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„Ein Stück Lebenqualität“

FOTO: TILO KELLER

„Ein Stück Lebenqualität“

PZ-Redakteurin Katharina Lindt fragt Fabian Böhm von Böhm HÖRAKUSTIK, über fortschreitenden Hörverlust und hilfreiche Maßnahmen für gutes Hören

Gesundheit

Welche konkreten Herausforderungen entstehen für Senioren mit Hörverlust im eigenen Zuhause?

Das hängt stark davon ab, wie ausgeprägt der Hörverlust ist und ob jemand alleine lebt oder mit einem Partner. In der Praxis erleben wir häufig, dass alltägliche akustische Signale schlechter oder gar nicht mehr wahrgenommen werden – zum Beispiel die Türklingel, das Telefon oder auch ein Wecker. 

Hier kommen sogenannte Systemergänzungen ins Spiel, wie Lichtsignalanlagen oder Vibrationskissen. Diese können visuell oder haptisch unterstützen – etwa durch Blinksignale bei der Klingel oder Vibration beim Wecker. Auch die Anbindung an Rauchmelder oder mobile Lösungen (z. B. für Garten oder Terrasse) ist heute problemlos möglich. Bei stärkerem Hörverlust werden solche Systeme teilweise sogar von der Krankenkasse übernommen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Zusammenleben im Alltag. Kommunikation über mehrere Räume hinweg – etwa von der Küche ins Wohnzimmer – funktioniert oft nicht mehr zuverlässig, selbst mit Hörgeräten. Hier braucht es gegenseitiges Verständnis und sogenannte „Hörtaktik“: also bewusstes Zueinandergehen, Blickkontakt und klare Ansprache. Ohne dieses Verständnis kann Hörverlust im häuslichen Umfeld durchaus zu Konflikten führen. 

Welche Rolle spielt ein Hörverlust bei Einsamkeit oder sozialem Rückzug im Alter?

Hörverlust spielt hier eine sehr große Rolle. Wir sehen in unserer täglichen Arbeit, dass unbehandelter Hörverlust häufig zu Unsicherheit führt – und damit zu Rückzug aus sozialen Situationen.

Wichtig ist vor allem die konsequente Nutzung von Hörgeräten im Alltag – vom Morgen bis zum Abend. Nur so kann das Gehirn dauerhaft akustisch stimuliert werden. Wird zu wenig gehört, baut das Gehirn nachweislich Fähigkeiten ab – etwa das Verstehen von Sprache oder das Zuordnen von Stimmen. Auch das emotionale Hören, also das Erkennen von Stimmungen im Gespräch, leidet darunter. 

Ein Beispiel aus dem Alltag: Wenn man Stimmen über längere Zeit nicht mehr gut hört, fällt es irgendwann schwer, diese überhaupt noch Personen zuzuordnen. Das kann verunsichern und führt oft dazu, dass soziale Kontakte gemieden werden.

Umgekehrt erleben wir: Wer mit seinen Hörsystemen gut zurechtkommt, nimmt aktiver am Leben teil – geht wieder essen, trifft Freunde oder nimmt an Veranstaltungen teil. Hörgeräte sind daher nicht nur ein technisches Hilfsmittel, sondern ein entscheidender Faktor für Lebensqualität und soziale Teilhabe. 

Welche modernen Hörgeräte eignen sich besonders für Senioren, die allein wohnen? Was würden Sie Personen raten, die erste Anzeichen bemerken, aber noch zögern?

Spezielle „Senioren-Hörgeräte“ im klassischen Sinne gibt es nicht – entscheidend ist immer die individuelle Lebenssituation.

Für Menschen mit eher ruhigem Alltag können bereits einfachere Hörsysteme mit guter Störgeräuschunterdrückung, Richtmikrofonen und einer einfachen automatischen Situationsanpassung völlig ausreichend sein. Gleichzeitig gibt es aber auch viele ältere Menschen, die bewusst hochwertige Systeme wählen – etwa weil sie Musik genießen oder viel Wert auf Klangqualität legen. Moderne Hörgeräte bieten heute eine enorme Bandbreite an Anpassungsmöglichkeiten (z. B. über verschiedene Frequenzkanäle), was sich direkt auf den natürlichen Klang und damit auf die Akzeptanz und Tragezeit auswirkt. 

Ein ganz wichtiger Punkt – gerade bei alleinlebenden Personen – ist das bewusste Wahrnehmen von Alltagsgeräuschen: Schritte im Haus, Naturgeräusche, das Rascheln von Blättern oder sogar das Ticken einer Uhr. All das sind Reize, die unser Gehirn braucht und die sonst nach und nach verloren gehen.

Mein Rat bei ersten Anzeichen ist klar: frühzeitig handeln. Ein Hörtest dauert etwa 15 Minuten und ist kostenfrei. Er gibt schnell eine erste Einschätzung. Sollte sich ein Hörverlust bestätigen, erfolgt die weitere Abklärung beim HNO-Arzt. 

Wir beobachten zudem, dass immer mehr Menschen bereits ab etwa 50 Jahren regelmäßig ihr Gehör überprüfen lassen – ähnlich wie beim Sehtest. Dieses Bewusstsein wächst, auch weil Themen wie Tinnitus oder Hörsturz stärker in den Fokus rücken.

Gerne stehen wir als regionales Inhabergeschäft mit dem gesamten Böhm Team Ihnen auch für ein persönliches Gespräch zur Verfügung, wenn Sie die Themen weiter vertiefen möchten.