade braucht“, sagt Bettina Doering. „Manche freuen sich über ein Gesprächsangebot, andere über eine praktische Unterstützung.“ Aber das kommt immer auf die Situation und auch das Verhältnis zueinander an. „Jemandem einfach einen Kuchen zu backen und an seiner Tür zu klingeln, kann ein schönes Zeichen sein. Aber wenn man vorher gar keinen engen Kontakt hatte und es keinerlei Beziehung zu solch einer Geste gab, könnte es auch schnell übergriffig wirken.“ 

Auf der anderen Seite: Auf die Aufforderung „Meld dich, wenn du etwas brauchst“, reagieren Betroffene oft nicht, weil ihnen dafür oft die Kraft fehlt. Für Thomas Achenbach ist praktische Unterstützung ohne dabei viel Aufhebens zu machen erst einmal eine gute Idee. Als seine Mutter starb, habe sich eine Nachbarin spontan um die Wäsche der Familie gekümmert. „In der ersten Überforderungssituation war das ganz großartig“, erinnert er sich. KATJA SPONHOLZ

Zeit des Gedenkens

Manche Menschen hinterlassen Spuren, die niemals verblassen. Ein vertrautes Lächeln, ein guter Rat, gemeinsame Erlebnisse – Erinnerungen, die bleiben, auch wenn ein geliebter Mensch längst nicht mehr unter uns ist. Allerheiligen am 1. November gibt diesen Erinnerungen einen besonderen Platz. Ein Feiertag, der zum Nachdenken einlädt, aber auch Trost und Zuversicht schenken kann.

Viele Menschen zieht es auf die Friedhöfe. Liebevoll geschmückte Gräber, frische Blumen und flackernde Kerzen erzählen von Menschen, die gegangen sind, aber in den Herzen weiterleben. Erinnerungen werden wach – an gemeinsame Stunden, vertraute Stimmen, glückliche Augenblicke.

Allerheiligen lädt dazu ein, dem Leben mit all seinen Höhen und Tiefen nachzuspüren. Der katholische Feiertag ehrt alle Heiligen, doch im persönlichen Erleben verbindet sich dieser Tag häufig mit dem Gedenken an Verstorbene. Und manchmal braucht es gar nicht viele Worte. Ein stiller Gedanke, eine brennende Kerze oder ein liebevoller Blick zurück sagen mehr als tausend Worte. kin