Deutscher Mieterbund legt Mietenreport 2026 vor
Die Präsidentin des Deutschen Mieterbundes (DMB), Melanie Weber-Moritz wünscht sich mehr Regulierung im Mietrecht.
Michael Kappeler/dpa
Brennpunkte
Wohnungskrise: Angst vor Mietanstieg und Wohnungsverlust

Viele Mieterinnen und Mieter treibt die Sorge um, im Falle eines erforderlichen Umzugs keine angemessene neue Wohnung zu finden. Jeder zweite Mieter in Deutschland (50 Prozent) befürchtet, im Bedarfsfall keine bezahlbare Ersatzwohnung zu finden. Darauf weist der Deutsche Mieterbund (DMB) in seinem aktuellen «Mietenreport 2026» hin.

Eine vom Mieterbund in Auftrag gegebene Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zeigt zudem, dass sich 29 Prozent der Mieterinnen und Mieter Sorgen machen, ihre Miete künftig nicht mehr bezahlen zu können. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Befragten berichteten, ihre Wohnkosten - Miete beziehungsweise Nebenkosten - seien in den zurückliegenden zwölf Monaten gestiegen.

Es wurden 1.021 Mieterinnen und Mieter zwischen dem 29. Juni und dem 7. Juli befragt. Die Umfrage ist den Angaben zufolge bezogen auf die Mieter in Deutschland repräsentativ.

DMB: Viele ziehen die Mietpreisbremse gar nicht

Die Mietenkrise habe sich verfestigt, bilanziert DMB-Präsidentin Melanie Weber-Moritz. Viele Mieter lebten in Angst vor Wohnungsverlust, was teils auch dazu führe, dass sie davor zurückschreckten, ihre Rechte geltend zu machen - etwa mit einer Forderung nach Reduzierung der Miete unter Verweis auf die Mietpreisbremse.

Die Mietpreisbremse gilt nur in Regionen, die als Gebiete mit angespanntem Wohnungsmarkt ausgewiesen sind. Bei Neuvermietung einer Wohnung darf die Miete dort zu Beginn höchstens um zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Ausnahmen gibt es für die Erstvermietung von Neubauten, bei umfassender Modernisierung, für ältere Verträge und bei Kurzzeitvermietung.

Woran Mieter sparen

Damit Mieter ihre Wohnkosten stemmen können, sparen sie laut Mieterbund an anderer Stelle. Gut jeder Zweite (52 Prozent) legt deshalb den Angaben zufolge weniger Geld fürs Alter zurück. Jeder Vierte (25 Prozent) gibt demnach weniger Geld für gesunde Lebensmittel aus. Zudem hat laut DMB jeder vierte Miethaushalt nur einen sehr begrenzten finanziellen Puffer, um etwa bei Jobverlust, im Falle einer Trennung oder bei längerer Krankheit weiter genügend Geld für die Miete aufzubringen. Jeder Zehnte (zehn Prozent) könnte die Miete nur weniger als einen Monat aufbringen, falls plötzlich 40 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens wegbrechen sollten.

Hoher Anteil des Einkommens für Miete und Nebenkosten

Aus der Wohnungskrise sei längst eine «Sozialstaatskrise» geworden, stellt der Mieterbund fest. 2025 mussten 11,2 Prozent der deutschen Bevölkerung mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen aufbringen. Damit liegt Deutschland EU-weit auf Platz drei hinter Griechenland und Dänemark, wo der Anteil noch höher ist. Der Durchschnittswert in der EU lag im vergangenen Jahr bei 7,7 Prozent.

Vor dem Tag der Nachbarn
Vor allem in Städten wie München, Frankfurt, Berlin oder Köln kann die Suche nach einer preisgünstigen Mietwohnung schnell zum Hindernislauf werden. (Symbolbild)
Malin Wunderlich/dpa

Bundesregierung hat schärfere Regeln beschlossen

Die vom Kabinett im April beschlossenen Verschärfungen im Mietrecht sieht der DMB zwar positiv. Ausreichend, um Mietern die Angst vor Kostensteigerungen und Wohnungsverlust zu nehmen, sind sie aber aus Sicht des Dachverbands nicht. Dafür brauche es unter anderem für eine bestimmte Zeit einen «bundesweiten Mietenstopp» und Bußgeldzahlungen für Vermieter, die Wuchermieten verlangen beziehungsweise gegen die Regeln der Mietpreisbremse verstoßen, sagt Weber-Moritz.

Bundestag hat über Vorschläge noch nicht entschieden

Der Entwurf der Bundesregierung, über den der Bundestag noch entscheiden muss, sieht strengere Vorgaben für die Vermietung möblierter Wohnungen vor. Wer als Mieter einen Indexmietvertrag unterschrieben hat, soll in Gebieten, in denen die Mietpreisbremse gilt, vor besonders hohen Mietkostensteigerungen bei stark steigender Inflation geschützt werden. Kurzzeit-Mietverträge sollen im Regelfall für maximal ein halbes Jahr erlaubt sein. Geplant ist zudem eine Regelung, die es Mietern, die mit den Mietzahlungen in Verzug sind, erleichtert, eine Kündigung abzuwenden. Vor allem bei diesem Teil des Entwurfs sehen Fachpolitiker der Union noch Diskussionsbedarf.

Die DMB-Präsidentin dagegen findet, bei der Regulierung des Mietrechts «braucht es einfach deutlich mehr, als das, was in der Bundesregierung derzeit diskutiert wird». Der Eigentümerverband Haus & Grund kritisiert: «Der Mieterbund beschreibt die Krankheit inzwischen ziemlich genau - verlangt aber immer wieder nach derselben falschen Medizin.» Mehr Regulierung schaffe keine einzige zusätzliche Wohnung, sagte Verbandspräsident Kai Warnecke.

Wohnungen in München
Von Vermieterseite ist oft zu hören, ein Grund für die teils hohen Mieten seien zu kleinteilige Vorschriften, gestiegene Handwerker- und Neubaukosten. (Symbolbild)
Peter Kneffel/dpa

Wann kommt Bundesbaugesellschaft für bezahlbaren Wohnraum? 

In Deutschland fehlten aktuell rund 1,4 Millionen Wohnungen, erklärt der Mieterbund. Die Anfang Juli vom Koalitionsausschuss angekündigte Gründung einer Bundesgesellschaft könne bei der Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum zumindest teilweise Abhilfe schaffen, sagt Weber-Moritz.

Ein weiterer sinnvoller Schritt wäre es aus ihrer Sicht, dafür zu sorgen, dass Sozialwohnungen mit niedriger Miete für unbegrenzte Zeit nur an Menschen mit geringem Einkommen vermietet werden dürfen. Nach geltendem Recht darf eine solche geförderte Wohnung normalerweise nach einem bestimmten Zeitraum - beispielsweise nach 30 Jahren - frei vermietet werden. Auf die hohen Baukosten angesprochen, schlägt der Mieterbund vor, die Bodenpreise zu deckeln und kommunale Flächen zu nutzen.

© dpa-infocom, dpa:260901-930-614072/2

VG WORT Zählmarke