Tödlicher Unfall auf Oktoberfest
Die Ermittlungen, wie es zu dem Unfall kommen konnte, laufen.
Sven Hoppe/dpa
Deutschland
Todesfall auf der Wiesn - Wie konnte das passieren?

Auf dem Münchner Oktoberfest ist ein Mitarbeiter eines Fahrgeschäfts bei einem Unfall ums Leben gekommen. Wie konnte das passieren? Und wie geht es nun weiter?

Was ist geschehen? 

Ein 52 Jahre alter Security-Mitarbeiter des Fahrgeschäfts «Hangover», ein 85 Meter hoher Freefall-Tower, wurde am Montagabend gegen 21.50 Uhr von der herunter fahrenden Gondel getroffen und eingeklemmt. Laut Fahrgeschäfts-Homepage beträgt die Fallgeschwindigkeit an dem Turm bis zu 90 Kilometer in der Stunde. Mit welcher Geschwindigkeit der Mann, der aus Serbien stammte, getroffen wurde, war unklar. Bevor die Gondel unten ankommt, wird sie deutlich langsamer.

Einsatzkräften gelang es, den Mann wiederzubeleben, er wurde nach Angaben von Polizeisprecher Thomas Schelshorn unter laufender Reanimation ins Krankenhaus gebracht, wo er aber kurze Zeit später starb. Der Bereich rund um das Fahrgeschäft wurde für den großen Rettungseinsatz abgesperrt.

Fortsetzung Münchner Oktoberfest-
Der Unfall hatte sich am späten Abend ereignet.
Felix Hörhager/dpa

Wie konnte es dazu kommen? 

Zu den genauen Umständen des mutmaßlichen Betriebsunfalls werde noch ermittelt, teilte die Polizei mit. Das Kommissariat 13 der Münchner Kriminalpolizei, das die Ermittlungen führt, ist unter anderem für Betriebsunfälle zuständig. Dabei müsse auch herausgefunden werden, «ob jemandem ein Vorwurf gemacht werden kann», sagte Polizeisprecher Schelshorn. Die Ermittlungen werden seinen Angaben zufolge «Tage, wenn nicht Wochen andauern».

Der TÜV fand bei der Sicherheitsüberprüfung am Dienstag nach Angaben der Betreiberfamilie keinen technischen Mangel, das Ordnungsamt gab das Fahrgeschäft anschließend wieder frei.

Der Mitarbeiter hielt sich laut Polizei sich in einem Bereich unterhalb der Gondel auf, in dem er sich nicht hätte befinden dürfen. Warum, das war zunächst unklar und sei Gegenstand der Ermittlungen. Auch der Betreiber konnte dazu am Morgen danach noch nichts sagen, Besprechungen liefen. Die Polizei bat Zeugen, die den Unfall beobachtet haben, sich zu melden.

In einer Pressemitteilung der Betreiberfamilie hieß es, die Familie arbeitet eng mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen, um diese bei der Klärung der Frage zu unterstützen, wie es «zu diesem für die Schaustellerfamilie einmaligen Vorfall» habe kommen können und welche Konsequenzen gegebenenfalls zu ziehen seien. «Unser ganzes Team ist geschockt und entsetzt», erklärte Dirk Metz, der Sprecher der Betreiberfamilie Schneider.

Auch Yvonne Heckel, Sprecherin der Veranstaltungsgesellschaft der Münchner Schausteller, zeigte sich bestürzt: «Wir sind eine große Wiesnfamilie und die Anteilnahme, egal von welchem Bereich, sei es von denen, die für den Strom oder für den Müll zuständig sind, die Beileidsbekundungen, waren enorm heute früh und die Kollegen, die sind sprachlos», sagte sie dem Bayerischen Rundfunk. Am Donnerstag solle es im Rahmen des Schaustellergottesdienstes Raum und Zeit geben, um den Kollegen zu trauern. 

Waren auch Fahrgäste betroffen?

Laut Polizei und Aicher Ambulanz wurden keine Fahrgäste körperlich verletzt. Allerdings waren nach Angaben von Aicher-Sprecher Julian Tanzer Kriseninterventionsteams vor Ort, um denjenigen, die den Unfall mit ansehen mussten, zu helfen. Wie viele Menschen betroffen waren, konnte Tanzer nicht sagen. Laut Fahrgeschäfts-Homepage haben 24 Menschen in der Gondel Platz. Ob sie komplett besetzt war, war aber zunächst unklar.

«Jeder, der eine Betreuung gewollt hatte, hatte die Möglichkeit, eine zu bekommen», sagte Tanzer. «Es war aus meiner Sicht trotz der dramatischen Situation kontrolliert und geordnet, wie es in einer so ernsten Situation ablaufen muss.»

Tödlicher Unfall auf Oktoberfest
Betreiber und Mitarbeiter des Fahrgeschäfts zeigten sich geschockt.
Sven Hoppe/dpa

Laut «Hangover»-Homepage ist der Turm seit 2015 in Betrieb und kostete einst 2,8 Millionen Euro. Nach dem Oktoberfest, das noch bis zum 4. Oktober dauert, sind als weitere Stationen in diesem Jahr die Deutzer Kirmes in Köln und von Ende November bis Anfang Januar dann das Winter Wonderland im Londoner Hyde Park geplant.

Ist es der erste Vorfall mit einem Fahrgeschäft auf der Wiesn? 

Nein. Auf dem Oktoberfest ist es bereits der zweite Vorfall mit einem Fahrgeschäft in diesem Jahr. In einem stehengebliebenen Drehkarussell hatten Fahrgäste am Samstagabend etwa zwei Minuten lang kopfüber ausharren müssen, bevor sie aus ihren Sitzen geholt werden konnten. Grund der Panne war wohl ein defekter Sensor. Der TÜV prüfte das Karussell erneut, bevor es noch am gleichen Abend wieder freigegeben wurde.

Wie gingen Oktoberfest-Unfälle früherer Jahre aus?

Manche glimpflich, doch manche auch tödlich. 2024 kam ein 20-Jähriger bei einer Testfahrt am Olympia Looping ums Leben. Der Arbeiter hatte sich im Gleisbereich aufgehalten und war von einem Zug erfasst worden. Im Jahr zuvor stürzte beim Fest-Abbau ein 50-jähriger Arbeiter aus etwa fünf Metern Höhe und verletzte sich dabei lebensgefährlich. Am ersten Wiesn-Tag 2023 wurden bei der Kollision zweier Achterbahnwaggons neun Fahrgäste leicht verletzt. 2019 fiel ein Zweijähriger aus einem Karussell und brach sich beide Beine.

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