Am helllichten Tag sind in einer Einkaufsstraße mitten in Westerland auf der Insel Sylt mindestens drei Schüsse auf einen Barber-Shop abgegeben worden. Verletzt wurde bei dem Vorfall ersten Erkenntnissen zufolge niemand, wie ein Polizeisprecher sagte. Ein 23-jähriger Mann, der eine scharfe Schusswaffe bei sich trug, und ein Jugendlicher wurden festgenommen. Die Fahndungsmaßnahmen auf der Insel seien eingestellt worden, hieß es am Abend. Die Hintergründe der Tat sind unklar.
Nach den Schüssen ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung, der Sachbeschädigung sowie wegen Verstößen gegen das Waffengesetz. Die Schüsse fielen demnach mit einer scharfen Schusswaffe auf den Eingangsbereich. Die Polizei sperrte den Tatort ab und kontrollierte in dem Zusammenhang auch Bahnhöfe und abfahrende Züge, wie die Behörde auf der Plattform X mitteilte.
15-Jähriger am Bahnhof festgenommen
Auf dem Bahnhof von Westerland trafen die Beamten auf einen 15-Jährigen und nahmen ihn zur Überprüfung mit auf die Wache. Dabei ergaben sich Hinweise, dass er an den Vorfällen beteiligt sein könnte. Er wurde vorläufig festgenommen. «Wir haben zwei Tatverdächtige, die sich jetzt verantworten müssen», sagte der Polizeisprecher. Ob sie vor den Haftrichter kommen, stand zunächst nicht fest.
Ein weiterer Polizeieinsatz in Westerland blieb ohne Ergebnis. Es habe einen Hinweis gegeben, dass sich in einem Haus eine Person mit einer Schussverletzung aufhalte, sagte der Sprecher. Es seien aber nur zwei Personen angetroffen worden, die unverletzt und unverdächtig sind.

Bruder des Shop-Inhabers: «Auch auf mich wurde gezielt»
Eine dpa-Reporterin beobachtete in der Strandstraße ein Loch in der Scheibe eines Barber-Shops. Die Scheibe war gesprungen. Mitarbeiter des Salons wurden von der Kriminalpolizei einzeln in dem Geschäft vernommen.
Yazan Alayoubi hielt sich zum Zeitpunkt der Schüsse in dem Geschäft auf. Der Schütze habe auch auf ihn gezielt, sagte der 20-jährige Bruder des Inhabers der dpa. Er habe am Kassensystem gearbeitet. Es seien drei Schüsse gefallen, einer davon auf ihn. Er sei hinter dem Tresen in Deckung gegangen und in einen anderen Raum geflüchtet. Niemand sei verletzt worden.
Alayoubi sprach direkt nach der Tat davon, dass es «schockierend» gewesen sei. Den Schützen kenne er nicht, der Mann sei nicht maskiert gewesen. Über die Gründe für den Angriff wisse er nichts.
Daniel Schwagenscheidt, der den Inhaber des Ladens kennt, sagte vor dem Geschäft: «Das ist richtig atypisch für Sylt, besonders um diese Uhrzeit. So etwas kenne ich sonst nur aus Frankfurt und habe ich auf Sylt noch nicht erlebt.»
«Das fühlt sich nicht gut an»
Am Nachmittag standen zwei Polizisten vor dem Eingang des Ladens. Auch mehrere Einsatzfahrzeuge der Polizei waren vor Ort. Der Bereich rund um den Laden war mit Absperrband abgesperrt. Zahlreiche Passanten blieben immer wieder in der belebten Einkaufsstraße stehen und fotografierten die Szenerie.
Eine Urlauberin aus Nordrhein-Westfalen äußerte sich beunruhigt. «Das fühlt sich nicht gut an», sagte die Frau. «Gut, dass kann Dir ja heute überall passieren.» Irgendwie sei man aber doch geschockt. Eine Sylterin berichtete, sie habe im Büro Schüsse gehört. «Aber wir hätten nicht gedacht, dass es das wäre.» Es sei zwar schon merkwürdig. «Aber ich fühle mich grundsätzlich sehr sicher auf Sylt.»
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